Region Offenbach als Designschmiede der Metropolregion

Design schafft Wert

Unternehmen, die sich mit den Themen Design und Innovation beschäftigen, sind wettbewerbsfähiger und stärken den Wirtschaftsstandort Offenbach.

V.l.n.r.: Daniel Knies, Mirjam Schwan und Ulrike Wernig-Pohlenz. Fotos: Linke/IHK

Davon zeigen sich Mirjam Schwan, IHK-Geschäftsführerin für den Bereich Innovation, Ulrike Wernig-Pohlenz, Geschäftsführerin der Agentur HDW Partner, Offenbach, und Daniel Knies von Spiriant, Neu-Isenburg, einer Tochter der LSG-Gruppe, im Interview mit dem Wirtschaftsjournalisten Marc Kuhn überzeugt.

Frau Schwan, Innovationen sind Neuerungen, Ideen, aus denen in der Wirtschaft Produkte werden. Welche Rolle spielen Design und Innovationen für die Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach?

Schwan: Innovation ist ein wichtiges Thema für jedes Unternehmen. Das gilt auch für den IHK-Bezirk Offenbach. Es geht aber nicht nur um Produktinnovationen, sondern auch um Innovationen von Geschäftsmodellen, von Prozessen, von Dienstleistungen. Man muss den Begriff weiter fassen. Design ist daher für uns ein klarer Innovations- und Wirtschaftsfaktor, denn Design meint nicht nur die Gestaltung des Äußeren, der schönen Hülle von Produkten. Es geht um viel mehr. Die besonderen Kompetenzen von Designern, die kreative Herangehensweise, die Kombination von Funktionalität und Ästhetik sowie die klare Fokussierung auf den Kundennutzen wirken an verschiedenen Stellen im Unternehmen. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung sind Designer besonders gefordert, denn auch hier muss interdisziplinär geforscht, entwickelt und gearbeitet werden, um erfolgreich zu sein.

Sind die Offenbacher Unternehmen in diesen wichtigen Punkten gut aufgestellt?

Schwan: Es gibt sehr viele gut aufgestellte Firmen in der Region. Es gibt aber auch noch viele kleine und mittelständische Betriebe, die bei ihrer Innovationstätigkeit und der Nutzung von Designkompetenzen Unterstützung brauchen. Hier setzt die IHK mit ihrer Innovationsberatung und mit den Leistungen ihres hessenweiten Netzwerks „Design to Business“ an, dessen Schirmherr der hessische Wirtschaftsminister ist.

Bekommen solche Unternehmen denn nicht Probleme?

Schwan: Die Gefahr, im Wettbewerb abgehängt zu werden, besteht durchaus, vor allem angesichts der aktuellen Herausforderungen im Kontext der Digitalisierung.

Knies: Für große sowie kleine Unternehmen sehe ich in der Digitalisierung eine große Chance, neue Dienstleistungen anzubieten. Sie können auf diese Weise wachsen.

Schwan: In Offenbach kommen fast 3.000 Unternehmen aus der Kreativwirtschaft. Am stärksten sind dabei die Werbebranche, die Software-, Digital- und Spielebranche sowie die Designwirtschaft vertreten. Darüber hinaus haben wir mit der Hochschule für Gestaltung Offenbach und ihrem Fachbereich Design eine sehr wirtschaftsorientierte Zukunftsschmiede in der Region. Wir müssen die Kreativen und Designer mit den Unternehmen zusammenbringen. So können Prozesse und Produkte zukunftssicher gestaltet werden.

Frau Wernig-Pohlenz, Ihre Firma arbeitet in dem Bereich.

Wernig-Pohlenz: Wir sind eine Designagentur, die Konzepte in der dritten Dimension entwickelt. Es geht um Showrooms und um Messeauftritte. Wir richten aber auch in Werkshallen von großen Konzernen Denkfabriken ein. Ingenieure und Designer können sich dorthin zurückziehen und über neue Prozesse und Produkte nachdenken.

Welche Erfahrungen haben Sie beim Thema Innovationen mit Offenbacher Unternehmen gemacht?

Wernig-Pohlenz: Wir sind Mitglied im IHK-Netzwerk „Design to Business“, um Firmen für das Thema zu sensibilisieren. So wollen wir den kleineren und mittelständischen Unternehmen die Angst vor dem Thema Design nehmen. Es gibt immer noch eine Barriere. Viele wissen nicht, was Designer für die Unternehmen tun können. Die meisten legen keinen Wert auf das Thema.

Welchen Stellenwert haben Innovationen für Ihr Unternehmen?

Knies: Sie machen den Unterschied zwischen uns und dem Wettbewerb aus. Spiriant ist Teil der LSG-Gruppe, einer Tochter der Lufthansa. Wir bieten unsere Dienstleistungen zahlreichen Fluggesellschaften an. Mittlerweile haben wir Büros von Hongkong bis Dubai über Dallas bis São Paulo und sind führender Anbieter von Bordserviceartikeln mit dem Management und der Logistik. Da sind Produkte wie Geschirr, Tabletts, Decken, Kissen bis hin zu Kinderspielzeug inbegriffen. Wir liefern für einen Langstreckenflug zuweilen mehrere tausend Artikel.

Wo greifen Innovationen bei Spiriant?

Knies: Im globalen Wettbewerbsumfeld können wir nicht über den Preis konkurrieren. Wir differenzieren uns über Design und Produktinnovationen. Dabei geht es nicht nur, wie Frau Schwan andeutete, um die Schönheit einer Tasse. Entscheidend sind für uns die Prozesse – von der Herstellung über die Logistik und ihre Kosten bis zur Frage, wie können wir die Handgriffe beim Catering reduzieren und gleichzeitig den Komfort des Fluggastes garantieren. Es geht um eine ganze Kette von Anforderungen. Das macht die Komplexität unserer Produkte aus. Dafür benötigt es maßgeschneiderte Produktinnovationen, mit denen wir in die Prozesse eingreifen, sie verbessern und optimieren können.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Knies: Mit der Einführung des Airbus A380 ist die Anzahl der Fluggäste in der Economy Class deutlich angestiegen. Üblicherweise wird auf langen Flügen kurz vor der Landung noch eine warme Mahlzeit angeboten. Es steht aber nur ein kurzer Zeitrahmen zur Verfügung. Deshalb hatten wir statt dem klassischen Tablett ein neues, platzsparendes Box-Konzept entwickelt, womit die doppelte Menge in die Servierwagen verstaut werden kann. Die Crew kann somit zum einen deutlich schneller das warme Essen servieren und wieder einsammeln, und wir konnten zum anderen Gewicht und somit Kerosin einsparen. Das ist ein typisches Beispiel für Innovationen, mit denen wir Prozesse, Service und Kosten optimieren.

Spielt die Region eine Rolle dabei?

Knies: Ja, wir arbeiten zum Beispiel eng mit der Offenbacher Hochschule für Gestaltung zusammen und nutzen das Potenzial der jungen Designer in unseren Kooperationsprojekten. Zudem haben die meisten Mitglieder unseres Designteams in Offenbach studiert. Und ein Großteil unserer externen Dienstleister kommt aus dem Offenbacher Raum.

Wie viel muss ein Unternehmen in Design investieren?

Knies: Ein Unternehmen muss nicht zwangsläufig in eine eigene Designabteilung investieren. Wir entwickeln intern, aber auch mit unseren externen Designpartnern Produkte. Das ist nicht als Einkauf einer vordefinierten Dienstleistung zu verstehen, so funktioniert Innovation nicht. Es geht um Ideenaustausch, Interaktion, Ausprobieren, auch mal Scheitern. Es geht auch um Kontakte zu anderen Branchen. Wir schauen, wie ihre Prozesse aussehen. Können wir daraus lernen und Nutzen ziehen?

Warum ist der Standort Offenbach für Spiriant so wichtig?

Knies: Die Hochschule für Gestaltung habe ich schon erwähnt. Eine weitere Stärke der Region ist die hohe Anzahl an Designbüros und Modellbauern, die uns bei der Entwicklung von Prototypen unterstützen. Und natürlich die Nähe zum Flughafen mit seiner hervorragenden Anbindung sowie zu den Messestandorten Frankfurt und Offenbach. So pflegen wir zum Beispiel Kooperationen mit Unternehmen der Lederwarenbranche.

Schwan: Die Stärke und die Bedeutung der Design- und Kreativbranche für Stadt und Kreis Offenbach sollten in der Tat nicht unterschätzt werden. Leider gibt es keine Zahlen für die Wertschöpfung der Branche in unserer Region. Schaut man sich aber den Jahresumsatz der hessischen Kreativwirtschaft an, so sieht man, dass dieser mit 11,6 Milliarden Euro gar nicht so weit hinter der hessischen Automobilwirtschaft rangiert, die einen Jahresumsatz von 15,6 Milliarden Euro erwirtschaftet. Die Kreativbranche ist also ein Wirtschaftsfaktor, den man nicht vernachlässigen sollte. Offenbach liegt hessenweit auf dem vierten Platz bei der Zahl der Kreativunternehmen.

Wernig-Pohlenz: Unser Unternehmen profitiert auf jeden Fall von der guten Aufstellung Offenbachs. Der Nachwuchs von der Hochschule für Gestaltung ist auch für uns sehr wichtig. Über das Netzwerk Design to Business können wir aber auch die Mittelständler in der Region sensibilisieren. Ebenso versuchen wir, uns mit der Arbeit des IHK-Expertenrats Design- und Kreativwirtschaft, dessen Vorsitzende ich bin, für eine Weiterentwicklung Offenbachs zum Designstandort einzusetzen. Design und Innovation sind die Zukunftsthemen für Offenbach.

Knies: Design schafft Wert. Kunden sind bereit, für gut gestaltete Produkte mehr Geld zu zahlen. Ein bekanntes Beispiel ist Apple. Deren Kunden sind bereit, weit über den tatsächlichen Warenwert hinaus, bis zu 1.000 Euro für ein Smartphone zu bezahlen. Das ist komplett designgetrieben. Das Design greift stark in die Marken- und Produktwahrnehmung ein. Ein Kult kann entstehen.

Die Fragen stellte:

Marc Kuhn
Wirtschaftsredakteur der Offenbach-Post
Telefon (069) 85008-247
E-Mail marc.kuhn@op-online.de