E-Mobilität der Zukunft ermöglicht kontaktloses Aufladen – während der Fahrt

Forschungsprojekt „eCharge“ wird vom Bundesverkehrsministerium unterstützt. Beteiligt sind die TU Braunschweig und Privatunternehmen 

Das Ziel ist klar definiert: Bis 2030 sollen auf deutschen Straßen mindestens sieben, besser zehn Millionen Elektrofahrzeuge unterwegs sein. So wollen Regierung und Wirtschaft einen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels leisten. Ein Problem besteht aber immer noch in der unzureichenden Zahl von Ladestationen. Abhilfe könnte hier ein futuristisch anmutendes Projekt namens „e Charge“ schaffen: induktives, berührungsloses Aufladen der Batterie während der Fahrt.

„eCharge“ wurde von Wissenschaftlern der Technischen Universität Braunschweig sowie Experten der Firmen Eurovia Teerbau, Volkswagen und Omexom GA Süd auf die Beine gestellt. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur fördert das Forschungsprojekt. 

Und so funktioniert „eCharge“: Beim Neubau oder der Erneuerung von Straßen werden Induktionsmodule in etwa zehn Zentimeter Tiefe in den Asphaltbelag eingebaut. „Diese sogenannten Coils sind also von außen nicht sichtbar“, heißt es in einer Erklärung der TU Braunschweig. „Lediglich am Straßenrand werden in einem Abstand von 1,65 Metern Kabel aus der Straße herausgeführt, gebündelt und in Abständen von circa 90 Metern in eine Management Unit, also einen Steuerschrank, geführt. Diese kommunizieren mit den Fahrzeugen über die Coils und schalten bei Bedarf Streckenabschnitte an oder ab“, so die Braunschweiger Wissenschaftler weiter. 

Auf diese Weise wird die Batterie im E-Auto während der Fahrt aufgeladen – kontaktlos, Zeitverlust und, so das Ziel, zu geringeren Kosten. Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium sieht in „eCharge“ ein Paradebeispiel für „spannende Forschung“: „Kabelloses Laden ist bei Smartphones bereits Realität, bei E-Fahrzeugen bisher nur Vision“, so Ferlemann in einer Erklärung des Ministeriums. „Deshalb unterstützen wir das Projekt. Wir fördern es mit 1,9 Millionen Euro, um zu schauen, wie unsere Straßeninfrastruktur modern gestaltet und eine Lademöglichkeit im Asphalt integriert werden könnte. Damit würde sich nicht nur für alle Fahrzeuge die Reichweite immens erweitern, sondern auch der Weg zur Ladesäule gespart werden.“

In weiteren Forschungsansätzen tüfteln die „eCharge“-Entwickler an möglichen Abrechnungsverfahren und den ökonomischsten Betriebsarten. Wenn alles wie geplant läuft, sollen künftig auf Autobahnen 25 Kilometer lange „E-Korridore“ in regelmäßigen Abständen eingerichtet werden. Damit würde, so die Braunschweiger Wissenschaftler, „pro Korridor eine Reichweitenverlängerung von bis zu 20 Prozent möglich“. 

Ganz so weit ist es allerdings noch nicht. Zu den nächsten Schritten erklärte das Bundeswirtschaftsministerium: „Das Projekt eCharge ist eines von zwei Forschungsvorhaben im Bereich des induktiven, dynamischen Ladens, die im Rahmen des Innovationsprogramms Straße finanziert werden. In beiden Vorhaben werden erste Versuche vor Ort durchgeführt und ausgewertet. Auf Basis der gewonnen Erkenntnisse wird voraussichtlich im Jahr 2022 jeweils ein funktionsfähiger Demonstrator auf dem Untersuchungsareal der Bundesanstalt für Straßenwesen errichtet und getestet. Eine weitere Erprobung im Autobahnnetz ist geplant.“

Elektro-Autos werden in Deutschland offenbar immer beliebter. Mit 394.940 Fahrzeugen wurden im vergangenen Jahr deutlich mehr E-Autos zugelassen als 2019 (rund 303.000). Jedes zweite davon wurde rein elektrisch angetrieben, bei der anderen Hälfte handelte es sich um Hybride. 13,5 Prozent der Neufahrzeuge fuhren 2020 mit E-Antrieb – auch das bedeutet einen enormen Anstieg gegenüber 2019 (8,4 Prozent). Dazu muss man allerdings sagen, dass dies auch mit dem coronabedingten Rückgang der Gesamtverkaufszahlen zu tun hat.