Das Amtliche Verzeichnis präqualifizierter Unternehmer

Einfacher zum öffentlichen Auftrag

Ob es um Büromöbel oder IT-Leistungen geht – Bund, Länder und Kommunen vergeben jedes Jahr Aufträge in Milliardenhöhe. Die Bewerbung um einen solchen Auftrag ist für Unternehmen nun erleichtert worden: Die IHK und die Auftragsberatungsstelle (ABSt) bieten ihnen die Aufnahme in das neue amtliche Verzeichnis an. Über Vorteile und Herausforderungen berichten ABSt-Geschäftsführerin Brigitta Trutzel und Beate Scheibig, Leiterin Wirtschaftsrecht bei der IHK Wiesbaden.

Brigitta Trutzel (M.) und Beate Scheibig (r.) beantworteten die Fragen von Melanie Dietz zum Amtlichen Verzeichnis präqualifizierter Unternehmer. Foto: Paul Müller

Viele Unternehmen rechnen sich bei Aufträgen der öffentlichen Hand wenig Chancen aus. Was ändert das neue Amtliche Verzeichnis präqualifizierter Unternehmen?

Scheibig: Unternehmer, die dort eingetragen sind, werden leicht gefunden. Die IHK-Organisation hat damit eine einheitliche Online-Datenbank geschaffen, auf die jeder zugreifen kann. Das amtliche Verzeichnis ist für öffentliche Auftraggeber bundesweit zugänglich – und ebenso für private Auftraggeber, die im öffentlichen Teil der Datenbank nach zuverlässigen Dienstleistern und Lieferanten suchen können. Die allgemeinen Unternehmensdaten und Leistungen sind für alle einsehbar. Die hinterlegten Dokumente dagegen befinden sich in einem geschützten Bereich. Der Vorteil der Datenbank: Auftraggeber sehen direkt, dass der Bewerber geeignet ist, an einer öffentlichen Ausschreibung teilzunehmen. Das gilt für Liefer- und Dienstleistungsaufträge ebenso wie für freiberufliche Tätigkeiten.

Trutzel: Das trifft übrigens EU-weit zu. Es ist ein Quantensprung, dass hier der Schritt über die einzelnen Bundesländer hinaus gelungen ist. Für die Unternehmen bringt das zudem mehr Rechtssicherheit: Sowohl in Deutschland als auch innerhalb der EU sind die öffentlichen Auftraggeber verpflichtet, die Eignung von Unternehmen anzuerkennen, die dort gelistet sind.

Wie können sich Unternehmen in das amtliche Verzeichnis eintragen lassen?

Trutzel: Voraussetzung für den Eintrag ist die Präqualifikation – schließlich gelten für öffentliche Aufträge formale Anforderungen, die einem privaten Auftraggeber nicht zwingend nachzuweisen sind. Wir prüfen daher zunächst, ob die Unternehmen die rechtlichen Anforderungen erfüllen, um einen öffentlichen Auftrag zu erhalten. Die Betriebe reichen bestimmte Dokumente ein, um ihre Fachkunde, ihre Leistungsfähigkeit, ihre Gesetzestreue und Zuverlässigkeit nachzuweisen. Das reicht von Bescheinigungen des Finanzamts und der Krankenkasse bis hin zur Eigenerklärung, dass sie nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sind. Zusätzlich sind zwingend Referenzen anzugeben.

Wie arbeiten IHK und ABSt hier zusammen?

Trutzel: Bei der ABSt stellen wir zunächst fest, ob ein Unternehmen die erforderliche Eignung für einen öffentlichen Auftrag nachweisen kann. Wir prüfen und zertifizieren alle erforderlichen Angaben und Dokumente und stellen diese dann dem amtlichen Verzeichnis zur Verfügung, das von der IHK geführt wird.

Scheibig: Wir können auf diesem Weg auf die Erfahrung der ABSt aufbauen. Wenn alle Unterlagen vorhanden sind und von der IHK abschließend geprüft wurden, tragen wir das Unternehmen ins amtliche Verzeichnis ein. Hier bündeln wir unsere Kompetenzen über drei Bundesländer hinweg – die IHK Wiesbaden führt das amtliche Verzeichnis für Unternehmer in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland.

Welchen Vorteil hat es für die Unternehmen, wenn sie zunächst alle Unterlagen bei der ABSt prüfen lassen?

Scheibig: Unternehmen sparen Zeit und Kosten: Wenn sie ihre Eignung einmal nachgewiesen haben, gilt diese grundsätzlich – sie müssen nicht für jede einzelne Bewerbung die Unterlagen neu zusammenstellen und darauf achten, dass diese vollständig und aktuell sind. Statt vieler Einzelnachweise legen sie bei ihrer Bewerbung eine Urkunde vor. Unternehmen haben damit die Sicherheit, dass sie die formalen Voraussetzungen erfüllen, wenn sie sich um einen Auftrag der öffentlichen Hand bewerben.

Welche Rolle spielen solche formalen Fragen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge?

Trutzel: Es kommt immer wieder vor, dass Unternehmen wegen kleiner Formfehler von öffentlichen Vergaben ausgeschlossen werden, etwa wenn ein Nachweis fehlt oder Zusätze gemacht werden, die gar nicht gefordert wurden. Hier stehen wir den Unternehmen mit unserer Beratung zur Seite.

Wie viele Aufträge schreiben Bund, Länder und Kommunen denn überhaupt öffentlich aus?

Trutzel: Zwischen 80 und 90 Prozent der nationalen Vergaben werden nicht öffentlich auf der Hessischen Ausschreibungsdatenbank bekannt gemacht. Die öffentlichen Auftraggeber gehen stattdessen aktiv auf mögliche Lieferanten und Dienstleister zu und bitten sie um ein Angebot. Hier kann der Eintrag im amtlichen Verzeichnis für beide Seiten eine wertvolle Hilfe sein. Die Auftraggeber könnten natürlich auch im Branchenbuch suchen. Dann haben sie aber keine Sicherheit, dass die Bewerber die erforderliche Eignung mitbringen. Und die Unternehmer werden in dem neuen Register schnell gefunden.

Die Fragen stellte: Melanie Dietz, IHK Wiesbaden

Das Amtliche Verzeichnis präqualifizierter Unternehmer

  • bundesweites, online zugängliches Verzeichnis der IHKs
  • von der IHK Wiesbaden geführt für Unternehmer in Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland
  • Bündelung der Kompetenzen im Vergaberecht
  • ABSt Hessen ist für Unternehmen eine eingespielte Partnerin im Bereich der Präqualifikation.

www.amtliches-verzeichnis.ihk.de

Kontakt:
Beate Scheibig
Telefon (0611) 1500-174
b.scheibig@wiesbaden.ihk.de

Wie funktioniert der Eintrag?

  • Erster Schritt: Präqualifikation. Die ABSt prüft, ob das Unternehmen geeignet ist, einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen. Antragsformular unter: www.hpqr.de; ausfüllen und bei der ABSt einreichen. Kosten: 215 Euro für den Erstantrag.
  • ABSt klärt, welche Dokumente benötigt werden.
  • IHK Wiesbaden prüft abschließend
  • Eintrag des Unternehmens ins amtliche Verzeichnis; Gültigkeit ein Jahr; Kosten für die Eintragung: 65 Euro.

www.hpqr.de

Kontakt:
Brigitta Trutzel
Telefon (0611) 974588-0
hpqr@absthessen.de

Öffentliches Auftragswesen

Die IHK Offenbach am Main berät Unternehmen zum öffentlichen Auftragswesen.

Kontakt:

Holger Winkler
Telefon (069) 8207-226
winkler@offenbach.ihk.de