Pläne weisen in die Zukunft

Aufwind für
den Flugplatz

Das Rhein-Main-Gebiet hat nicht nur den größten Flughafen,  sondern seit 1955 auch den Verkehrslandeplatz mit den meisten Flugbewegungen in Deutschland.

Die jährliche Zahl der Flugbewegungen macht den Flugplatz Egelsbach zum größten Platz der allgemeinen Luftfahrt in Deutschland. Foto:  Hessische Flugplatz GmbH Egelsbach

„Egelsbach war schon immer verkehrsstark“, sagt Standortleiter Simon Bock-Janning. Der technische Begriff für die Anlage lautet „Verkehrslandeplatz“. Über 200 davon gibt es in der Bundesrepublik. Mit gut 70.000 Flugbewegungen zählt Frankfurt-Egelsbach, so der exakte Name, deutlich mehr als jeder andere. Das erklärt sich aus der Lage in einem mittelgroßen Einzugsgebiet mit einem sehr hohen Bedarf.

In 16 Hallen sind cirka 170 Flugzeuge und Hubschrauber stationiert. Viele Privatpersonen üben die Fliegerei in Egelsbach aus – manche als Hobby, andere auch aus beruflichen Gründen. Firmen haben ihre Luftfahrzeuge am Flugplatz stehen und er ist die Basis der hessischen Polizeifliegerstaffel. Außerdem ist er ein Ort der „Arbeitsluftfahrt“: Hubschrauber starten, um Hochspannungsleitungen zu prüfen. Flugzeuge werden zum Vermessen von Neubaugebieten eingesetzt, um 3D-Fotos für Kartenwerke aufzunehmen oder Köder zur Wildtierimpfung abzuwerfen. Im Bereich Luftfracht geht es laut dem Standortleiter eher um „kleine, teure Pakete“: Da fliegt zum Beispiel das entscheidende Ersatzteil für die Fertigungsstraße eines Automobilherstellers quer durch Europa.

Etwa 25 Firmen mit rund 700 Beschäftigten haben sich am Flugplatz angesiedelt, darunter zwölf gewerbliche und nichtgewerbliche Flugschulen, Hubschrauberschulen und -unternehmen, Wartungsbetriebe, Verbände, ein Restaurant, Zulieferer von Gastronomie und ein Spezialist für Luftfahrtzubehör. Zum Team der Hessischen Flugplatz GmbH Egelsbach (HFG) gehören 35 Mitarbeiter. Die HFG ist Betreiber- und Eigentümergesellschaft der meisten Flächen und Hangars. Sie stellt die Crew im Tower, den Bodenverkehrsdienst sowie die Betriebsfeuerwehr und versucht durch ein Maximum an Eigenleistungen die laufenden Betriebskosten niedrig zu halten. 

Noch besser und sicherer werden

„Verkehrslandeplätze sind Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge wie Krankenhäuser oder die öffentliche Infrastruktur“, erklärt Bock-Janning. „Egelsbach ist teilprivatisiert. Letztes Jahr hat die Triwo Unternehmensgruppe aus Trier den Mehrheitsanteil an der HFG übernommen. Die Stadt Langen und die Gemeinde Egelsbach sind Minderheitsgesellschafter.“

Triwo unterhält unter anderem bereits mehrere Flugplätze und kennt die Herausforderungen. Die Pläne des neuen Eigentümers sind umfassend: Der Flugplatz soll modernisiert werden. Sanierung von Gebäuden und Gelände, Digitalisierung, eine bessere Infrastruktur und Hallenneubauten sind wichtige Ansatzpunkte. Was nicht angestrebt wird, sind mehr Flugbewegungen.

Stattdessen soll ein Satellitenanflugverfahren eingeführt werden. Das bringt insbesondere bei grenzwertigen Wetterlagen zusätzliche Sicherheit und ist ein Qualitätsmerkmal – gerade für die Business Aviation. Dies führt zu einer größeren Nachfrage nach Hangarplätzen, Konferenzräumen und sonstiger Infrastruktur. Die Entgelte an Flugplätzen sind überwiegend an der Tonnage der Flugzeuge ausgerichtet. Eine Landung eines großen Firmenjets entspricht in etwa 30 Landungen von kleinen Schulungsmaschinen. Der Umsatz könnte gesteigert werden, ohne dass die Zahl der Flugbewegungen in die Höhe geht.

Denn zusätzliche Belastungen für die Bevölkerung sollen vermieden werden. Die HFG engagiert sich, Fluglärm auf das unvermeidbare Minimum zu reduzieren: Die  Gebührenordnung unterstützt lärmreduzierte Luftfahrzeuge. Es gibt ein jährliches Lärmgutachten sowie Lärmmessstationen, anhand derer die Lärmentwicklung kontinuierlich überprüft wird.  Die Flugrouten sind optimiert und berücksichtigen soweit möglich die angrenzende Wohnbebauung.  Mit allen Kommunen im Umland gibt es einen intensiven Austausch: Egelsbach ist einer der wenigen Verkehrslandeplätze mit einer Fluglärmkommission. Dieser gehören Vertreter von Bürgerinitiativen, der Kommunen, der Kreise und der Aufsichtsbehörden an.

Von Corona erholen

Zwar ist der Individualreiseverkehr unkomplizierter als die allgemeine Luftfahrt, weil es mehr einzeln Reisende gibt, die Fliegenden sich oft kennen und sie weniger gedrängt sitzen. Doch auch der Flugplatz hat unter der Corona-Pandemie gelitten.

In Frankfurt-Egelsbach treffen sich viele Personen im Terminal, am Hangar oder an der Tankstelle. Zum Schutz der Kunden und der Mitarbeiter waren wie in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens Einschränkungen notwendig. Zusätzlich verbot das Land Hessen zeitweise die Flugausbildung, die etwa 40 Prozent der Flugbewegungen in Egelsbach ausmacht. Eine Zeitlang war der Flugbetrieb auf nur 15 Prozent der üblichen Bewegungen heruntergefahren. Das war ein tiefer Einschnitt. Inzwischen wurden die Stundenkapazitäten langsam wieder hochgefahren und das Schulungsverbot aufgehoben. Seit Mitte Mai herrscht Normalbetrieb, allerdings unter Beachtung aller Auflagen und Hygieneregeln.

Bock-Janning hofft, dass der Flugplatz bald auch wieder als Standort für Events genutzt werden kann: „Ein Hangar hat ein ganz eigenes Flair und gibt Feiern oder Präsentationen einen besonderen Rahmen.“

www.egelsbach-airport.com

Birgit Arens-Duerr
Autorin

Birgit Arens-Dürr
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