Zur Entwicklung der IHK-Mitgliedsunternehmen

Digitalisierung bleibt Hürde und Chance

2017 hat die IHK Offenbach am Main einen Zuwachs um 300 auf 10.689 im Handelsregister eingetragene Mitgliedsunternehmen verzeichnet.

Ohne Glasfaser geht es nicht. Foto: Deutsche Telekom AG

IHK-Präsidentin Kirsten Schoder-Steinmüller berichtete: „Dadurch, dass aber viele Kleingewerbetreibende ihr Unternehmen zwischen 1. Januar und 1. Dezember 2017 abgemeldet haben, verzeichnen wir in diesem Zeitraum einen Mitgliederrückgang von 40.614 auf 39.329 Unternehmen.“ Als Gründe nannte sie die gute Konjunktur und den Fachkräftemangel, der viele Kleinunternehmer in ein Angestelltenverhältnis wechseln lasse.

Geschäftsaufgaben im Einzelhandel prägten zunehmend die Innenstädte, besonders in Offenbach. IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner: „Der allgemeine Strukturwandel im Einzelhandel in Verbindung mit Offenbacher Themen, wie geringe Kaufkraft und starke Konkurrenz im Umfeld, haben der Innenstadt sichtbar zugesetzt. Wir arbeiten deshalb gemeinsam mit der Stadt an einem Zukunftskonzept für die Innenstadt. Analog zum Masterplan werden der Verein Offenbach offensiv und die Stadt 2018 an einer Perspektive für die Innenstadt arbeiten.“

Weniger Innovationsdynamik

Schoder-Steinmüller erklärte, dass die Innovationsdynamik der Unternehmen an Schwung verliert: „Die Unternehmen wollen zwar ihre Aktivitäten unter dem Strich ausweiten, allerdings nicht mehr so stark wie in den vorherigen Jahren. Besonders der Mittelstand macht Abstriche. Die Schere zwischen größeren und kleineren Unternehmen geht damit immer weiter auseinander. Das zeigt der aktuelle DIHK-Innovationsreport 2017 mit über 1.700 Unternehmenseinschätzungen. Für knapp sechs von zehn Unternehmen ist eine mangelhafte Breitbandanbindung mittlerweile eine Bremse für ihre Innovationsaktivitäten.“

Die Region Offenbach sei im Vergleich zu vielen anderen Regionen relativ gut mit schnellen Internetanschlüssen versorgt. Positiv sei, dass aktuell von verschiedenen Telekommunikationsunternehmen kräftig investiert werde. Die Deutsche Telekom baue im Kreis flächendeckend ihre Infrastruktur mit der Vectoring-Technologie aus. Übertragungsgeschwindigkeiten bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) seien damit möglich.

„Unsere Standortumfrage hat jedoch gezeigt, dass viele Unternehmen schon heute deutlich höhere Anforderungen haben. Up- und Download-Raten über 200 Mbit/s sind für viele Anwendungen notwendig. Das geht meist nur mit einem Glasfaseranschluss im Gebäude. Wir begrüßen deshalb sehr, dass die Deutsche Glasfaser in allen Kommunen im Kreis die Gewerbegebiete flächendeckend mit Glasfaser anbinden will. In Dietzenbach ist der Ausbau schon fast abgeschlossen. Auch die Deutsche Telekom und die HSE Medianet sind bei diesen schnellen Anschlüssen aktiv. Der Wettbewerb ist gut für den Standort und gut für die Unternehmen. Es gilt, diesen Wettbewerb zu fördern und schrittweise auch die Unternehmensstandorte in Misch- und Kerngebieten zu erreichen“, sagte die IHK-Präsidentin.

IHK-Beratung und -Netzwerke

Weinbrenner ergänzte: „Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen sind sowohl innovationsfreundliche Rahmenbedingungen als auch die Kooperation mit anderen Unternehmen entscheidend, um die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich zu meistern. Wir bieten zudem ein umfangreiches Informations-, Beratungs- und Qualifizierungsangebot. Gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen haben dadurch die Chance, Innovationen und neue Geschäftsmodelle voranzubringen, Kooperationen aufzubauen und Fördermittel für sich zu nutzen. Darüber hinaus bieten wir Netzwerke.“

Eins davon sei das Cross Innovation Netzwerk. Es sei eine Plattform, um sich auszutauschen, voneinander zu lernen und Anregungen mitzunehmen. Themen seien Digitalisierung, Fachkräftesicherung, Kompetenzentwicklung sowie Forschung und Entwicklung. „Die IHK als Netzwerkmanager unterstützt die Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Wirtschaftsförderern, der Kreis-Wirtschaftsförderung und der Kreishandwerkerschaft bei diesen Schritten. Eine Kooperationspartnerschaft zwischen dem Cross Innovation Netzwerk und der Frankfurt University of Applied Sciences eröffnet darüber hinaus den direkten Zugang zu Kooperationsvorhaben mit der Wissenschaft“, sagte Weinbrenner.

Die Digitalisierung von Prozessen dürfe aber auch nicht vor den öffentlichen Verwaltungen Halt machen. „Wir fordern eine umfassende Verwaltungsmodernisierung in allen Kommunen und im Kreis. Ziel muss es sein, Verwaltungsprozesse zu vereinfachen, zu beschleunigen und bürgerfreundlicher zu gestalten“, erklärte der IHK-Hauptgeschäftsführer abschließend.