Reingeschaut bei … AS Adhesive

Die Kunst des Klebens

Marco Rodriguez hat ein gefragtes Wissen: Er ist Spezialist für Klebstoffe und weiß, wie man unterschiedlichste Materialien damit optimal verbindet.

Industrieroboter gehören zum Equipment, mit dem das Team von AS Adhesive neue Klebe-Lösungen entwickelt. Fotos: AS Adhesive

Kleben kann eine gute Alternative zum Löten, Schweißen oder Nieten sein. Es vereinfacht Produktionsprozesse und hilft, Material, Zeit und Gewicht zu sparen. „Heute gibt es Pkw, die zu wesentlichen Teilen verklebt sind. Schuhe, Kleidung, Elektrogeräte, Gebäude – alles wird geklebt“, berichtet Rodriguez. Diese Arten des Klebens sind allerdings komplexe Prozesse und nicht vergleichbar mit den Alltagsanwendungen, die wir kennen.

Bevor er sein Unternehmen AS Adhesive gründete, arbeitete der Maschinenbautechniker für einen namhaften deutschen Klebstoffhersteller. Dort beriet er Kunden zu ihren Anwendungen. „Der Fokus war ausschließlich auf das Herstellerportfolio ausgerichtet. Das war einschränkend. Statt technologisch zu beraten, musste ich produktspezifische Empfehlungen geben“, berichtet er.

Es läuft gut

2013 wagte er im Offenbacher Gründerzentrum Ostpol den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich habe bei null in einem kleinen Büro angefangen, mit viel Angst im Gepäck, aber mit guter Marktkenntnis“, erinnert er sich. Sein Businessplan war überzeugend, ein KfW-Gründerkredit kein Problem. Rodriguez baute sich einen Kundenstamm auf und die Geschäfte entwickelten sich so gut, dass er den Firmensitz 2016 nach Dreieich-Sprendlingen verlagerte, wo er auf 400 Quadratmetern mit sieben Mitarbeitern berät, schult und testet. Dafür stehen ein eigenes Labor und vier Industrie-Roboter zur Verfügung.

Derzeit sucht er nach weiteren Fachkräften, darunter ein Standortleiter für die inzwischen eröffnete Dependance bei München. „Die Auftragsbücher sind voll“, sagt er und berichtet vom Plan, ein eigenes Gebäude in der Region zu bauen: „Das würde uns einen Sprung nach oben ermöglichen.“

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

AS Adhesive arbeitet vor allem mit Kunden aus dem Automotive-Bereich, aber auch aus der Elektronikbranche, der Medizintechnik und dem allgemeinen Maschinenbau zusammen. „Manche Kunden kleben schon lange, bekommen es aber nicht richtig in den Griff. Das heißt, wir müssen ‚Trouble-Shooting‘ machen. Wir sehen uns die Prozesse vor Ort an, stellen Maschinen ein, bauen um und am Ende des Tages wird alles an die Mitarbeiter des Kunden übergeben“, erklärt der 40-Jährige.

Andere Auftraggeber betreten mit Unterstützung des Unternehmens Neuland. Mit einem Handyhersteller wurde über ein Jahr eine Alternative zu einem Laserschweißprozess entwickelt. Der Unternehmer berichtet: „Wir haben Musterprodukte angefertigt und nachgewiesen, dass der bisherige Prozess ersetzt werden kann. Die Oberflächenbeschaffenheit spielt eine wichtige Rolle. Exakte Aushärtungszyklen werden festgestellt. In Simulationen testen wir die Beständigkeit der Verklebung. Künstliche Alterungstests werden vorgenommen und die Wirkung von Zugkräften oder UV-Bestrahlung ermittelt.“

Aktuell befasst sich AS Adhesive intensiv mit der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK). „Mit den Fraunhofer-Instituten in Nürnberg und Bremen arbeiten wir eng zusammen, darüber hinaus mit der Frankfurt University of Applied Sciences. Dort nutzen wir zum Beispiel Prüfgeräte, die wir nicht selbst haben“, erklärt der Unternehmer.

Wissen sammeln und weitergeben

Erfolgsgeschichte: Innerhalb von fünf Jahren hat Marco Rodriguez ein Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten aufgebaut.

Die Dokumentation und der Transfer von Know-how sind zentrale Themen in Rodriguez’ Geschäft. „Die Erfahrungen, die wir in den unterschiedlichen Unternehmen sammeln, die Ergebnisse aus der Forschung und dem Austausch mit Klebstoffherstellern werden genau festgehalten. Außerdem muss das Wissen an die Kunden vermittelt werden“, sagt er. Darum sucht er weitere Mitarbeiter mit technischem Hintergrund und Erfahrung in der Erwachsenenbildung.

Die Wettbewerbssituation für sein Unternehmen betrachtet Rodriguez entspannt. „Es gibt einige Berater, aber das sind meist Einzelkämpfer. Unser Angebot ist sehr komplex. Die Automation bringt das Kleben voran. Neue Mischverklebungen verschiedener Werkstoffe sind möglich und die Technologie wird günstiger. Mittelständler können jetzt sehr gut aufspringen“, empfiehlt der Experte.

www.klebstoffloesungen.de

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de