E-Mobilität: Für diese Branchen lohnt sich das Umschalten

Gerade wurde die Förderung für Elektrofahrzeuge noch einmal verlängert. In vielen Unternehmen stellt sich jetzt die Frage: Macht eine Umstellung auf die umweltfreundliche Technologie Sinn?

Unternehmen, die für ihren Fuhrpark die Umstellung auf Elektro-Fahrzeuge planen, können länger als bisher geplant Kaufprämien in Anspruch nehmen. Der Umweltbonus (4.000 Euro Zuschuss für reine E-Fahrzeuge, 3.000 Euro für Hybride) soll nach Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums bis Ende 2020 verlängert werden. Ursprünglich sollte er bereits im Juni 2019 auslaufen.

Damit gewinnen Betriebe auch Zeit, darüber nachzudenken, ob sich eine komplette Umstellung oder eine Ergänzung der Wagenflotte um einige umweltfreundliche Fahrzeuge lohnt. Manche Branchen profitieren dabei mehr als andere, wie ein Vergleich zeigt, den das Fachportal www.umschalten.de in diesem Frühjahr erstellt hat.

Generell bieten sich Fahrzeuge mit Elektroantrieb vor allem für Unternehmen an, die in der Region tätig sind und überwiegend Kurzstrecken zurücklegen. Der Nachteil immer noch relativ geringer Reichweiten von E-Wagen fällt damit nicht so sehr ins Gewicht. Außerdem können die Fahrzeuge über Nacht auf dem Firmengelände aufgeladen werden. Dementsprechend kann der Einsatz von E-Fahrzeugen zum Beispiel für diese Branchen sinnvoll sein:

  • Regionale Logistikunternehmen: Elektrisch oder mit Hybridmotoren angetriebene Kleintransporter können für Lieferungen in der Region problemlos genutzt werden. Die StreetScooter der Post haben sich im Zustellungs-
    alltag bewährt und werden nun auch für andere Unternehmen angeboten. Von möglichen Fahrverboten in Innenstädten sind E-Autos nicht betroffen.
  • Lieferdienste: Bringdienste für Essen und Getränke sind meist nur innerhalb einer Stadt und dem näheren Umland unterwegs. Für sie bieten sich gegebenenfalls Elektro-Kleinwagen an, die während längerer Pausen sowie über Nacht nachgeladen werden können. Größere Transporter machen unter anderem für Nach-Hause-Lieferungen von Getränkeläden und Supermärkten Sinn.
  • Handwerksbetriebe: Auch hier fallen normalerweise hauptsächlich Kurzstrecken an. Betriebe, die häufiger auch überregionale Aufträge erhalten, können zumindest über eine Ergänzung der Flotte durch E-Fahrzeuge nachdenken. Für längere Fahrten empfiehlt es sich, zunächst weiter auf die vorhandenen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zu setzen.
  • Pflegedienste: Bei Pflegediensten ist häufig ebenfalls ein gemischter Fuhrpark sinnvoll. Zwar sind auch sie in der Regel regional aktiv, neben den regelmäßigen Besuchen kann es aber gelegentlich auch zu ungeplanten Einsätzen kommen. Konventionelle Fahrzeuge sollten deshalb für Notfälle weiter zur Verfügung stehen.

Vor der Umstellung auf E-Mobilität sollte in jedem Fall eine ausführliche Analyse des bestehenden Fuhrparks stehen, die unter anderem Nutzungszeiten, Standorte der Fahrzeuge und die Länge der täglich gefahrenen Strecken umfasst. Experten haben eine Faustregel entwickelt, die zur Orientierung dienen kann: Wenn 90 Prozent der normalerweise gefahrenen Strecken mit der Reichweite eines E-Fahrzeuges zurückgelegt werden können, ist bei der nächsten Erneuerung die Anschaffung eines E-Wagens ratsam. Die übrigen zehn Prozent der Fahrten müssen weiter mit konventionellen Fahrzeugen absolviert werden.

Neben der Umweltprämie gibt es weitere Anreize zur Anschaffung von E-Fahrzeugen. So entfällt für zehn Jahre die Kraftfahrzeugsteuer. Gewerbliche Unternehmer und Freiberufler können außerdem bei der öffentlich-rechtlichen KfW-Bank günstige Kredite zur Finanzierung beantragen. Und: Nicht zuletzt geht mit der Umstellung auf umweltfreundliche Technologie auch ein Imagegewinn einher. Unternehmen, die auf E-Antriebe setzen, werden in der Öffentlichkeit als modern und verantwortungsbewusst angesehen.

Bereits bei der Planung sollten Fuhrparkverantwortliche allerdings ein paar Dinge beachten, so zum Beispiel Änderungen, die sich für die Organisation des Flottenmanagements ergeben, oder den Aufwand für die Einrichtung der notwendigen Ladeinfrastruktur. Die Auswahl an geeigneten Fahrzeugen dürfte in naher Zukunft jedenfalls stark steigen. So haben die 16 weltweit führenden Autokonzerne 2018 ihre Investitionen in Elektromobilität im Vergleich zum Vorjahr von 4,3 Milliarden auf 8,4 Milliarden Euro annähernd verdoppelt. Deutsche Hersteller sind dabei führend. Allein BMW steckte im vergangenen Jahr rund 3,2 Milliarden Euro in E-Mobilität. Betrachtet man den Zeitraum von 2015 bis 2018, steht ebenfalls ein deutscher Autobauer an der Spitze: Daimler investierte in diesen Jahren rund 4,6 Milliarden Euro in die Öko-Technologie.

Bleibt abzuwarten, ob die verlängerte Kaufförderung bis Ende 2020 auch etwas besser genutzt wird als bis jetzt. Nach einem Bericht der Zeitung „Die Welt“ wurden beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bisher etwa 118.000 Anträge mit einer Gesamtfördersumme von gut 400 Millionen Euro gestellt – lediglich ein Drittel der insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel.