Netzwerke in der IHK Offenbach am Main – ein Beispiel:

Der Expertenrat Finanzdienstleistungen

Die IHK-Vollversammlung beruft zur Beratung und Unterstützung für relevante Themen Expertenräte ein. Im Gespräch mit unserer Redaktion präsentieren Expertenratsvorsitzender Jan Bäumler, Expertenratsmitglied Stephan Schader und die den Expertenrat betreuende IHK-Referentin Marianna Kartziou die Vorteile dieses Netzwerks.

V.l.n.r.: IHK-Referentin Marianna Kartziou, Expertenratsvorsitzender Jan Bäumler und Expertenratsmitglied Stephan Schader. Fotos: IHK

Frau Kartziou, können Sie uns kurz erläutern, was die Aufgabe eines Expertenrates im Allgemeinen und was die Zielsetzung des Expertenrates Finanzdienstleistungen im Besonderen ist?

Kartziou: Die Expertenräte der IHK Offenbach am Main stellen wichtige Arbeitsgremien dar und werden zur Beratung und Unterstützung für relevante Themen von der Vollversammlung einberufen. Sie definieren Themen, welche die IHK im Rahmen der Interessenvertretung im politischen Raum platzieren sollte. Weiterhin beraten die Expertenräte die IHK zum Dienstleistungsportfolio. Wer könnte es besser wissen als die Experten, welches Angebot an Informationen, Beratungen und Veranstaltungen die IHK anbieten sollte?

Der Expertenrat Finanzdienstleistungen diskutiert Gesetzesvorhaben und Richtlinien auf nationaler und europäischer Ebene und bewertet dabei die Relevanz der Regulierungsmaßnahmen aus Unternehmersicht. Der Expertenrat Finanzdienstleistungen besteht zurzeit aus fünf Mitgliedern.

Herr Bäumler, warum machen Sie beim Expertenrat Finanzdienstleistungen mit? Was wollen Sie mit dem Expertenrat erreichen? Wie kam es dazu, dass Sie Vorsitzender wurden?

Bäumler: Ich hatte vor Jahren Fragen zum Kreditwesengesetz und zu gewerberechtlichen Erlaubnissen. Die IHK Offenbach am Main hat sich als engagierter, versierter und lösungsorientierter Ansprechpartner erwiesen. Der gezeigte Einsatz hat mich beeindruckt. Die aktuelle herausfordernde Situation der Mitgliedsunternehmen einerseits, das in der Finanzkrise verlorene Vertrauen der Verbraucher wiederzugewinnen, andererseits Regulierung und Digitalisierung zu begegnen, haben mich motiviert mitzumachen. Als Mitglied der Vollversammlung wurde ich gebeten, den Vorsitz zu übernehmen. Für mich war klar, dieses Angebot nehme ich sehr gerne an.

Herr Schader, Sie kennen bereits viele andere Netzwerke. Warum haben Sie sich für die Mitwirkung im Expertenrat Finanzdienstleistungen entschieden?

Schader: Je besser es der Region geht, desto besser geht es auch den Unternehmen in der Region. Grundlage dafür sind Engagement und nachhaltiges Handeln – und gut funktionierende Netzwerke. Als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dreieich verstehe ich meine Mitwirkung im Expertenrat als Beratung, Ideen zu geben. Wie die Region gestärkt und wirtschaftlich attraktiver auftreten kann, ist mein Anliegen.

Welche Aktivitäten gab es bisher im Expertenrat?

Bäumler: Seit einigen Jahren werden vom Gesetzgeber jedes Jahr aufs Neue umfangreiche Regulierungsmaßnahmen durchgepeitscht –eine enorme Belastung für die Mitgliedsunternehmen. Diese Prozesse zu begleiten – die IHK ist hier zum Teil selbst Erlaubnisbehörde – und die Auswirkungen der vielen neuen Regelungen auf die tägliche Arbeit der Mitgliedsunternehmen zu erfassen und letztlich nach ihrer Sinnhaftigkeit und Zielführung zu bewerten, war der Kern unserer Aktivitäten.

Was ist künftig noch geplant?

Schader: Wir haben viel vor. Die Wünsche der Mitgliedsunternehmen in der Region stehen im Mittelpunkt. So planen wir in den nächsten Monaten eine Umfrage unter den Erlaubnisinhabern zu ihrer Meinung nach den sich häufenden Regulierungen und deren Auswirkungen auf die tägliche Arbeit. Außerdem geht es in der zweiten Jahreshälfte mit den Planungen zum Branchenforum Versicherungsvermittler und Finanzdienstleister los. Dieses findet Anfang nächsten Jahres in der IHK Offenbach am Main statt.

Wie kann man Mitglied im Expertenrat Finanzdienstleistungen werden?

Kartziou: Ein richtiges Bewerbungsverfahren gibt es nicht. In der Regel kommen der Vorsitzende und der Betreuer des Expertenrates auf ein potenzielles Mitglied zu und fragen nach, ob Interesse an der Mitarbeit besteht. Die Mitglieder werden dann auf Vorschlag des Vorsitzenden und der IHK-Geschäftsführung durch die Vollversammlung berufen.

Wie bringen Sie sich in die IHK-Arbeit ein?

Schader: Als Mitglied des DIHK-Geld- und Kreditausschusses steht seit mehreren Jahren meine Forderung nach zielgenauer und besser abgestimmter Regulierung für alle Finanzmarktakteure im Fokus. Regional korrespondiert dies auch mit meiner Arbeit in der Vollversammlung und im Expertenrat für Finanzdienstleistungen bei der IHK Offenbach am Main. Mein Ziel ist es, mit meiner Erfahrung als Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dreieich die positive Entwicklung unseres Kammerbezirks weiter zu fördern.

Herr Bäumler, was stellen Sie sich als Vorsitzender des Expertenrates für die Zukunft vor?

Bäumler: Wir wollen Anlaufstelle für alle Sorgen, Nöte und Ängste, aber auch Verbesserungsvorschläge der Mitgliedsunternehmen sein. Hier gilt es vor allem, das weitgehend kostenfreie, umfangreiche Dienstleistungsangebot und das breite Expertennetzwerk der IHK für ihre Mitglieder noch deutlicher zu zeigen. Die Unterstützung in der Erarbeitung und Kommunikation von Positionierungen der IHK zu den wichtigen Themen der Finanzindustrie an Verbraucher, Politik und Verwaltung sehen wir als weitere zentrale Aufgabe.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte:

Klaus Linke
Telefon (069) 8207-245
E-Mail linke@offenbach.ihk.de