Aufbruch: Wenn das Bessere gegen das Gute gewinnen soll

Aufbruch – leichter gesagt als getan. Warum? Weil Veränderungen Misstrauen und Ängste erzeugen, weil Menschen abgeholt und mitgenommen werden wollen, weil Hindernisse und Widerstand bei innovativen Vorhaben die Normalität darstellen. Der Aufbruch bedarf einer breiten und tiefen Zustimmung, bekommt sie aber in der Regel nicht. Zumindest nicht sofort! Diese Erkenntnis ist alt, bekannt und einleuchtend. Warum ist die Reaktion auf Aufbruch in der Regel Unverständnis, Verweigerung, Gleichgültigkeit? Warum unterliegt der Aufbruch der Begründung, die Bewahrung des Bewährten dagegen nicht? Warum lieben wir das Konstante mehr als den Aufbruch?

„Das Bessere ist der Feind des Guten“, schrieb das streitlustige Konversationsgenie Voltaire. Feind signalisiert, dass das Gute das Bessere als Bedrohung empfindet und auf Bedrohung natürlich mit Gegenwehr antwortet. Bedenken ausräumen, Ängste nehmen, Notwendigkeiten aufzeigen – je klarer Ihre Worte, je entschlossener Ihr Auftritt, desto leichter wird es Ihrem Gegenüber fallen, das Neue dem Vertrauten vorzuziehen.

„Wer etwas erneuern will, will Unsichtbares sichtbar machen“ (Jonathan Swift). Wie aber macht man Unsichtbares sichtbar? Zunächst indem man akzeptiert, dass das, was man selbst sieht, für die meisten anderen nicht sichtbar ist. Der Erneuerer hat ein klares Bild vor Augen. Er weiß sehr genau, was er erreichen will. Er hat bereits einen Reifeprozess durchlebt, die anderen dagegen nicht! Der Bremser oder Warner dagegen hatte bislang kein Verlangen nach einer Weiterentwicklung. Das Bewährte gibt ihm Sicherheit und Halt, das Neue macht ihn vorsichtig, unsicher und ängstlich.

Zahlen und Fakten helfen selten weiter, denn dem Widerstand ist gewöhnlich nicht mit rationalen Argumenten zu begegnen – die Herausforderung liegt auf der emotionalen Ebene! Aus diesem Grund darf der Erneuerer den Wandel nicht einfach als etwas präsentieren, das „ganz nett“ wäre. Er muss das Neue zu einer Überlebensfrage machen. Er braucht eine starke Story – überraschend und mutig aufbereitet!

Ob wir den Aufbruch in die E-Mobilität oder Selbstständigkeit, den Aufbruch in der Offenbacher Innenstadt oder die Transformation in die neue digitale Welt gestalten wollen – stets haben wir die gleiche Herausforderung: Ängste und Widerstände abbauen, Lust auf etwas Neues erzeugen, mit emotionalen Geschichten rationale Argumente schlagen.

Keine leichte – aber eine lohnende Herausforderung!

Ihr Wolfgang Pachali

Wolfgang Pachali ist Geschäftsführer der WEFRA Consult GmbH in Neu-Isenburg und Mitglied im IHK-Expertenrat Kommunikation. Foto: privat