Reingeschaut … bei Glaabsbräu

Die bunte Biervielfalt

17 unterschiedliche Biere gibt es von Glaabsbräu in Seligenstadt, der nach Unternehmensaussage ältesten Privatbrauerei in Südhessen und eine der modernsten Brauereien Deutschlands. Jedes davon hat seine eigene Farbe. Bei den Craft-Bieren prangen die Etiketten sogar auffällig in Neongrün, Rosa und Neonblau auf den Flaschenbäuchen. Der neue Markenauftritt ist unübersehbar.

Das Bier-Sortiment wurde ergänzt und hat ein neues Aussehen bekommen. Dank der unterschiedlich farbigen Etiketten lassen sich die Glaabsbräu-Biere nicht nur gut voneinander unterscheiden. Sie sehen auch deutlich anders aus als die Erzeugnisse der Konkurrenz. Foto: Arens-Dürr/IHK

Es ging ums Überleben. Davon waren Emmanuelle Bitton-Glaab und Robert Glaab überzeugt, als sie sich zu grundlegenden Änderungen für ihre 1744 gegründete Brauerei entschlossen. „Der Biermarkt ist rückläufig und Attribute wie Tradition und regionale Verwurzelung reichen als Differenzierungsmerkmale nicht aus“, erklärt Bitton-Glaab, die als Geschäftsführerin den Bereich Marketing verantwortet. „Die Politik der Braukonzerne hat zu einer Vereinheitlichung des Biergeschmacks geführt, mit dem Ergebnis, dass ‚Mainstream-Biere’ den deutschen Markt beherrschen. Dass Glaabsbräu anders ist, war zwar erkennbar. Aber es musste mehr passieren. ‚Mehr‘ bedeutet in unserem Fall eine neue strategische Ausrichtung, und das ging nur mit einer neuen Brauerei.“

Reiner als das Reinheitsgebot

Eine neue Brauanlage, mit der ausgesuchte Rohstoffe schonend verarbeitet und ausschließlich charaktervolle Biere produziert werden, wurde 2015 in Betrieb genommen. Die Chefin präzisiert: „Mit der Anlage können wir auch kleine Chargen brauen, mehr Sorten produzieren und flexibler sein. Jedes Bier wird bei uns individuell nach eigener Rezeptur gebraut, anders als bei vielen anderen Brauereien, die aus einem sogenannten ‚Mutterbier‘ mehrere Biere brauen. Aus diesem Verfahren gehen leider Biere hervor, die sich geschmacklich kaum voneinander unterscheiden.“

Zur neuen Brau- und Rohstoffphilosophie von Glaabsbräu gehört auch, dass für die Biere nicht nur eine große Vielfalt an Malz- und Hopfensorten verwendet wird, sondern selbst das Wasser auf die jeweilige Rezeptur abgestimmt ist. Auch der Zeitpunkt, wann die Zutaten zugegeben werden, und die langen Lagerzeiten beeinflussen das spezielle Aroma der Gerstensäfte. „Wir brauen nicht nur nach dem Reinheitsgebot, sondern anspruchsvoller und naturbelassen. Das heißt, Farbebier und chemische Stabilisierungsmittel bei der Filtration, die im Reinheitsgebot erlaubt sind, setzen wir nicht ein. Und wir verwenden keinen Hopfenextrakt, sondern naturbelassenen Hopfen. Bier ist ein Naturprodukt und so behandeln wir es auch“, betont der 1. Braumeister und Biersommelier Julian Menner. Vor kurzem hat Glaabsbräu beim Branchenwettbewerb „Frankfurt International Beer Trophy“ drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille sowie die höchste Auszeichnung als „Best beer of the competition“ für das Kellerbier „1744“, Hefeweizen Dunkel und „Dunkles“ bekommen. Das „Export“ hat die Silbermedaille gewonnen.

Deutlich anders

Diese Fortschritte trägt seit 2017 ein neuer Markenauftritt in die Welt. Das Konzept hat die Brauerei gemeinsam mit der Frankfurter Agentur Milk erarbeitet. Das Corporate Design und die Etiketten spiegeln die heutige Positionierung, ohne die Tradition ganz zu verleugnen. Zudem geht es darum, Kaufimpulse zu erzeugen und zusätzliche Zielgruppen zu erreichen.

Die Flaschen wurden auf das Euro-Format 0,3 Liter und 0,5 Liter umgestellt. Auf den weißen Etiketten steht rot, groß und deutlich der Markenname Glaabsbräu beziehungsweise Glaab‘s. Im unteren Drittel kennzeichnet ein farbiges Band die jeweilige Sorte. In derselben Farbe ist das Etikett am Flaschenhals gehalten. Dort findet sich der Hinweis auf die lange Brautradition: ein Porträt von Ferdinand Glaab, dem Urgroßvater des heutigen Geschäftsführers. In Neon präsentieren sich die Craft-Biere von Glaabsbräu. „Die meisten Biere dieser Art haben dunkle, fast martialisch gestaltete Etiketten. Unsere Flaschen heben sich davon im Regal deutlich ab“, erklärt Bitton-Glaab die Signalfarben. Am neuen Markenauftritt für die Craft-Biere gefällt ihr, dass er „originell, aber nicht komplett hip“ ist. Und sie betont die Umweltfreundlichkeit der neuen Etiketten, die ohne schwermetallhaltige Farben auskommen.

Gleichzeitig mit dem neuen Außenauftritt wurde das Produktangebot um zwei ‚Craft-Biere’ erweitert: „Reifeprüfung“, ein geschmacklich weiterentwickeltes Pils, und das über Vanillenoten verfügende Kristallweizen „Tropic Thunder“. Ein Naturradler und ein Helles kamen auch dazu. Im März 2018 präsentierte das Unternehmen das hessische Biermischgetränk „Glaab’s Grie Soß“ erfolgreich auf dem Frankfurter Craft Beer Festival.

Das klare Ziel: wachsen

Insgesamt hat Glaabsbräu vier Millionen Euro in die Modernisierung der Brauerei und den Markenauftritt investiert, eine Summe, die den Jahresumsatz übersteigt. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich der Einsatz gelohnt hat. Ein Jahr nach dem Marken-Relaunch ist der Umsatz um knapp sechs Prozent gestiegen. Vor allem der Verkauf von Flaschen hat stark zugenommen. Robert Glaab sagt, wo die Reise hingehen soll: „Unser klares Ziel lautet: wachsen. Ab Juni werden vier weitere Lager- und Gärtanks unsere Produktion um 30 Prozent erhöhen. Wir wollen unser Absatzgebiet in Richtung Frankfurt-Rhein-Main erweitern. Dort ist auch die Akzeptanz für Craft-Biere groß. Wir haben in Seligenstadt und im Umkreis einen treuen Kundenkreis, und diese sind uns sehr wichtig. Aber wir müssen weitere Zielgruppen ansprechen. Da geht es nicht um Nostalgie.“

„Ein Bier muss auch gut aussehen, damit es gekauft wird“, sagt Julian Menner (r.), Erster Braumeister und Biersommelier bei Glaabsbräu, der mit Emmanuelle Bitton-Glaab und Robert Glaab (M.) viele Verbesserungen für das Unternehmen auf den Weg gebracht hat. Foto: Glaabsbräu

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
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