Digitalisierung und Weiterbildung: Was Unternehmen jetzt tun müssen

Auf Betriebe und Beschäftigte kommen große Herausforderungen zu – doch das ist vielen Betroffenen noch nicht ausreichend bewusst.

Neue Technologien verändern die Welt – insbesondere die Berufswelt. Die Digitalisierung wird nach einhelliger Ansicht von Experten das Arbeits- und Wirtschaftsleben weltweit von Grund auf erneuern. Um im globalen Wettbewerb mithalten zu können, sind deshalb neue Formen der Ausbildung, aber auch der lebenslangen Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unverzichtbar. Eine der wichtigsten Maßnahmen dazu ist zunächst einmal – psychologischer Natur.

Denn den meisten Beschäftigten in Deutschland macht die fortschreitende Digitalisierung noch immer vor allem eines: Angst. In einer Studie des Bundesbildungsministeriums zeigten sich 80 Prozent der befragten Bürger davon überzeugt, dass durch den technologischen Fortschritt immer mehr Menschen beruflich abgehängt werden. Lediglich 16 Prozent sehen die Zukunft optimistischer.

Eine der ersten Aufgaben besteht also darin, Engagement und vielleicht sogar Begeisterung für die neuen Entwicklungen zu wecken, glaubt beispielsweise Lars Hewel, Director Business Intelligence, Concepts & Strategy beim Personaldienstleister Randstad: „Die neuen Anforderungen können durch Qualifizierungen gemeistert werden. Hier müssen Unternehmen zu Lotsen werden. Das heißt: Angebote und Akzeptanz schaffen, Mitarbeiter begeistern, Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Dann steht dem Schritt in eine digitale Zukunft nichts mehr im Wege“, so Hewel anlässlich der Vorstellung des vierteljährlich durchgeführten Randstad-Arbeitsbarometers.

Ein weiteres Ergebnis daraus: 60 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland sind davon überzeugt, dass in der Zukunft digitale Fähigkeiten nötig sind – sie diese im Moment aber noch nicht haben, sondern sich noch aneignen müssen. Mut machen sollte Betroffenen in diesem Zusammenhang allerdings eine Studie des Weltwirtschaftsforums. Ein Ergebnis der Forschungsarbeit „Future of Jobs“ besagt nämlich, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland zwar unter hohem Veränderungsdruck stehe, die Beschäftigten dank ihres hohen Ausbildungslevels aber auch gute Chancen haben, die damit einhergehenden Herausforderungen zu bestehen. Die Ausgangsposition ist damit im internationalen Vergleich also relativ gut.

Darauf deutet auch eine Meldung des Berufsportals XING hin: Zwischen Juni 2014 und Juli 2017 sind bei den von Mitgliedern angegebenen Fähigkeiten digitale Qualifikationen stark angestiegen. Inzwischen dominieren sie sogar. Genannt werden immer häufiger zum Beispiel Kenntnisse in den Bereichen SEO-Optimierung, digitale Transformation, Big Data Analytics oder Internet of Things.

Dennoch ist eine permanente Weiterbildung zwingend notwendig. Laut der Studie des Weltwirtschaftsforums müssen sich bereits 2020 rund 35 Prozent der Berufstätigen in Industrieländern auf völlig neue Anforderungen einstellen. In etwa 20 Jahren könnte sogar jeder zweite Arbeitsplatz überflüssig sein, beispielsweise durch den Einsatz autonomer Fahrzeuge und Roboter.

Das Forum rät deshalb den Staaten, die Bedingungen für berufsbegleitende Weiterbildungsmaßnahmen zu verbessern. Ein hohes Ausbildungsniveau und eine Anpassung an die veränderten Verhältnisse seien unerlässlich. Dabei sehen Fachleute als hauptsächliche Weiterbildungstreiber in Deutschland vor allem die Unternehmen. So ergab vergangenes Jahr ein Gutachten von Bildungs- und Arbeitsmarktexperten, dass hierzulande rund 70 Prozent aller Weiterbildungsmaßnahmen betrieblicher Art sind. Kritisiert wird, dass es in diesem Bereich kaum einheitliche Standards gebe. Die Industrie- und Handelskammern wirken dem im Bereich der Digitalisierung mit bundeseinheitlich entwickelten IHK-Zertifikatslehrgängen entgegen. Diese greifen relevante Weiterbildungsthemen wie Datenschutz oder die Qualifizierung von IT-Personal für die Wirtschaft auf. Digitale Bildung müsse aber entlang der gesamten Bildungskette vermittelt werden, heißt es in einer Erklärung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages vom Anfang des Jahres: „Dies reicht von der Förderung von Projekten in Kita und Grundschulen über die Vermittlung digitaler Kompetenzen in den weiterführenden Schulen bis in die duale Aus- und Fortbildung. Klar ist natürlich auch, dass Weiterbildung im digitalen Bereich Geld kostet. Langfristig werden sich solche Investitionen aber auszahlen. Davon sind nicht nur die Experten des McKinsey Global Institute (MGI) überzeugt: Nach ihren Berechnungen dürfte sich das jährliche Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in Deutschland bis 2030 um bis zu 2,4 Prozentpunkte erhöhen – vorausgesetzt, dass digitale Automatisierungstechniken so rasch wie möglich umgesetzt werden.