Bautrends 2020: Die Zukunft ist grün

Ökologie und Nachhaltigkeit rücken mehr und mehr in den Fokus. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Bauunternehmen sich diesem Trend anpassen.

Juni 2019 in Deutschland: Die Menschen stöhnen unter nie dagewesener Hitze. Der Allzeittemperaturrekord wird mit 42,6 Grad gebrochen. In Brandenburg stehen ausgetrocknete Wälder in Flammen. In vielen Städten finden Demonstrationen für eine Politik gegen den Klimawandel statt.

Nur wenige Themen beschäftigen die Menschen derzeit so sehr wie alles, was mit Klima- und Umweltschutz, ganz allgemein: mit Nachhaltigkeit zu tun hat. Die Baubranche macht da keine Ausnahme. Das Schlagwort vom „Grünen Bauen“, einer Bauweise, die unter anderem zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beiträgt, gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wird es für Bauunternehmen in Zukunft noch stärker darauf ankommen, sich an diesem Trend zu orientieren.

Die Gründe liegen zum einen im gestiegenen Umweltbewusstsein vieler Bauherren, aber auch in gesetzlichen Vorschriften und Vorgaben der Europäischen Union wie etwa der EU-Gebäuderichtlinie. Sie sieht vor, dass von 2020 an nur noch Gebäude mit „Niedrigstenergiebedarf“ gebaut werden, also solche mit einem gegen Null tendierenden Energieverbrauch, der zudem überwiegend durch erneuerbare Energien gedeckt werden soll („Green Buildings“).

In der Praxis werden diese Ziele hauptsächlich durch Passivhäuser, Nullenergiehäuser oder Plusenergiehäuser erreicht. Energiegewinnung durch Sonnen-, Wind- und Wasserkraft sowie durch Biomasse wird also weiter in den Fokus ökologischen Bauens rücken.

Das Konzept des Grünen Bauens sieht aber nicht nur Energiesparmaßnahmen vor. Es umfasst alle Bereiche von der Planung über den Bau selbst, die Instandhaltung und bis zur irgendwann einmal anstehenden Entsorgung bei einem Gebäudeabriss. Ein Leitfaden der Bundesregierung hat die Prinzipien für nachhaltiges Bauen zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise:

  • die Reduzierung der Versiegelung von Bauflächen
  • die Verwendung ökologischer Baustoffe, die möglichst ressourcenschonend hergestellt, transportiert, verarbeitet und entsorgt werden
  • eine möglichst robuste und langlebige Konstruktion bzw. Bauweise der Einsatz natürlicher Materialien wie Schiefer, Kork, Hanf, Lehm, Ton, Wolle, Sisal und Ähnlichem im Innen- und Außenbereich
  • die Nutzung von Hölzern aus regionaler, nachhaltiger Forstwirtschaft

Gerade die letzten beiden Punkte sollen dazu führen, Gebäude mehr und mehr als Teil des natürlichen Stoffkreislaufes zu verstehen. Ein Umdenken in diese Richtung ist dazu in großen Teilen der Baubranche noch zwingend erforderlich. Denn Nachhaltigkeit wird bei der Auftragsvergabe künftig noch mehr als heute eine entscheidende Rolle spielen.

Hilfe bei der Umsetzung könnten moderne, digitale Techniken bieten, wie beispielsweise das „Building Information Modeling“, kurz: BIM – also die software-basierte Planung und Errichtung von Gebäuden, bei der alle Bauwerkdaten digital erfasst und kombiniert werden. Im Endeffekt entsteht so ein virtuell-visualisiertes Modell, auf das alle Projektbeteiligten direkten Zugriff haben.

BIM wird seit einiger Zeit bereits im Hoch- und Tiefbau, aber auch im Straßen- und Gleisbau sowie im Facility- Management genutzt. Der Hauptvorteil: BIM erleichtert eine reibungslosere Planung und Durchführung, was letztlich die Kosten senkt. Doch auch in puncto Nachhaltigkeit kann das digitale Building Management Bauunternehmen Wettbewerbsvorteile bringen. „Mit BIM verfügen wir über eine Methodik, die uns beispielsweise von der Optimierung des Fensterflächenanteils über die Simulation verschiedener Belüftungssysteme bis zu Nachhaltigkeitsbewertungen von Baustoffen die Voraussetzungen für eine integrale Planung bietet“, so Professor Dr. Klaus Sedlbauer, Ordinarius des Lehrstuhls für Bauphysik an der Technischen Universität München und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in einem Beitrag der Fachplattform „umweltdialog.de“.

Sofern eine standardisierte Verknüpfung von BIM mit relevanten Nachhaltigkeitsdaten stattfinde, würde dies auch eine Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) enorm erleichtern. „Lassen sich alle für eine Nachhaltigkeitszertifizierung notwendigen Informationen direkt und automatisiert aus einem BIM-Modell entnehmen“, so ein DGNB-Sprecher, ließe sich so der Arbeitsaufwand für eine Zertifizierung deutlich reduzieren. Eine internationale Normung ist hier aus Sicht der DGNB sinnvoll und notwendig.

Für die Zertifizierung „Nachhaltiges Bauen“ hat die DGNB Zielwerte definiert, nach denen sie für Gebäude Gütesiegel in unterschiedlichen Kategorien (Platin, Gold, Silber, Bronze) vergibt. Die Werte wurden von Wissenschaftlern, Architekten und Bauunternehmern entwickelt. Weitere nationale und internationale Zertifizierungssysteme sind das Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB), die Building Research Establishment Environmental Assessment Method (BREEAM) sowie Leadership in Energy an Environmental Design (LEED). Das Ziel ist jedoch bei allen dasselbe: den Beitrag der Bauwirtschaft zu einem verantwortlichen Umgang mit unserem Klima zu erhöhen.