Internet-Plattform für kleine Unternehmen und Selbstständige

Einfache Buchhaltung, mehr Zeit fürs Kerngeschäft

René Maudrich gehört zu den Gründern der Online-Plattform Fastbill. Mit ihr sollen kleine Unternehmen und Selbstständige ihr Rechnungswesen, ihre Bankgeschäfte und ihr Liquiditätsmanagement auf unkomplizierte Weise erledigen. Dazu werden wiederkehrende Abläufe des Geschäftsalltags durch Automatisierung und „smarte“ Assistenzsysteme beschleunigt.

Christian Häfner (l.) und René Maudrich (r.) verantworten das operative Geschäft von Fastbill. Foto: Fastbill

Der 37-Jährige beschäftigt sich seit 17 Jahren mit Softwareentwicklung und dem Aufbau von Online-Angeboten. Er hat an der TU Ilmenau Medientechnologie studiert. Anschließend hat er – angezogen von der Wirtschaftskraft des Rhein-Main-Gebiets – zunächst eine Software-Agentur in Offenbach gegründet und Intranet-Systeme für Unternehmen entwickelt. Dann hatte er die Idee zu Fastbill.

Können Sie bitte erklären, worum es sich bei Fastbill handelt?

Mit Hilfe der einfachen Benutzeroberfläche haben die Anwender ihre Finanzen stets im Griff: Sie erstellen Rechnungen in wenigen Minuten, sammeln Belege in einem digitalen Archiv, haben den Überblick über Bankkonten und Zahlungen. Durch die Echtzeit-Abläufe erhalten sie ihr Geld schneller als je zuvor und lassen die Buchhaltung im Hintergrund erledigen. Auch der Steuerberater profitiert von der automatischen Datenübertragung.

Wie sind Sie auf diese Geschäftsidee gekommen?

Nach der ersten Unternehmensgründung konnte ich mich bald kaum noch um das Kerngeschäft kümmern. Der ‚Papierkram‘ und die Jagd nach Liquidität kosteten viel Zeit. Gerade am Monatsende war das belastend. Mir wurde bewusst, dass diese Abläufe sich ständig wiederholen und sehr gut automatisiert werden konnten. Mit Bekannten entwickelte ich die Idee zu einer neuen Art von Software, die hilft, das alles mit einfachen Schritten und voll digital zu erledigen. Innovativ war die internetbasierte Architektur, durch die man von jedem Ort der Welt zugreifen kann. Im Datenschutz und der Datensicherheit sind unsere Standards hoch. Alle Daten werden in einem sicheren Rechenzentrum in Frankfurt verarbeitet.

Welches Know-how benötigen Sie?

Zum Fastbill-Team gehören derzeit 34 Mitarbeiter, die einen Schwerpunkt in der Software-Entwicklung haben und das fachliche Know-how der Buchhaltungsprozesse unserer Zielgruppe mitbringen. Christian Häfner und ich haben die Expertise in Marketing und Produktentwicklung – wir wurden das operativ tätige Team. Unsere Mitgründer verfügen über Kompetenzen in den Bereichen IT-Infrastruktur, Datensicherheit, Wirtschaft und Markenaufbau.

Wie haben Sie das Projekt finanziert?

Wir haben Fastbill in den ersten Jahren komplett aus eigenen Mitteln und mit dem Know-how des Gründerteams aufgebaut. Das war anstrengend, aber wir haben gelernt, mit kleinen Budgets umzugehen und kostendeckend zu wirtschaften. Vor kurzem haben wir eine Finanzierungsrunde mit Investoren in Angriff genommen.

Welche Hürden mussten Sie nehmen?

Zwei Themen haben uns viel Zeit und Mühe gekostet: Zum einen gab es anfangs nicht die technischen Schnittstellen, um etwa an Banken anzudocken und Zahlungsbewegungen für unsere Nutzer abzurufen. Erst im letzten Jahr stellten die führenden Anbieter von Steuerberatersoftware Schnittstellen vor, um Buchhaltungsdaten einzuspeisen. Nur damit kann die automatisierte Abwicklung von Finanzprozessen im Hintergrund stattfinden. Die zweite Hürde steckte in unserem schnellen Wachstum. Wir mussten erst die richtigen Strukturen und Abläufe definieren und einführen.

Gab es positive Überraschungen?

Die wohl wichtigste positive Erkenntnis war, dass wir mit unserer Vision und den Produkten einen spürbaren Mehrwert für viele tausend Unternehmen schaffen. Jeden Tag erreichen uns positive Rückmeldungen und Ideen für die Weiterentwicklung.

Haben Sie Fehler gemacht?

Wir haben viel gelernt, sind in Sackgassen gelandet, haben Kritik eingesteckt und in neue Lösungen einfließen lassen. Einige Entscheidungen haben uns kurzfristig Umsätze eingebracht, aber Kapazitäten für langfristige Produktentwicklung gekostet. Und wir haben oft zu wenig Fokus bewiesen, hatten zu viele Baustellen. Solange man wieder auf den richtigen Weg findet, kann auch mal etwas schiefgehen.

Wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung entwickelt?

Gestartet sind wir zu zweit. Dann haben wir Studenten für die Kundenbetreuung eingestellt. Kundenbasis, Umsatz und Teamstärke wurden jedes Jahr größer. Wir waren früh profitabel und haben alle Überschüsse reinvestiert. Der Standort Offenbach wurde der zentrale Sitz der Firma. Der größte Teil des Teams arbeitet hier, einige Kollegen in anderen deutschen Städten, sowie in Brasilien, Serbien, Japan und Kanada. Das passt gut zu unserer Unternehmenskultur. Mehr als 40.000 Unternehmen nutzen unsere Produkte. Wir machen siebenstellige Umsätze.

Sind Sie zufrieden mit dem Erreichten?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren „Ja“ beantworten. Ich bin begeistert von der Firmenentwicklung, dem Team, der Unternehmenskultur und den vielen Möglichkeiten zur persönlichen Verwirklichung.

Würden Sie wieder gründen?

Auf jeden Fall. Wenn man sich einmal auf die kleinen und großen Herausforderungen eingestellt hat, bieten die Gründung einer Firma und die Arbeit an einer ganz neuen Vision die Möglichkeit, die Zukunft mitzugestalten und Werte zu schaffen, die von Bestand sind.

Welche Pläne haben Sie?

In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf den weiteren Ausbau der „smarten“ Buchhaltungsabläufe und das Liquiditätsmanagement. Der Arbeitsalltag unserer Nutzer soll noch einfacher werden, die Zusammenarbeit mit dem Steuerbüro immer stärker automatisiert ablaufen. In einem Jahr sollen unsere Kunden kaum noch an ihre Buchhaltung denken müssen.

Die Fragen stellte:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
E-Mail arens@offenbach.ihk.de