Duales Studium: So profitieren Unternehmen und Studenten gleichermaßen

Praxis und Theorie gehen dabei Hand in Hand – und Betriebe können bei den Studieninhalten mitreden

Bernd Albrecht, Geschäftsführer und Akademieleiter der Berufsakademie Rhein-Main

Studieren, dabei gleichzeitig praktische Erfahrungen sammeln und Kontakte für die weitere Karriere knüpfen: Für Studenten liegen die Vorteile des dualen Studiums, also der Verbindung von theoretischer und praktischer Ausbildung in Uni und Betrieb, auf der Hand. Doch auch Unternehmen können ihren Nutzen daraus ziehen. Sei es, dass sie künftige Führungskräfte frühzeitig an den Betrieb binden, sei es, dass sie ihren Mitarbeitern die Weiterbildung durch ein Studium ermöglichen, somit deren Qualifikation erhöhen und sie gleichzeitig im Unternehmen halten.

„Aktuell sind über 100.000 Studierende bundesweit an Hochschulen und Berufsakademien in dualen Studiengängen immatrikuliert, wobei wirtschaftswissenschaftliche und technische Fächer im Vordergrund stehen“, erklärt Bernd Albrecht, Akademieleiter und Geschäftsführer der Berufsakademie Rhein-Main in Rödermark sowie Präsident des Bundesverbandes der privaten Berufsakademien Deutschlands und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Berufsakademien.

Gerade in Zeiten wachsender Abiturientenzahlen und gleichzeitig steigenden Fachkräftemangels gewinnt das duale Studium immer mehr an Bedeutung. Bernd Albrecht: „Die Abiturquote liegt bei 51 Prozent, hiervon studieren mehr als 55 Prozent. Auch die sehr stark wissenschaftlich ausgeprägte Ausbildung an den Universitäten und die zunehmende Orientierung der Fachhochschulen an den Uni-Standards führen dazu, dass der fachpraktisch ausgebildete Nachwuchs – und somit der ,Mittelbau der Wirtschaft‘ – rückläufig ist.“

Wohin also mit der wachsenden Zahl an Abiturienten? Und woher die Fachkräfte gewinnen?

Hier greift das duale Studium. Die Vorteile aus der Sicht des Verbandspräsidenten: „Es schließt die Lücke zwischen der klassischen dualen Ausbildung und dem Universitätsstudium. Zielgruppe sind junge Menschen, die sich viel Praxis im Studium wünschen und sich anschließend für mittlere und gehobene Aufgaben entscheiden, meist in dem Unternehmen, in dem sie bisher bereits beschäftigt waren.“

Für die Betriebe ergeben sich über die Fachkräftebindung noch weitere Vorteile. So können sie häufig bei der Ausgestaltung des Studiums eigene Vorstellungen einbringen, etwa wenn es um branchenspezifische Anforderungen geht. „Die Unternehmensvertreter stimmen zahlreiche Themen mit uns ab und wirken auch bei Projekt- und Abschlussarbeiten sowie Praxisprojekten mit“, erklärt Bernd Albrecht. „So werden die Partnerunternehmen in den Studienprozess involviert und partizipieren an den Lernergebnissen, indem sie einen exzellenten wissenschaftlichen Input erhalten.“ Die Bildungsanbieter wiederum profitieren von der Praxiserfahrung der Unternehmen und können diese in Forschung und Lehre integrieren. Albrecht: „Damit bekommen die Absolventen ein Kompetenzprofil, das den Ansprüchen von Praxis und Wissenschaft gerecht wird – ein großer Mehrwert für die Unternehmen.“

Ohne die Möglichkeit des dualen Studiums würden viele Betriebe womöglich gar nicht erst in Kontakt mit den Spitzenkräften von morgen kommen. Denn: „Vielen Abiturienten sind die regionalen und attraktiven Arbeitgeber vor Ort oftmals nicht bekannt“, so Bernd Albrecht. „Folglich bleiben Bewerbungen in den Unternehmen aus. Abiturienten suchen im ersten Schritt häufig nach Anbietern dualer Studiengänge und treten so zunächst mit den Bildungsanbietern in Kontakt. Diese leiten die Bewerbungen an die Unternehmen weiter.“

Allein die Berufsakademie Rhein-Main vermittelt über 70 Prozent der jährlichen Studienanfänger an die angeschlossenen Partnerunternehmen. Aber auch Messebesuche, Online-Rekrutierung und Schulbesuche sind vielfach die Basis für den Einstieg junger Menschen ins duale Studium. Deshalb wird es für Arbeitgeber immer wichtiger, dort mit attraktiven Angeboten vertreten zu sein.

Duales Studium in Hessen

Mit mehr als 320 Studierenden und 120 Kooperationspartnern ist die Berufsakademie Rhein-Main die größte zentral organisierte Berufsakademie in Hessen. Insgesamt gibt es in Hessen 16 Bildungsanbieter dualer Studiengänge mit über 130 Studienmöglichkeiten in Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Marke „Duales Studium“, die durch den Verbund zwischen Bildungsanbietern, den Ministerien für Wissenschaft und Wirtschaft sowie den Industrie- und Handelskammern ins Leben gerufen wurde, genießt eine hervorragende Reputation über die Grenzen des Bundeslandes hinaus.