20 Jahre Imtradex Hör-/Sprechsysteme GmbH in Dreieich

„Arbeit muss einfach Spaß machen“

Hör- und Sprechsysteme für die Kommunikation unter extremsten Bedingungen ist das Spezialgebiet von Imtradex. Seit 20 Jahren hat die GmbH ihren Sitz in Dreieich.

Ralf Kudernak, Geschäftsführender Gesellschafter von Imtradex, mit einem Aurelis-Handmikrofon in der Produktionshalle. Foto: Linke/IHK.

Rund 5.000 Kunden zählt das Unternehmen weltweit. „Schwerpunkt im internationalen Geschäft, das die Hälfte unseres Umsatzes ausmacht, ist der arabische Raum. Wir statten das Militär, die Polizei, Rettungsdienste, aber auch Flugsicherungen und Call-Center mit unseren Produkten aus“, erklärt Ralf Kudernak, Geschäftsführender Gesellschafter von Imtradex.

Ein Kunde der ersten Stunde sei die Deutsche Flugsicherung in Langen. „Gemeinsam haben wir für die Fluglotsen eine Headset-Serie entwickelt. Extrem hoher Tragekomfort durch niedriges Gewicht stand dabei an oberster Stelle. Lotsen müssen voll konzentriert arbeiten, da darf nichts drücken und ablenken. Um dies zu verwirklichen, waren geringe Materialstärken bei gleichzeitig hoher Stabilität die Herausforderung“, berichtet Kudernak. Produziert werde ausschließlich in Deutschland. „Das ist zwar etwas teurer als eine asiatische Fertigung, aber die Qualität ist deutlich besser“, so Kudernak.

Mit diesem Produkt habe das Unternehmen sich auch den Call-Center-Markt erschlossen.Angefangen hat die Geschichte  der Imtradex Hör-/Sprechsysteme GmbH 1996 mit der Entwicklung des Produktes „FireTalk“, einer universellen Hör-/Sprechgarnitur in komplett zylindrischer Bauweise, zur Adaption an alle gängigen Feuerwehrhelme. Außerdem wurde das Produkt „AirTalk“ entwickelt, ein speziell auf die Bedürfnisse professioneller Anwender von Sprachvermittlungssystemen in den Bereichen Flugverkehrskontrolle, Polizei und Rettung zugeschnittenes Headset. Dazu kam der bereits erwähnte Exklusivvertrag mit der Deutschen Flugsicherung. „Im gleichen Jahr wurde eine Niederlassung in Wien gegründet. Außerdem wurde das Händlernetz in Deutschland, Österreich und den Benelux-Staaten mit rund 100 angeschlossenen Händlerbetrieben aufgebaut“, berichtet Kudernak.

1997 habe Imtradex 1.500 Headsets vom Typ „AirTalk“ an die südamerikanische Flugsicherung geliefert. 1998 sei die Sendetaste „PTT-8“, eine ergonomisch geformte, robuste Sendetaste aus glasfaserverstärktem Durethan, entwickelt worden. 1999 beauftragte die Kenwood Electronics Deutschland GmbH in Heusenstamm Imtradex mit der Produktion und Lieferung von 10.000 Headsets des Typs „IHS-01“. Kudernak gründete das Tochterunternehmen Imtratel Communications Vertriebs GmbH mit Sitz in Dreieich. Imtratel vertreibt auch Fremdprodukte.

Zur Jahrtausendwende wird in der Feldstraße 2 in Dreieich eine neue Produktionsstätte eröffnet. Die Call-Center einer Krankenkasse in Hamburg sowie einer Bank in Bonn werden mit insgesamt 1.500 Kopfhörern ausgestattet. Das Händlernetz in Deutschland, Österreich und den Benelux-Staaten wird auf 400 angeschlossene Händlerbetriebe erweitert.

In den folgenden Jahren expandiert das Unternehmen weiter. Kudernak: „Aufgrund des kontinuierlichen Wachstums wurden im Februar 2009 die neuen Geschäftsräume in der Daimlerstraße bezogen. Produktion sowie Verwaltung sind seitdem wieder unter einem Dach vereint.“ Im Jahr davor habe Imtradex mit der Entwicklung der Aurelis-Serie begonnen. „Diese Produktserie ist speziell auf die erweiterten Funktionsmöglichkeiten digitaler Funkgeräte ausgerichtet und soll neben Sprache auch weitere Datenanwendungen für den Nutzer über das Handmikrofon verfügbar machen. 2010 bekamen wir für dieses Produkt den bisher größten Einzelauftrag – über 5.000 Geräte lieferten wir in die baltischen Staaten. Die speziellen Anforderungen an das Produkt waren die gemeinsame Sprach- und Datensteuerung“, verkündet Kudernak stolz. 2011 seien 4.000 Aurelis-Geräte an die niedersächsische Polizei gegangen. „Vor zwei Jahren lieferten wir davon über 10.000 Stück an Motorola, für die deutschen Feuerwehren“, so der Firmengründer weiter.

Die meisten Aufträge seien Projektgeschäfte, mit auftragsbezogener Entwicklung. Kudernak: „Aus 5.000 Einzelteilen stellen wir 2.500 verschiedene Produkte her. Dabei versuchen wir das jeweilige Kundenproblem auf bezahlbare Art zu lösen.“

Obwohl Imtradex auch Militär und Sicherheitskräfte ausstattet, sei die aktuelle, krisengeprägte geopolitische Lage bei den Aufträgen nicht zu spüren. „Wir spüren eher den Rohölpreisverfall. Unsere Kunden sitzen in oder sind erdölexportierende Länder. Da wird nun gespart“, erklärte Kudernak. Auch die aktuelle Berichterstattung in arabischen Medien über die „erwachte deutsche Islamfeindlichkeit“ sei dem Geschäft nicht gerade förderlich. Dennoch schaut Kudernak zuversichtlich in die Zukunft, bildet auch Nachwuchs aus: „Wir bilden bedarfsorientiert aus, weil wir die Leute nach der Ausbildung auch behalten wollen. Wir hatten Azubis sowohl im technischen als auch im kaufmännischen Bereich. Derzeit haben wir zwei Studenten an der Berufsakademie in Rödermark, die ihre Planstellen nach dem Abschluss auch schon sicher haben.“

Einen großen unternehmerischen Vorteil sieht Kudernak in der Internationalität seiner 50 Mitarbeiter. „Bei uns sind acht unterschiedliche Nationen vertreten, die nicht nur Deutsch, sondern auch die jeweilige Muttersprache beherrschen. Es schafft einfach Vertrauen, wenn wir beispielsweise mit russischen Kunden auch russisch sprechen können.“

Wichtig sei dabei auch, auf die eigenen Mitarbeiter einzugehen. Das Credo des Chefs lautet: „Arbeit muss einfach Spaß machen.“ Dafür setzt er auf verschiedene Maßnahmen, von flexibler Arbeitszeit über kostenlose Getränke bis zu Massagen am Arbeitsplatz. Gute Grundlagen, um auch weiterhin am Markt erfolgreich zu sein.

Klaus Linke, Pressesprecher der IHK Offenbach am Main
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Klaus Linke
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