Betriebliches Mobilitätsmanagement mit „südhessen effizient mobil

Der DWD ist „vorbildlich mobil“

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat als erster Arbeitgeber aus der Region Offenbach das Programm „südhessen effizient mobil“ durchlaufen und mit Hilfe von Experten ein Betriebliches Mobilitätsmanagement aufgebaut.

Für sein vorbildliches Engagement hat die IHK Offenbach am Main den DWD am 13. November 2017 mit dem „Prädikat Vorbildlich Mobil“ ausgezeichnet und DWD-Vorstand Norbert Wetter die Urkunde überreicht. Hier berichtet er über die Erfahrungen mit dem Beratungsprogramm.

Herr Wetter, was war der Anlass für Ihren Entschluss, an dem Programm „südhessen effizient mobil“ teilzunehmen?

Der DWD mit der Zentrale in Offenbach setzt sich seit einigen Jahren mit Aspekten der Mobilität der Beschäftigten auseinander. Für den Standort Offenbach war im Rahmen des nationalen Förderprogramms „effizient mobil“ 2010 ein Grobkonzept erarbeitet worden, das aktualisiert werden sollte. Bisherige Aktivitäten, die geschaffene Infrastruktur und die Rahmenbedingungen sollten evaluiert, angepasst und ausgebaut werden, um daraus ein zukunftsfähiges und verbindliches Mobilitätsmanagement zu etablieren. Im Fokus standen nicht nur das bereits seit Jahren angestrebte Angebot eines RMV-Job-Tickets, den Parkdruck zu mindern und die Mitarbeiterzufriedenheit zu erhöhen, sondern auch, eine nachhaltige Dienstmobilität zu gestalten und die Umweltbilanz zu verbessern. Das von „südhessen effizient mobil“ angebotene Beratungsmodul „Betriebliches Mobilitätsmanagement intensiv“ passte genau zu unserer Absicht, das Thema Mobilität erneut aufzugreifen und auszubauen.

Wie ist der Prozess abgelaufen?

Behördenintern habe ich, als Vorstandsmitglied und Leiter des „Geschäftsbereichs Personal und Betriebswirtschaft“, im März 2017 den Arbeitskreis „Mobilitätsmanagement“ initiiert, der die erforderlichen Organisationseinheiten und die Interessenvertretungen einbezogen hat. In einem Austausch-Workshop wurde anschließend die Programmteilnahme bei „südhessen effizient mobil“ vorbereitet. Der offizielle Start fand mit Abschluss des „Letter of Intent“ statt. Die Netzwerkpartner haben uns unterstützend und beratend bei einer Mitarbeiterbefragung im April/Mai 2017 begleitet sowie bei dem anschließenden Analyse- und Evaluierungsprozess. Erkenntnisse, Lösungsansätze und Empfehlungen aus den individuellen Coachings fanden ihren Abschluss im erstellten Mobilitätsplan, der im September 2017 auditiert und im November 2017 zertifiziert wurde.

Was waren die Erfolgsfaktoren und Fallstricke?

Ein wichtiger Garant für das Gelingen sind neben dem Wollen die konsequente Umsetzung, das Ernstnehmen der Thematik und das Bereitstellen von Ressourcen – nicht nur finanziell, sondern insbesondere personell. Risiken liegen im Vorrang des Tagesbeziehungsweise Kerngeschäfts.

Für den DWD als Bundesbehörde stellen mit Blick auf das JobTicket oder das Job-Rad (Leasing) die rechtlichen Rahmenbedingungen (finanziell, besoldungs- beziehungsweise tarifrechtlich) Hemmnisse dar, die wir ohne Angebote der Verhandlungspartner, zum Beispiel des RMV, nicht alleine beseitigen können.

Hat die Analyse der betrieblichen Mobilität beim DWD überraschende Ergebnisse zutage gebracht?

Ja, das hat sie in der Tat. Zum einen zeigte die Wohnstandortanalyse, dass am Standort der Zentrale fast ein Viertel der Beschäftigten sehr standortnah wohnen. Sie sind potenzielle Fußgänger (elf Prozent) beziehungsweise Radfahrer (zwölf Prozent). Tatsächlich kommen deutlich mehr mit dem Rad (18 Prozent im Sommer, 13 Prozent im Winter). Dies zeigte uns, dass die früheren unterstützenden Angebote für den Radverkehr und Investitionen in die Radinfrastruktur förderlich waren und angenommen wurden. Darüber hinaus ergab sich ein vergleichsweise hoher Wert bei der ÖPNV-Nutzung auf dem Arbeitsweg (34 Prozent im Sommer, 35 Prozent im Winter).

Welche Maßnahmen im Betrieblichen Mobilitätsmanagement sollen in der Konsequenz umgesetzt werden?

Die geplanten Maßnahmen sind vielfältig. Unsere Bemühungen um das Job-Ticket münden nun in die Einführung einer rabattierten Jahreskarte. Weiterhin sind umfassendere Informationsangebote zur Mobilität im Internet für Kunden und Besucher sowie dem Intranet für Mitarbeiter angedacht sowie das Anbringen eines Displays im Eingangsbereich der Zentrale mit ÖPNV-Informationen oder das Bereitstellen von Regenschirmen. Die private Pkw-Nutzung soll durch eine Förderung von Fahrgemeinschaften verbessert werden. Die Optimierung der Dienstmobilität steht im Fokus eines zentralen Buchungssystems für den internen Fuhrpark und den Einsatz von E-Mobilität. Fahrräder und zukünftig auch Pedelecs ergänzen den dienstlichen Mobilitätsmix. In enger Verknüpfung mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement unterstützen wir Radfahraktionen und stellen Fahrrad-Reparaturwerkzeug bereit.

Wie profitieren Sie als Arbeitgeber vom Betrieblichen Mobilitätsmanagement und von der Auszeichnung „Prädikat Vorbildlich Mobil“?

In Zeiten knapp werdender Ressourcen, des demographischen Wandels und dem Klimaschutz verpflichtet, betätigt sich der Deutsche Wetterdienst seit 2004 im Betrieblichen Mobilitätsmanagement. Ein etabliertes und verstetigtes Mobilitätsmanagement ermöglicht uns ein strategisches Verknüpfen von Steuerungselementen und Instrumenten mit Wirkung auf unterschiedliche Bereiche. Darunter fallen die kostengünstige und umweltfreundliche Gestaltung innerbetrieblicher Abläufe, die Mitarbeitermobilität und insgesamt die Attraktivität als öffentlicher Arbeitgeber in Bezug auf Mitarbeiterbindung und -gewinnung. Ich denke aber auch an das Image des Unternehmens und des Standorts Stadt Offenbach.

Der aktualisierte und weiterentwickelte Mobilitätsplan des DWD ist ein Umsetzungskonzept der strategischen Ansätze: verbindlich, zukunftsfähig und nachhaltig. Arbeitgeber profitieren besonders von der ganzheitlichen Betrachtung und Umsetzung der Thematik: maßgeschneidert und gebündelt über alle Handlungsfelder.

Mit der Auszeichnung „Prädikat Vorbildlich Mobil“ sehen wir unsere gezeigte und wahrgenommene Verantwortung als öffentlicher Arbeitgeber auf den verschiedenen Ebenen, für die Region und die Stadt Offenbach gewürdigt.

Was raten Sie anderen Arbeitgebern aus der Region Offenbach?

südhessen effizient mobil“ ist ein ausgezeichneter Netzwerkpartner mit dem notwendigen Know-how, großer Beratungskompetenz und Unterstützungsvermögen. Ich empfehle anderen Arbeitgebern, dieses umfassende Angebot aus Beratung, Kontakten zu Kooperationspartnern und Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch bei Workshops zu nutzen.

Die Fragen stellte:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de

südhessen effizient mobil

Beratungsprogramm zur Mobilität für Arbeitgeber aus Stadt und Kreis Offenbach.

Kontakte:

Judith Müller
Telefon (069) 8207-250
mueller@offenbach.ihk.de

Christine Breser
ivm GmbH
Telefon (069) 660759-33
c.breser@ivm-rheinmain.de