Geldanlegen in Zeiten des „zinslosen Risikos“

Der Anleger im Dilemma

Wohin mit dem Geld, wenn es keine Zinsen gibt und die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen ungewiss sind?

Jörg Strobel ist Vorstand der Wirtschaftspartner AG in Egelsbach und Mitglied im Expertenrat Finanzdienstleistungen der IHK Offenbach am Main. Foto: Strobel

Der 14. Juni 2016 ist ein historisches Datum. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, des Synonyms für eine sichere Geldanlage, negativ. Spätestens seit diesem Tag ist aus dem „risikolosen Zins“ das „zinslose Risiko“ geworden.

Gleichzeitig liegt die Inflationsrate heute bei 1,8 Prozent. Ein stabiles Preisumfeld, wie man dies im Allgemeinen nennt. Das bedeutet aber auch: Liegen meine 10.000 Euro jetzt sicher zu einer Verzinsung von null Prozent auf meinem Sparbuch, habe ich nach einem Jahr knapp 180 Euro an Kaufkraft verloren. Das scheint erst einmal nicht viel zu sein. Bei gleichbleibender Konstellation summieren sich nach 30 Jahren allerdings schon über 4.000 Euro.

Oberste Prämisse: Kaufkrafterhalt

Was ist also zu tun? Einerseits bringen risikoarme Anlagen keine oder sogar negative Renditen. Andererseits scheut der durchschnittliche Anleger vor dem Hintergrund nervöser Aktienmärkte aufgrund der weltweiten politischen Lage immer mehr das Risiko. Ein Überblick über die unterschiedlichen Anlageformen und ihre Vor- und Nachteile hilft weiter.

Einzelaktien: Lieber ins Casino gehen! Der DAX hat seit Jahresbeginn 15,5 Prozent zugelegt (Stand 6.9.2019). Die Wertentwicklung einzelner Aktien lag dabei zwischen plus 52,9 Prozent (Adidas) und
minus 28,2 Prozent (Lufthansa).

Bundesanleihen, Sparbuch, Tagesgeld: Wie eingangs beschrieben, ist damit zurzeit kein Kaufkrafterhalt möglich. Die reale Rendite (Zinsen – Inflation) ist negativ.

Gold: Das Edelmetall ist das „Kriseninvestment“ schlechthin, hat aber die Nachteile, dass es keine Verzinsung bringt, im Wert genauso schwankt wie Aktien und in US-Dollar gehandelt wird. Man hängt also gleichzeitig auch am Euro-Dollar-Wechselkurs. Gegen einen Zusammenbruch des Währungssystems kann Gold allerdings als Versicherung dienen. Wer dies möchte, kann zehn Prozent seines freien Vermögens in Gold anlegen. Physische Goldbarren sind ebenso geeignet wie Goldmünzen, die aber unbedingt über seriöse Anbieter wie Degussa oder Pro Aurum erworben werden sollten.

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Garantie für die Zukunft

Gemischte Fonds/vermögensverwaltende Fonds:
Sie sind die laut dem Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (BVI) beliebteste Anlageform der Deutschen. Leider haben sie in den letzten Jahren nicht wirklich überzeugen können. Die Mischung aus Aktien und Anleihen funktioniert aufgrund des oben beschriebenen Dilemmas nicht mehr richtig. Auch die Kosten sind bei diesem Anlagevehikel ein Problem. Laufende Kosten von über zwei Prozent pro Jahr und Ausgabeaufschläge von fünf Prozent sind die Regel und schmälern die Rendite erheblich. Dennoch gibt es Fonds, die man sich anschauen kann.

Offene Immobilienfonds: Hier handelt es sich um eine gute, aber relativ unflexible Anlage, für konservative Anleger. Renditen von zwei bis drei Prozent pro Jahr sind möglich. Der große Nachteil ergibt sich aus dem Gesetz für offene Immobilienfonds. Die ersten 24 Monate ist das Geld blockiert. Dann gilt eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten. Es empfiehlt sich, mit der Bank beziehungsweise dem Anlageberater in jedem Fall den Ausgabeaufschlag zu verhandeln, der gewöhnlich bei fünf Prozent liegt und die Rendite erheblich schmälert.

Indexfonds (ETF): Dies ist die ideale Anlageform für langfristig orientierte Anleger (zehn Jahre, besser länger) und für regelmäßiges Sparen. In dieser Anlageform werden Aktienindizes sehr kostengünstig abgebildet. Man kann in praktisch jeden Aktienindex der Welt investieren. Am allereinfachsten in den MSCI World, der die etablierten Aktienmärkte der Welt abbildet. Zu beachten sind dabei die Handelskosten, die die depotführende Bank berechnet. Ein Vergleich im Internet lohnt sich!

Vermögensverwaltungen / Robo Advisor: Das ist die in letzter Zeit populärste Anlageform. Hier wird versucht, mittels automatischer Prozesse gute und kostengünstige Anlageergebnisse zu erwirtschaften. Als Basis dienen in der Regel ebenfalls ETF (auch auf Anleihen), die je nach Risikobereitschaft per Computer zusammengestellt werden. Den Beweis langfristiger Qualität können diese Anlageformen wegen ihres niedrigen Alters noch nicht antreten. Anders verhält es sich bei konventionellen Vermögensverwaltungen. Ihr Angebot ist reichhaltig und unübersichtlich. Auch hier sind die Kosten ein entscheidender Schlüssel. Und wie bei allen dargestellten Anlageformen gilt, dass Wertentwicklungen in der Vergangenheit natürlich keine Garantie für die Zukunft darstellen.

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Jörg Strobel
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