Einzigartig, aber nicht selbstverständlich – die Europäische Union

Die Europäische Union (EU) steht vor neuen Herausforderungen, die nicht nur von den Verhandlungen um den Brexit bestimmt sind. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der französische Staatspräsident Emmanuel Macron haben im letzten Jahr die Frage aufgeworfen, wie eine EU des Jahres 2025 aussehen soll. Die Stimme der Unternehmerinnen und Unternehmer in diesen Veränderungsprozess einzubringen, ist aus meiner Sicht wichtig, um Europa auch weiterhin zukunftsfest aufzustellen.

Der Erhalt wirtschaftlich attraktiver Rahmenbedingungen in Europa, welche die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen unterstützen, ist das Fundament für Frieden und Freiheit aller Bürger in der Gemeinschaft. Ein starkes Europa ist ein Europa der engen Zusammenarbeit – mit einem Binnenmarkt, den wir fortwährend ausbauen, stärken und festigen. Aus Sicht der Wirtschaft kann die Handlungsfähigkeit der bestehenden Strukturen weiter erhöht und Bürokratie abgebaut werden. Dort besteht trotz einiger Fortschritte noch Nachholbedarf. Im internationalen Wettbewerb kann nur ein funktionierender Binnenmarkt unseren Wohlstand sichern.

Wir brauchen ein einiges Europa, das Unternehmen den Handel erleichtert und Hemmnisse zwischen den Staaten aus dem Weg räumt. Mehr passende Regelungen und ein fairer Wettbewerb mit Staaten aus Amerika und Fernost sind erforderlich. Bilaterale Freihandelsabkommen sind hier eine der Möglichkeiten. Solange das nicht ausreichend gegeben ist, darf die EU mit modernen Schutzinstrumenten und Investitionsschutzabkommen die richtigen Wegweiser setzen. Das ist gerade für den Mittelstand, der immer regional ansässig bleibt, wichtig.

Bei der Diskussion um Europa darf nicht aus dem Blick geraten, dass zwar weiterhin Unterschiede vorhanden sind, Standardisierungen und Harmonisierungen aber vieles einfacher machen. Der Löwenanteil deutscher Exporte erfolgt im Warenverkehr innerhalb der EU – ohne Zoll- und Handelsschranken und mit überschaubar bürokratischem Aufwand. Von solchen Erleichterungen darf es ruhig ein wenig mehr sein. Ein weiterhin großer harmonischer Wirtschaftsraum mit einer Vorstellung für 2025 und darüber hinaus, mit kreativen und innovativen Bürgern und Unternehmen ist das beste Rezept, um auch morgen einzigartig und erfolgreich zu sein.

Jürgen Hagenlocher,
Vizepräsident der IHK Offenbach am Main und Vorsitzender des IHK-Expertenrates Internationale Märkte

Jürgen Hagenlocher ist Geschäftsführer der Videor E. Hartig GmbH in Rödermark. Foto: Privat