Ergebnisse der IHK-Standortumfrage

Alles gut in der Region Offenbach?

12.204 Unternehmen wurden im Herbst 2016 in der zweiten großen Standortumfrage der IHK Offenbach am Main befragt, wie zufrieden sie mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Region Offenbach sind. 945 von ihnen haben geantwortet.

Die Ergebnisse bieten ein Stimmungsbild der regionalen Wirtschaft und zeigen Entwicklungstendenzen seit 2014 auf. Hieraus können wertvolle Erkenntnisse abgeleitet werden für die Interessenvertretung der regionalen Wirtschaft und das Engagement für den Standort, das 2017 erneut unter dem Slogan „Starker Standort Region Offenbach“ gebündelt wird.

„Die Ergebnisse der ersten Standortumfrage im Jahr 2014 sind auf großes Interesse gestoßen“, erläutert IHK-Präsident Alfred Clouth. „Das Bewusstsein für die Anforderungen der Unternehmen am Standort hat sich seitdem in der Region deutlich verbessert, das Thema Wirtschaftsförderung hat eine höhere Bedeutung bekommen. Das steht auch in Verbindung mit den strategischen Projekten, die die IHK Offenbach am Main gemeinsam mit ihren Partnern abgeschlossen hat. Der Masterplan Offenbach ist erarbeitet und politisch beschlossen, das Wirtschaftsförderungskonzept für den Kreis Offenbach liegt vor und wird schrittweise umgesetzt.“ Auch die Ergebnisse der Standortumfrage 2016 wurden in allen 14 Kommunen des IHK-Bezirkes Offenbach mit dem jeweiligen Bürgermeister und dem Wirtschaftsförderer diskutiert.

Kernbestandteil der Befragung ist eine subjektive Einschätzung über Bedeutung und Zufriedenheit von 29 Standortfaktoren. Es werden besondere Stärken identifiziert, auf die man beim Standortmarketing und bei zukünftigen Aktivitäten aufbauen kann. Es zeigen sich aber auch konkrete Handlungsbedarfe.

Wirtschaftsstandort attraktiv, Image ausbaufähig

Im Gesamtdurchschnitt aller Kommunen wird die Region Offenbach als attraktiver Wirtschaftsstandort eingeschätzt. 53 Prozent der Unternehmen sind mit ihrem Standort „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. Verglichen mit 2014 ist die durchschnittliche Bewertung nahezu gleich geblieben, allerdings hat sich die Spanne zwischen den einzelnen Kommunen verringert.

Die Veränderung der Standortbedingungen in den letzten fünf Jahren wird ebenfalls ähnlich wie 2014 beurteilt. Zwei Drittel gehen von einer positiven Veränderung aus, ein Drittel von einer negativen. Die vor zwei Jahren eher schwach bewerteten Kommunen können ihre Entwicklungsdynamik etwas steigern.

Die Frage, ob die Unternehmen bereit wären, ihre Standortgemeinde als Unternehmenssitz zu empfehlen, beschreibt die Identifikation mit dem Standort. 16 Prozent stehen dem Standort sehr positiv gegenüber, 25 Prozent eher positiv. Jedoch gibt es auch 22 Prozent, die den Standort eher nicht und sieben Prozent, die ihn gar nicht weiterempfehlen würden. Auch die Zufriedenheit mit dem Kriterium „Image der Kommune“ wird etwas besser als 2014, aber weiterhin nur mittelmäßig beurteilt. Hier müssen Identifikationspunkte geschaffen und stärker nach außen getragen werden.

Die digitale Infrastruktur bleibt das Thema Nummer eins: Die Breitbandanbindung ist das bedeutsamste und am schlechtesten bewertete Kriterium. Aktuell sind nur noch 39 Prozent in der Stadt und 26 Prozent im Kreis „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Die Zufriedenheit hat sich zu 2014 deutlich verschlechtert. Der flächendeckende Ausbau der Infrastruktur im Kreis durch die Telekom bis zum Jahr 2018 wird die Situation deutlich verbessern. 48 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie schon heute Bandbreiten über 100 Mbit/s brauchen. Deshalb gilt es, die digitale Infrastruktur auch zukünftig stetig weiterzuentwickeln, Markttransparenz herzustellen und die Möglichkeiten vor Ort zu kommunizieren. Auch Unternehmen sind aufgefordert, sich mit dem Thema und der eigenen Infrastruktur zu befassen.

Die Anbindung an das Fernstraßennetz, den Flughafen und den Öffentlichen Personennahverkehr, vor allem die S-Bahn, sind die am besten bewerteten Standortfaktoren. Lage und Verkehrsanbindung nehmen auch mit Abstand den größten Anteil der unter „Stärken“ eingetragenen Antworten ein. In vielen Kommunen werden jedoch der Zustand der Straßen, die generelle Leistungsfähigkeit des innerörtlichen Straßenverkehrs und die Anbindung an die Gewerbegebiete beklagt. Die Unternehmen aus dem Osten des Kreises Offenbach wünschen sich eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Besonders positiv werden außerdem das breite Kultur-, Sport- und Freizeitangebot, die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten und die Wohn- und Umfeldqualität eingestuft.

Kommune muss unterstützen

Der Handlungsbedarf ist dort besonders groß, wo die Bedeutung hoch und die Zufriedenheit niedrig eingeschätzt wurden. Hier liegt die Breitbandanbindung an erster Stelle, es folgt der Gewerbesteuerhebesatz. Ansatzpunkte für Aktivitäten bieten auch die Kriterien „baulicher Zustand der Verkehrsinfrastruktur“ und „Verfügbarkeit von beruflich Qualifizierten“.

Eine hohe Differenz zwischen Bedeutung und Zufriedenheit besteht außerdem bei dem Kriterium „Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltung“. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die Unterstützung durch die Kommune einen hohen Stellenwert einnimmt. Im Vergleich zu 2014 gibt es in vielen Kommunen durch neu besetzte Stellen in der Wirtschaftsförderung oder Wechsel an der Verwaltungsspitze spürbar höhere Zufriedenheitswerte. Daneben gibt es viele Betriebe, die sich mehr Unterstützung, Wirtschaftsorientierung und Servicebereitschaft von Politik und Verwaltung wünschen.

Weitere Informationen und die gesamten Ergebnisse sind im Internet verfügbar unter:

www.ihkof.de/stu.

Autorin:

Judith Müller
Telefon (069) 8207-250
E-Mail mueller@offenbach.ihk.de