Wie erleben Unternehmen die Krise und wie reagieren sie?

Das Beste aus der Situation machen

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Wochen die IHK-Hotline gewählt und sich beraten lassen. Bekomme ich Soforthilfe? Muss ich mein Geschäft schließen? Wie wird Kurzarbeit beantragt? Welche geförderten Kredite gibt es? Wie sich Corona auf den eigenen Betrieb auswirkt und welche Strategie für den Umgang mit der Ausnahmesituation taugt, ist absolut individuell.
Das zeigen hier einige Beispiele.

Hilfe fürs Homeoffice

Die Adacor Hosting GmbH in Offenbach hat als Anbieter von Hosting- und Cloudservices in der Corona-Krise ihre Produktpalette noch stärker auf die Digitalisierung von Geschäftsprozessen fokussiert. Damit kommt sie einem dringenden Bedürfnis vieler Unternehmen entgegen.

www.adacor.com

Daniel Ishikawa (r.) und sein Team statten Homeoffices ergonomisch aus. Foto: FLC

Die FLC Furniture GmbH & Co. KG in Neu-Isenburg vermietet normalerweise Wohn- und Büromöbel. Jetzt hat sie ihr Geschäftsmodell gewandelt und ergänzt: FLC stellt ab sofort auch Homeoffice-Pakete zur Verfügung. Diese werden individuell für Unternehmen und ihre Mitarbeiter entwickelt, und zwar mit Blick auf ergonomische und sicherheitsrelevante Aspekte. Anregungen zeigt der Online-Katalog. Am Telefon oder per E-Mail helfen FLC-Berater dem Kunden, die passende Lösung zu finden. Der Liefer- und Montageservice bringt und installiert die Möbel innerhalb von 48 Stunden.

www.furniture-leasing.net

Gesund und in Kontakt bleiben

Als Solounternehmerin ist Ramona Lauer durch die Schließung ihres Studios Samana Yoga in Offenbach existenziell bedroht.Sie setzt auf Digitalisierung und bietet ihren Kunden ein speziell produziertes Online-Programm auf dem YouTube Channel Samana Yoga an.

www.samanayoga.de

Bei der Premiere des Videokurses versammelten sich laut Purfitness über 150 Teilnehmer vor den heimischen Monitoren. Foto: Purfitness

Zu Purfitness gehören elf Studios, sechs davon im Kreis Offenbach. Alle bleiben derzeit zu. Deshalb sind auch hier die Mitglieder eingeladen, mit Videos fit und gesund zu bleiben.

www.purfitness.de/training-homeworkout

Spitzenideen

Seit 60 Jahren produziert Chanty Spitzen und beliefert Wäschehersteller weltweit. Nun ist das Unternehmen vorrübergehend auf die Herstellung von Gesichtsmasken umgestiegen. Sie werden aus Restmengen größtenteils vor Ort in Rödermark genäht. Die außergewöhnlichen Textilbarrieren sind wiederverwendbar und können bei 60 Grad gewaschen werden. Zwischen den zwei Spitzenlagen lässt sich ein Filterpapier einfügen. Auch wenn diese Masken keine medizinischen Produkte und nicht zertifiziert sind, kommen sie im Büro, beim Einkaufen oder in der Freizeit zum Einsatz.

www.shopchantylace.com

Statt Unterwäsche gibt es jetzt Gesichtsmasken von Chanty aus Rödermarkt. Foto: Chanty

Neben Verpackungen fertigt Seufert nun auch transparente Kunststoff-Schilde aus PET für das Gesicht sowie für die seitlichen Bereiche des Kopfes. Foto: Seufert

Die Seufert Gesellschaft für transparente Verpackungen mbH aus Rodgau-Hainhausen hat als Reaktion auf die aktuelle Situation verschiedene transparente Kunststoff-Lösungen aus PET für den Gesichtsbereich sowie für die seitlichen Bereiche des Kopfes entwickelt. Sie können alleine getragen werden, in Kombination mit einer Mundschutzmaske oder mit einer geeigneten Kopfbedeckung. Eine Ausführung namens LiSa TM wurde aufgrund ihrer Besonderheit zum Patent angemeldet. Das Unternehmen verhandelt nun mit Marktketten und Einkaufsverbänden.

www.seufert.com

ANWR hilft dem Handel

Die Handelskooperation ANWR Gruppe in Mainhausen hat mit ihren Gesellschaften für die Segmente Schuhe, Sport und Lederwaren und der DZB Bank schon Mitte März ein Maßnahmenpaket erarbeitet.

Sie appellierte gemeinsam mit dem Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie e. V. HDS/L an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, mittelständische Handelsunternehmen sofort zu unterstützen. „Aufgrund der verordneten Schließungen der Schuh-, Sport- und Lederwarengeschäfte fehlen dem Handel die wichtigsten Umsatzwochen für die Frühjahr/Sommer-Saison. Die daraus resultierenden negativen Auswirkungen können wir derzeit noch nicht absehen“, betont der für den Schuhbereich zuständige Vorstand Fritz Terbuyken.

„Wir sind in Verhandlung mit allen Industriepartnern hinsichtlich der Gewährung einer größtmöglichen Valutierung für aktuell vorliegende Rechnungen“, stellt Vorstand Matthias Grevener heraus. Unter anderem wurden Lieferanten gebeten, kurzfristig anstehende Lieferungen an die Handelspartner einzustellen oder nur noch auf individuellen Abruf zu veranlassen. Um den E-Commerce zu unterstützen, investiert ANWR zusätzlich in das Marketing zur Suchmaschinenoptimierung für schuhe.de. Die Plattform www.sport2000.com soll wie geplant starten und dem Sportfachhandel Impulse geben.

www.anwr-group.com

Mit den Partikelfangmatten von Kager lässt sich die Keimbelastung in Schleusen- und Laufzonen von Laboren und Intensivmedizin reduzieren. Foto: Kager

Was Ärzte und Labore brauchen

Mit einem kurzfristig zusammengestellten Sortiment aus verschiedenen Visualisierungs- und Protektionsprodukten leistet das Handelshaus Kager in Dietzenbach einen Beitrag zur Eindämmung der Corona-Krise. Das Angebot beinhaltet neben Fiebermessstreifen und Gesichtsfeldmasken verschiedene Indikatoren für die Desinfektion und Sterilisation sowie Partikelfang- und Gerätefixiermatten. Das Unternehmen richtet sich damit vorrangig an Diagnostiklabore, Praxen und Kliniken, liefert bei Bedarf aber auch an Industriebetriebe. „Wir haben viele Produkte im Programm, mit denen wir die Mitarbeiter in den Laboren, Kliniken und Arztpraxen derzeit unterstützen können“, erklärt Inhaberin Claudia Berck.

www.kager.de

Messe mit Sonderkonditionen

Die Lederwarenbranche ist von den Auswirkungen der Krise stark betroffen. Deshalb geht die Internationale Lederwarenmesse ILM mit einem kostensenkenden Maßnahmenpaket auf Aussteller und Besucher zu. „Wir warten bewusst nicht ab, was weiter geschehen wird, in der Hoffnung, dass es nicht so schlimm wird. Schon jetzt wollen wir klare Zeichen setzen und damit allen Beteiligten mehr Planungssicherheit ermöglichen“, erläutert Messe-Geschäftsführer Arnd Hinrich Kappe die Vergünstigungen, die zur kommenden Veranstaltung (5. bis 7. September 2020) greifen werden. Es geht für die Aussteller um Nachlässe auf die Grundmieten von bis zu 50 Prozent. Besucher zahlen weder Eintritt noch Parkgebühr. Mit Hotels und Gastronomie werden Sonderkonditionen ausgehandelt.

www.messe-offenbach.de

Starke Initiativen

In „Offenbach United“ haben sich Menschen zusammengeschlossen, die „den Laden am Laufen“ halten. Die dazugehörige Website gibt zum Beispiel einen Überblick über lokale Lieferdienste, so dass Kunden den Einzelhandel und die Gastronomie während der vorgegebenen Schließung unterstützen können. Loimi Brautmann von der Urban Media Project GmbH & Co. KG betont: „Es haben sich Läden aus den Bereichen Einzelhandel, Gastronomie, aber auch Dienstleistungen auf der Seite angemeldet.“

www.offenbach-united.de

„Gemeinsam mit meinem Team wollte ich etwas für Offenbach tun. ‚Offenbach.help‘ ist eine Liebeserklärung an unsere Lieblingsorte, deren Existenz gerade bedroht ist“, erläutert Thomas Kypta, Vorstandsmitglied von Offenbach offensiv und Geschäftsführer von Etage 3 Design + Digital. Das Prinzip der Plattform: „Jetzt Gutscheine kaufen, damit Lieblingsorte unterstützen und einlösen, wenn diese wieder geöffnet haben.“ Inzwischen seien rund 30 Lieblingsorte registriert, darunter Gastronomen, Einzelhändler, Weinhandlungen, kreative Handwerksbetriebe, ein Wellness-betrieb und Veranstaltungslocations.

https://offenbach.help/