Stadt Langen, DFS und IHK ziehen an einem Strang

Ein Ausbau der RTW West bis nach Langen stärkt die Region

Das derzeit wichtigste Schienenverkehrsprojekt für die Region Offenbach ist die Regionaltangente West (RTW). Sie wird den Hochtaunuskreis, den Main-Taunus-Kreis, Frankfurt-Höchst, den Flughafen Frankfurt und den Kreis Offenbach direkt verbinden. Allerdings ist bisher kein Anschluss für Langen geplant. Dafür plädieren die IHK, die Stadt Langen und die DFS Deutsche Flugsicherung.

V.l.n.r.: IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller, Professor Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFS, und Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt sind sich einig: Die RTW muss bis nach Langen geführt werden. Foto: DFS

„Der öffentliche Personennahverkehr in der Region muss ausgebaut werden, um die Straßen zu entlasten und die Luftqualität zu verbessern. Die geplante Regionaltangente West ist deshalb ein richtiges und zukunftsweisendes Projekt. Die neue Bahnstrecke darf aber nicht drei Kilometer vor dem wichtigen Umsteigebahnhof Langen in Dreieich-Buchschlag enden. Hier haben die verantwortlichen Planer ein sinnvolles Projekt ganz offensichtlich nicht zu Ende gedacht“, sagt Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt.

Technisch gesehen wäre es kein Hindernis, die RTW bis zum Bahnhof fahren zu lassen. Ein zusätzliches Gleis wäre nicht erforderlich. Der Bahnhof Langen fungiert als Umsteigestation für viele Pendler aus den Landkreisen Offenbach und Groß-Gerau, die ihren Arbeitsplatz in Darmstadt, Frankfurt oder am Flughafen haben. Darüber hinaus ist die Stadt ein wichtiger Wohn- und Wirtschaftsstandort im Rhein-Main-Gebiet, der seit Jahren an Bedeutung gewinnt. „Grundlage für die weitere positive Stadtentwicklung ist eine gute Verkehrsinfrastruktur, das heißt leistungsfähige Stadt-Umland-Verbindungen in alle Richtungen, um so den zunehmenden Pendlerverflechtungen in der Region gerecht zu werden. Eine effektive Anbindung ist nicht nur für Unternehmen von großer Bedeutung, sondern auch wichtig bei der Wohnortwahl von Fachkräften“, erklärt der Bürgermeister.

Die Unternehmensperspektive beschreibt Professor Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Flugsicherung (DFS), die rund 3.000 Mitarbeiter in Langen hat und weiter wachsen will. Die Flugsicherungskontrollzentrale, die zu den größten der Welt gehört, hat ihren Sitz seit rund 25 Jahren im Wirtschaftszentrum Neurott. Dort fühle sich die DFS überaus wohl – „aber es könnte noch besser sein.“ Eine direkte ÖPNV-Anbindung an den Frankfurter Flughafen „wäre ideal für uns“, steht für ihn fest. „Rund ein Drittel unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wohnt in Frankfurt und nördlich davon. Die Verlängerung der RTW würde es insbesondere diesen Mitarbeitern ermöglichen, die DFS mit öffentlichen Verkehrsmitteln unkompliziert direkt vom Wohnort aus zu erreichen. Hinzu kommt, dass eine direkte Verbindung zwischen DFS und dem Flughafen aufgrund der Zeitersparnis auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung für die DFS ist.“

Hohe Zahl der Berufspendler zeigt Potenzial für die RTW.

Anlässlich eines Business-Frühstücks bei der DFS warb er zum wiederholten Mal für eine Verlängerung der RTW.

IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller unterstützt diese Standpunkte: „Mit 15.010 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist Langen einer der größten Arbeitsstandorte im Kreis Offenbach. Nur ein geringer Anteil der Langener (3.354) arbeitet in der eigenen Kommune. Die hohe Anzahl der Berufspendler zeigt das Fahrgastpotenzial für die RTW auf.“ Langen solle die Chance bekommen, die Wirtschaftlichkeit der Anbindung über die aktuell laufende Nutzen-Kosten-Untersuchung nachzuweisen. Im Anschluss müssten die Planungsunterlagen angepasst werden. „Dazu brauchen wir ein Konzept mit konkreten Entwicklungsschritten. Es sollte die Betriebsqualität optimieren, die Zahl der Direktverbindungen nach Frankfurt steigern, die Anbindung zur RTW sowie die Elektrifizierung und Streckenoptimierung, bis hin zu einem eventuellen zweispurigen Ausbau, beinhalten. So wird keine der Kommunen abgehängt, vielmehr profitiert die gesamte Region Offenbach“, ist Schoder-Steinmüller überzeugt.