Im Gespräch mit Bürgermeister Tobias Wilbrand

Egelsbach – eine
Gemeinde im Aufbruch

Es werden gerade viele Weichen für die Zukunft in Egelsbach gestellt.

Foto: Gemeinde Egelsbach

Aufbruch – das wünschen wir alle uns nach der tiefen Krise, in die uns Corona gestürzt hat. Inwieweit befindet sich Egelsbach wegen beziehungsweise trotz der Pandemie im Aufbruch? 

Als ich vor fast drei Jahren als Bürgermeisterkandidat antrat, habe ich die Egelsbacherinnen und Egelsbacher aufgefordert, zwischen dem Aufrechterhalten des Status quo oder einem grundlegenden Wandel zu entscheiden. Am Ende hat sich eine deutliche Mehrheit für mich und somit für Veränderungen entschieden. Deshalb bemühe ich mich seit zwei Jahren darum, meine Wahlversprechen umzusetzen. 

Aus meiner Sicht sind die Grundlagen für einen erfolgreichen Wandel ein möglichst auch strukturell ausgeglichener Haushalt und eine funktionsfähige Verwaltung. Deshalb habe ich hierauf in den ersten Jahren meinen Schwerpunkt gelegt. Weitere wichtige Themen aus dem Wahlkampf waren die Überwindung des Sanierungsstaus in den Bereichen Infrastruktur und Liegenschaften, die Neuansiedlung von Gewerbe, die Umsetzung von beschlossenen Jugendprojekten, ein Konzept für die Versammlungsstätten und eine bessere Kommunikation mit der Bevölkerung und der Politik. 

Die Umsetzung dieser Ziele in den letzten beiden Jahren hat in verschiedenen Bereichen im Ort für Aufbruchsstimmung gesorgt. 

Welche Auswirkung hat nach Ihrer Einschätzung dieser Aufbruch auf die ortsansässigen Unternehmen und die Wirtschaft in Egelsbach insgesamt? 

Hier würde ich gerne zwischen den aktuellen und zukünftigen Auswirkungen unterscheiden. Bereits verändert hat sich zum Beispiel die Kommunikation mit den Unternehmen. Mit Amtsantritt habe ich umfangreiche Gespräche mit den zehn bis 15 wichtigsten Unternehmen geführt und seitdem den Kontakt weitestgehend aufrechterhalten. Die bessere Vernetzung hat gerade bei kleineren Projekten, wie der Errichtung von E-Tankstellen auf privatem Grund, für kurze Kommunikationswege gesorgt. Dies wollen wir weiter ausbauen. Mit dem Mühlloh wird nun ein neuer Gewerbepark errichtet, der weitere Flächen für Gewerbeneuansiedlungen zur Verfügung stellt. Außerdem beraten wir ansässige Unternehmen bei möglichen Expansionsplänen und stellen Kontakte zwischen Besitzern von Brachflächen und potenziellen Interessenten her. Auch hier gibt es einige vielversprechende Ansätze. 

Aber vor allem für die zukünftige Ausrichtung der Wirtschaftsförderung sind zwei längerfristige Ansätze von entscheidender Bedeutung. Zum einen hat die Gemeindevertretung bereits im Januar 2018 die Erarbeitung eines Leitbildes unter Beteiligung der Bevölkerung beschlossen, das auch Auswirkungen auf die zukünftige Gewerbeansiedlung haben wird. Zum anderen wird ja bis 2023 der neue Regionale Flächennutzungsplan für die Rhein-Main-Region aufgestellt. Für die Planung der zukünftigen Entwicklung Egelsbachs wird es von großer Bedeutung sein, welche Flächen welcher Nutzung zugeführt werden können, denn zurzeit gibt es hier kaum noch ausbaufähige Flächen. Auch hier wird es von entscheidender Bedeutung sein, welche Vorgaben das Leitbild bezüglich des Wachstums der Gemeinde macht. 

Es werden also gerade viele Weichen für die Zukunft in Egelsbach gestellt. Wie diese Entscheidungen ausfallen, wird prägend dafür sein, inwieweit der bereits angesprochene Aufbruch Früchte trägt. 

Gibt es schon erste Ergebnisse des von Ihnen beschriebenen Leitbildes? Auf was müssen sich die Unternehmen einstellen? 

Der Einfluss auf die bestehende Gewerbestruktur wird sicher nicht so groß sein. Bei einem Leitbild geht es ja vielmehr darum, die Leitplanken für die Zukunft festzulegen. Das Leitbild wurde bisher von themenorientierten Kleingruppen unter reger Beteiligung der Bevölkerung erarbeitet und muss nach der Festlegung der Kerninhalte noch redaktionell überarbeitet werden, bevor es zur Beschlussfassung in die Gemeindegremien geht. Die Festlegung der Kerninhalte war kurz vor Beginn der Coronakrise fast abgeschlossen. Wenn es nach den Arbeitsgruppen geht, wird Egelsbach nur noch moderat wachsen und versuchen, allzu großen Verlust an unbebauten Flächen zu verhindern. Bei der Gewerbeneuansiedlung wäre dann der Fokus auf wissens- und technologieaffine Unternehmen zu legen, die weniger große Flächen brauchen. Dafür müsste allerdings auch in die Infrastruktur für solche Unternehmen investiert werden. 

Sie haben gerade selbst darüber berichtet, dass durch die Pandemie der Leitbild-Prozess ins Stocken gekommen ist. Egelsbach war ja sehr früh durch einen bestätigten Infektionsfall in der Verwaltung unmittelbar von Corona betroffen. Wie steht die Gemeinde heute da? 

Egelsbach ist vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Durch die sehr frühe unmittelbare Betroffenheit haben wir in der Gemeindeverwaltung frühzeitig Maßnahmen ergriffen, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Glücklicherweise haben die Reformen in der Verwaltungsstruktur, die ich in den letzten beiden Jahren angestoßen habe, bereits gegriffen, so dass wir ausreichend handlungsfähig waren, um auf diese Herausforderung zu reagieren. 

Heute steht Egelsbach aus meiner Sicht vergleichsweise gut da. Die viel beschworene „neue Normalität“ ist ein Stück weit bereits Alltag.

Wie hat sich Corona denn insgesamt auf die bereits angesprochene Aufbruchsstimmung im Ort ausgewirkt? Wie beeinflussen zum Beispiel die finanziellen Auswirkungen Ihre weiteren Pläne? 

Natürlich werfen auch uns die aktuelle Krise und die damit verbundenen Konsequenzen ein ganzes Stück zurück. Zum einen haben wir fast ein Quartal verloren, in dem weitere Gespräche und konkrete Planungen nur bedingt vorangetrieben werden konnten. Zum anderen ist auch in Egelsbach mit einem signifikanten Einbruch der Einnahmen, vor allem durch einen Rückgang der Gewerbesteuer, zu rechnen. Wir rechnen zurzeit mit einem Defizit von bis zu sechs Millionen Euro, also 20 Prozent unserer gesamten Einnahmen. Ich hoffe aber, dass diese Herausforderung uns nicht langfristig von der Umsetzung dieses Aufbruchs abhält. 

Welche Entwicklungen der letzten Jahre machen Ihnen Hoffnung, dass der Aufbruch gelingt? Und wie passt der bereits erwähnte Gewerbepark Mühlloh in dieses Gesamtbild? 

Hoffnung machen mir vor allem die guten und konstruktiven Gespräche, die wir sowohl mit den Investoren und Eigentümern infrage kommender Flächen als auch mit den Aufsichtsbehörden geführt haben. Wir haben in Egelsbach einige Themen, die seit vielen Jahren ungeklärt sind. Ob das die Rolle der Gemeinde als Unterzentrum in Bezug auf die Versorgung durch den aus Sicht der Aufsichtsbehörden in Egelsbach überrepräsentierten Einzelhandel betrifft oder die Neugestaltung einiger sich in Privatbesitz befindlicher Brachflächen oder die Weißflächen im Regionalen Flächennutzungsplan in der Nähe des Flugplatzes. Überall sind wir heute einer Lösung deutlich näher als noch vor zwei Jahren.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Areal des sich nun im Bau befindlichen Gewerbeparks Mühlloh. Die grundsätzliche Entscheidung, dort Gewerbe anzusiedeln, wurde unter der Auflage, keine reinen Logistiker unterzubringen, bereits vor rund acht Jahren getroffen. Danach ruhte das Projekt, weil man sich viele Jahre nicht auf die Rahmenbedingungen für einen städtebaulichen Vertrag und die Umsetzung der Planungen des Investors einigen konnte. In den letzten zwei Jahren haben wir hier sehr intensive und teils kontroverse Gespräche geführt, mit dem Ergebnis, dass der Gewerbepark bis Ende des Jahres 2020 fertiggestellt werden kann. Jetzt gilt es in Gesprächen mit dem Investor darauf zu achten, dass bei der Vermietung der Immobilien auch Unternehmen zum Zuge kommen, die in Egelsbach Arbeitsplätze schaffen und nennenswert Gewerbesteuer zahlen. Dann wird das Projekt zu einer Win-win-Situation für alle Beteiligten. 

Ein weiterer Aspekt, der mich hoffnungsvoll stimmt, ist die Perspektive, dass wir mit Verabschiedung des Leitbildes erstmals eine grundlegende Orientierung haben, in welche Richtung sich Egelsbach in den nächsten Jahren entwickeln soll. Damit verfolgen wir dann eine ganzheitliche Strategie, anstatt in Einzelprojekten immer nur Stückwerk leisten zu können. 

Welche Rahmenbedingungen müssen aus Ihrer Sicht noch erfüllt sein, damit der Aufbruch in Egelsbach erfolgreich sein wird? 

Zunächst hoffe ich, dass die aktuelle Pandemie nicht noch einmal zu einem weitreichenden Lockdown führen wird. Wenn wir im Rahmen der „neuen Normalität“ in den nächsten Monaten die ausgesetzten Gespräche und Prozesse wieder aufnehmen können und die Einbrüche bei den Erträgen sich zeitlich und vom Umfang her im Rahmen halten, wäre das eine wichtige Voraussetzung für die Fortsetzung des Umbruchs. 

Des Weiteren müssen die Gespräche mit Investoren und Aufsichtsbehörden weiter so konstruktiv und zielführend verlaufen wie vor dem Lockdown. 

Der dritte, eher langfristige Faktor ist die Gestaltung des Regionalen Flächennutzungsplans und des Leitbildes, die uns beide wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des Jahres und – zumindest, was den Regionalen Flächennutzungsplan betrifft – bis 2023 beschäftigen werden. Die Ergebnisse dieser beiden Prozesse werden die Leitplanken für mindestens die nächsten zehn Jahre setzen.  

Beide Themen werden auch in den politischen Gremien der Gemeinde diskutiert. Die Ergebnisse dieser politischen Beratungen werden also ebenfalls eine gewichtige Rolle dabei spielen, um den Aufbruch auch erfolgreich zu gestalten.

Wirtschaftsförderung. Aktiv. Kompetent.

Egelsbach ist eine prosperierende Gemeinde in der Metropolregion FrankfurtRheinMain. Es liegt zentral und verfügt nicht nur über sehr gute Verkehrsanbindungen, sondern auch über eine herausragende soziale Infrastruktur – von Kita-Plätzen bis hin zu hoch qualifizierten Bürgerinnen und Bürgern. Damit setzt Egelsbach neue Maßstäbe bei der Kombination von Unternehmens- und Familienfreundlichkeit. 

Beim Finden unkomplizierter und lösungsorientierter Wege unterstützt die Wirtschafts-
förderung alle Unternehmen, die vor Ort ansässig sind, und genauso diejenigen, die sich neu ansiedeln wollen.

Die Fragen stellte Birgit Arens-Dürr, IHK Offenbach am Main

Kontakt

Margit Saper-Ohmann
Wirtschaftsförderin (VWA)
Telefon 06103 405 131
margit.saper-ohmann@egelsbach.de
www.egelsbach.de