Kunststoffverpackungen werden immer nachhaltiger

„Die Welt braucht Recyclingsysteme“

Verpackungen aus Kunststoff sind in der Kritik, aber oft alternativlos. Für die Hersteller ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema.

Ehrliche, offene Diskussionen über Kunststoffverpackungen und Recycling sind für Thomas Pfaff entscheidend. Foto: Arens-Dürr/IHK

„Wie würden wir in einer Welt ohne Kunststoff dasitzen? Halb nackt, ohne Brille, ohne Handys?“, mahnt Thomas Pfaff, der gemeinsam mit Thiemo Burkardt die Geschäfte der Seufert Gesellschaft für transparente Verpackungen mbH in Rodgau führt. Auch er ist entsetzt über die Bilder von Plastikmüll-Teppichen auf den Weltmeeren und verendeten Tieren am Strand. Aber er sagt: „Es ist keine Lösung, unsere Industrie zum Sündenbock zu machen.“

Freier Blick aufs Produkt

Die Seufert GmbH besetzt mit Klarsichtverpackungen eine Nische. „Ohne viel Druck wie im Kartonbereich geben wir dem schönen Innenprodukt eine Plattform. Wir gehören zu den Marktführern in Europa“, erklärt der Geschäftsführer. Das Unternehmen hat in Rodgau 85 Mitarbeiter.

Das Material stammt aus der Schwesterfirma Folienwerk Wolfen in Bitterfeld, wo 160 Menschen in Lohn und Brot stehen. „Durch die Beteiligung können wir auf die Entwicklung Einfluss nehmen. Wir haben nichts von der Stange. Der Kunde legt das Produkt auf den Tisch und sagt, das hätte ich gerne kreativ umgesetzt“, berichtet Pfaff. Nachhaltigkeit sei seit 30 Jahren ein großes Thema. Schon aus wirtschaftlichen Gründen geht der Abfall aus der Herstellung längst retour an das Folienwerk, wird wieder eingranuliert und verarbeitet. „Das machen wir seit Anfang der 90er-Jahre. Heute ist es ein Zusatznutzen, wenn du sagst, du hast ein nachhaltiges Produkt. Neue Technologien ermöglichen uns bis zu 100 Prozent Recycling.“

Neben eigenem und zugekauftem postindustriellem Abfall werden PET-Flaschen aus dem Post-Consumerbereich verarbeitet. „Die Kunden wollen hohe Qualität und Nachhaltigkeit, am besten reines Recyclat, aber mit den Eigenschaften eines jungfräulichen Materials: höchste Transparenz und Widerstandskraft.“ Das erfordert verschiedene Reinigungsprozesse. Die Nachfrage sei „brutalst hoch“. Und da die Marktgesetze greifen, ist der recycelte Kunststoff derzeit die teurere Variante.

Faktor Mensch

Doch auch nachhaltige Kunststoffverpackungen werden angeprangert. So dachte der EU-Umweltkommissar kürzlich über ein generelles Verbot nach. „Wir werden von der Politik alleingelassen und gebrandmarkt. Das Thema wird total falsch aufgesetzt. Die PET-Flasche hat keine Beine, da spielt der Faktor Mensch eine Rolle“, ist für Pfaff klar.

Das Verpackungsmaterial Eco-R-PET enthält bis zu 100 Prozent recycelten Kunststoffabfall.

„Als China 2018 die Pforten dichtgemacht hat, wurde bekannt, dass unser Kunststoffmüll seit Jahren in ferne Länder exportiert wurde. Wir saßen auf dem eigenen Abfall. Ein Sündenbock musste her: die Kunststoffverpackungsindustrie“, schildert er seine Sicht der Dinge. „Wir haben kein Problem mit Kunststoffverpackungen, sondern ein Recyclingproblem. Seit Anfang 1990 bezahlen wir über den Grünen Punkt für ein ordentliches Recyclingsystem. Dann hören wir, es wurde nur rudimentär eingeführt. Wo ist das Geld geblieben? Hätte der Gesetzgeber vor zehn Jahren vorgegeben, dass es nur eine Sorte Kunststoff mit einem ordentlichen Recyclingsystem gibt, dann hätten wir nicht diese Misere.“

Außerdem fordert er, den Verbraucher ehrlich zur „thermischen Verwertung“ zu informieren. Besser erhöhe man den Brennwert von Restmüll mithilfe von Plastikabfall, um Fernwärme zu erzeugen, als dazu Rohöl zu nehmen. Allerdings lasse sich von Europa aus nicht die Welt retten. „85 Prozent der Verunreinigungen auf den Meeren stammen aus Asien und Nordafrika.“

Gemeinsam zu Lösungen

Wie soll es weitergehen? Im April diskutieren darüber bei Seufert alle, die dort an der Wertschöpfungskette beteiligt sind. Mithilfe der Kunststoffverbände sucht das Unternehmen den Austausch mit der Politik. „Natürlich ist nicht alles toll. Es gibt unnötige Verpackungen. Aber da muss man alle Verpackungen unter die Lupe nehmen, nicht nur die aus Kunststoff!“
„Die Welt braucht Recyclingsysteme“, steht für Pfaff fest. Mindestens siebenmal kann Kunststoff wiederverwertet werden. Die Entwicklungsabteilung im Schwesterwerk forscht an Optimierungen und biologischen Alternativen. „Das ist zum Beispiel Bio-PET aus Zuckerrohr. Wir haben jetzt schon ein Material mit 30 Prozent und streben mindestens 60 Prozent an.“ Seufert wurde für solche Bemühungen mehrfach ausgezeichnet. Zuletzt im September 2019 in London mit einem Innovationspreis für PET Blue Ocean, ein Material mit hohem Recyclinganteil.

www.seufert.com

Birgit Arens-Duerr
Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
E-Mail arens@offenbach.ihk.de