Rechtssicher Kontakte knüpfen

Auf legalen Pfaden zu neuen Kunden

Kontakt zu neuen Kunden aufnehmen, sie informieren, ihnen Angebote offerieren, sie gewinnen – wie funktioniert das in Zeiten strenger Datenschutz-Vorgaben?

Einfach anrufen und ein Angebot machen? So funktioniert Neukundengewinnung längst nicht mehr. Foto: Bojan – stock.adobe.com

Kunden und ihre Daten sind existenziell für Unternehmen. Der transparente und rechtssichere Umgang damit unterstützt den Vertrieb und stärkt die Vertrauenswürdigkeit. Wer sich hier außerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegt, riskiert nicht nur Abmahnungen. Das Image kann Schaden nehmen, das Vertrauen des Kunden verloren gehen.

Den rechtlichen Rahmen für die Neukundenwerbung bildet die 2018 eingeführte Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und sie besagt: Keine Datenverarbeitung ohne eine Erlaubnis. Bei Verstoß können die Aufsichtsbehörden eine Geldbuße von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des gesamten weltweiten Jahresumsatzes des betroffenen Unternehmens festlegen.

Was ist erlaubt?

Neukunden dürfen zum einen direkt geworben werden, wenn sie zuvor eingewilligt haben. Zum anderen ist eine Erlaubnis gegeben, wenn ein „berechtigtes Interesse“ des werbenden Unternehmens oder eines Dritten besteht. Beim „berechtigten Interesse“ werden die Interessen des Kunden und die des Unternehmens gegeneinander abgewogen. Das hat der Gesetzgeber unter anderem im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) getan und Regeln für die verschiedenen Wege zur Kontaktaufnahme festgelegt.

Werbung per Post wie zum Beispiel Werbekataloge, Gewinnspielkarten oder Flyer darf stets zugesendet werden. Menschen auf öffentlichen Straßen anzusprechen, um sie als Kunden zu werben, ist ebenfalls zulässig. Sie dürfen allerdings nicht bedrängt werden.

Praxistipp: Wenn bereits eine Geschäftsbeziehung besteht und zum Beispiel Vertragsunterlagen per Post zugesendet werden, darf eigenes oder fremdes Werbematerial mitgeschickt werden.
Was ist verboten?

E-Mail-, Fax- oder SMS-Zusendungen sind unzulässig. Eine enge Ausnahme gilt für Bestandskunden. Bei Telefonanrufen ist zwischen Verbrauchern und Unternehmenskunden zu unterscheiden. Der Endkunde darf nicht angerufen werden. Der Anruf beim Unternehmer ist nur zulässig, wenn die angebotenen Dienstleistungen oder Waren einen mutmaßlichen Nutzen für den Angerufenen haben.

Praxistipp: Die Nutzung von Daten aus dem Impressum eines Internetauftritts ist unzulässig. Daten aus öffentlichen Verzeichnissen wie zum Beispiel den „Gelben Seiten“ dürfen dagegen verwendet werden.

Wenn der Kunde will

Allerdings ist die Direktwerbung per E-Mail, Fax, SMS und Telefon zulässig, wenn vorher eine „freiwillige, ausdrückliche, aktiv erklärte und bestimmte Werbe-Einwilligung“ des Kunden abgefragt wurde. Sie muss über die Art der beabsichtigten Werbung (E-Mail, Telefon, Fax), die Produkte oder Dienstleistungen sowie das werbende Unternehmen informieren.

Praxistipp: Damit eine Werbe-Einwilligung wirksam ist, sollte sie nicht an den Abschluss eines Vertrages über die Lieferung von Waren oder das Erbringen von Dienstleistungen gekoppelt werden. Besser ist es, die Einwilligung als eine davon unabhängige Option zu gestalten.

Am besten schriftlich

Die Schriftform ist nicht obligatorisch. Allerdings trägt der Abfragende die Beweispflicht. Wurde eine Einwilligungserklärung mit einem Auswahlkästchen angekreuzt und dazu unterschrieben, ist dies eine rechtssichere Option. Werden Einwilligungen online angefragt, muss das „Double-Opt-in-Verfahren“ (Verifizierung des Einwilligenden mittels eines Bestätigungslinks in einer Aktivierungs-E-Mail) eingehalten werden.

Praxistipp: Wenn Besucher von Messen oder ähnlichen Veranstaltungen ihre Visitenkarten abgeben, damit ihnen Informationen zugesendet oder Geschäftskontakte aufgenommen werden können, entspricht dies einer wirksamen Einwilligung für die werbliche Ansprache.

Werden personenbezogene Daten (zum Beispiel Name, Vorname, E-Mail-Adresse) direkt beim Kunden abgefragt, muss er über die Zwecke und Rechtsgrundlagen der Datenverarbeitung sowie seine Rechte umfassend informiert werden. Insbesondere muss auf das Werbe-Widerspruchsrecht und bei der Einwilligung auf das Widerrufsrecht hingewiesen werden.

Das Fazit lautet: Insgesamt lässt der rechtliche Rahmen genügend Spielraum für eine erfolgreiche Neukundenwerbung zu. Es gilt, ihn rechtssicher zu nutzen.

Autor:

Albert Noll
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