Reingeschaut bei Engel Elektromobile

Aufbruch in die Elektromobilität

2009 gehörte Guido Engel zu den Pionieren der Elektromobilität (E-Mobilität) in der Region, als er ein Geschäft eröffnete, in dem es ausschließlich E-Roller, -Fahrräder und -Seniorenfahrzeuge gibt.

Guido Engel hat sich schon bei der Unternehmensgründung auf E-Fahrzeuge spezialisiert. Foto: Arens-Dürr/IHK

E-Bikes sind heute nichts Außergewöhnliches mehr. Pendler wie Freizeitradler wissen den mehr oder weniger starken Schub beim Fahren zu schätzen. Das war vor zehn Jahren noch anders. Guido Engel hatte als Elektrotechniker und IT-Spezialist die Krise in seiner Branche hautnah erlebt und eine Hüftoperation überstanden. Mit seiner Idee, ein ganz auf E-Mobilität fokussiertes Unternehmen zu gründen, stieß er bei seiner Bank auf Skepsis. Er kam zur Beratung in die IHK Offenbach am Main, verfasste einen Businessplan und nahm einen Kredit auf sein Haus auf. Auf dem eigenen Grundstück startete er im Juni 2009 mit der Engel Elektromobile GmbH. Förderlich für das junge Unternehmen: Mitte August 2009 verabschiedete die Bundesregierung den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität (NEPE).

Testweise mietete Engel 2009 für zehn Tage einen ehemaligen Blumenladen in Dreieichenhain. Es war Festspielzeit und er bewarb sein Angebot bei den Besuchern. Die Lage direkt an der Burg war so gut, dass er das Geschäft permanent bezog. Dann kam die Ankündigung, dass 2012 mitten in der Saison die Straße renoviert werden sollte. „Das hätte ich nicht überstanden“, erklärt der Unternehmer. Als er in der Gleisstraße einen leerstehenden Getränkemarkt entdeckte, griff er zu. Am 1. Februar 2012 übernahm er den Laden, der einen großzügigen Ausstellungsraum, reichlich Platz für Lager und Werkstatt sowie Parkplätze gleich vor der Tür hat.

Heute sagt Engel: „Wir sind gut aufgestellt. Das erste Standbein sind die Elektrofahrräder fast aller Art und Elektro-Lastenräder. An zweiter Stelle kommen die Senioren-Elektromobile. Der Verkauf von E-Rollern läuft zwar an, wird aber erschwert von Auflagen der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung in Deutschland, wie Ausstattung und zulässige Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern.“ Beide Söhne arbeiten mit. Der Verkauf läuft ganzjährig. Von Frühling bis Herbst beschäftigt er fünf Mitarbeiter. Engel legt auf eine Zweirad-Ausbildung und Schulungen Wert. „Unser Know-how stimmt. Wir haben alle Kinderkrankheiten mitgemacht und Erfahrungen mit den unterschiedlichen Systemen gesammelt. Außerdem haben wir die nötigen Testgeräte und sind zertifiziert. Wir verkaufen E-Fahrzeuge nicht nur nebenher“, betont er.

Die Kunden können aus einer großen Bandbreite auswählen und Probefahrten machen. Es gibt einen Hol- und Bring-Service, Miet- sowie Ersatzräder, wenn das eigene E-Bike länger repariert wird. Gebrauchte E-Fahrzeuge können in Zahlung gegeben und Diensträder geleast werden. „Wir bilden das gesamte Thema komplett ab“, versichert Engel.

Vermarktung ist das A und O

Für jede Saison schmiedet Engel gemeinsam mit seinem Team Marketingpläne und definiert Ziele. Sie präsentieren das Angebot im Lauf des Jahres auf diversen Veranstaltungen wie verkaufsoffenen Sonntagen oder Gewerbeschauen im Kreis Offenbach. In den Monaten März, April und Mai laden sie zu Tagen der offenen Tür ein.

„Die Vermarktung ist das A und O. Die Technik ist wichtig, aber für den Verbraucher zweitrangig“, sagt Engel. Zur Kundenkommunikation setzt er auf Werbung in Printmedien und vor allem auf einen klar strukturierten, ansprechenden Internetauftritt im responsiven Design. Pflege und Aktualisierung der Website sind Chefsache. Er bietet dort zwar Fahrzeuge an, einen Online-Shop hat er bisher aber nicht eingerichtet. „Es ist alles vorbereitet, aber noch nicht freigeschaltet. Einige Prozesse müssten zuerst noch abgebildet werden, zum Beispiel der Umgang mit Rückläufern. Außerdem muss der Kunde E-Bikes ausprobieren und es muss alles richtig eingestellt werden, damit das Rad passt“, erklärt Engel sein Zögern.

Blick in die Zukunft

„Die Forschung und Entwicklung zur E-Mobilität ist schon weit, aber nicht alles wird politisch durchgesetzt. Trotzdem wird sich die Mobilität grundlegend ändern, und die Händlerlandschaft. Ohne Spezialisierung ist man schnell weg“, ist Engel überzeugt. Dies stützen die Erhebungen und Einschätzungen des Zweirad-Industrie-Verbandes (ZIV) in Bad Soden. Er sieht das E-Bike als Wachstumsgarant und Innovationstreiber der Branche. 2018 prognostizierte er ihm mittelfristig 23 bis 25 Prozent Anteil am Gesamtfahrradmarkt. Langfristig könnten bis zu 35 Prozent Marktanteil erreicht werden.

Bei Engel Elektromobile sind die Weichen für die Zukunft und die Weiterführung des Geschäfts gestellt: Ein Sohn konzentriert sich auf den technischen Part, der andere bereitet sich mit einer Ausbildung auf den kaufmännischen Bereich vor.

Dringend wünscht sich der Händler, dass die Infrastruktur in der Region schneller an die sich ändernde Mobilität angepasst wird. Mit Bedauern sagt er zur aktuellen Situation: „Da befinden wir uns im Rhein-Main-Gebiet noch in der Steinzeit.“

www.elektromobile-rhein-main.de

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de