Adacor punktet mit durchdachter Unternehmenskultur

Agil in die Zukunft

Die IT-Branche unterliegt ständig Veränderungen. „Wir können technisch nur dann am Puls der Zeit bleiben, wenn unsere Mitarbeiter offen sind, mitgehen und helfen, das Unternehmen voranzutreiben. Wir bieten ihnen dafür ein gutes Arbeitsumfeld und ein Wertesystem, das von allen gelebt wird“, sagt Personalleiterin Kiki Radicke von Adacor aus Offenbach.

Kiki Radicke ist Personalleiterion bei dem IT-Unternehmen Adacor in Offenbach. „Der neue Fitnessbereich ist doppelt so groß wie am früheren Standort“, berichtet sie. Fotos: Arens-Dürr / IHK

Das IT-Unternehmen ist gerade innerhalb des Stadtteils Kaiserlei umgezogen. „Unser stetiges Wachstum im Cloud-Hosting machte eine Verdopplung der Bürofläche in Offenbach notwendig. Nach mehrmonatiger Planungsphase ist die Adacor vom ehemaligen Standort ins M2O (ehemalige Siemens-Niederlassung) in der Kaiserleistraße 8 a gezogen“, berichtet der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Bachmann: „Wegen der guten Verkehrsanbindung und der schnellen Anfahrt zu unseren Rechenzentrumsstandorten wollten wir in Offenbach bleiben.“

Arbeiten wie die Entwickler

„Adacor war ursprünglich ein Family Business“, sagt Radicke. „Einige Kollegen sind schon lange an Bord. Dann sind wir schnell gewachsen. Wir kennen uns nicht mehr alle so gut und brauchten neue Prozesse. Heute arbeiten wir agil.“

Von den Entwicklern wurde das Vorgehensmodell „Scrum“ für das Projekt- und Produktmanagement übernommen. Prozesse werden mit analogen oder digitalen „Kanban-Boards“ geplant und gesteuert.

Bei Adacor legt die Geschäftsleitung nach dem von Google entwickelten OKR-System jährlich bis zu fünf Objectives (Ziele) und Key Results (messbare Schlüsselergebnisse) fest. Die Abteilungen und Teams bestimmen anschließend mit ihrem zuständigen Geschäftsführer quartalsweise eigene OKRs, die die Unternehmens-OKRs unterstützen. „In diesem Prozess ergibt sich ein Ziele-Baum und jeder Mitarbeitende bekommt einen tiefen Einblick in die Unternehmensziele. Um diese zu erreichen, stellen sich die Teams Aufgaben. Bei der Umsetzung sind sie frei. Jeder Mitarbeitende weiß so ganz genau, warum seine Aufgaben wichtig sind und welchen Effekt sie auf das große Ganze haben“, erklärt Radicke. Das Team – nicht der Vorgesetzte – bewertet am Ende des Quartals seine Ergebnisse im Hinblick auf die vorgenommenen Ziele und veröffentlicht diese ebenfalls transparent für das gesamte Unternehmen.

„Die Einführung des agilen Arbeitens hat gut funktioniert, weil wir keine Hierarchiestufen haben, nur die Geschäftsführung und wenige Teamleiter. Alle duzen sich. Jedes Team ist eine demokratische Einheit und übernimmt viel Eigenverantwortung. Senioren unterstützen Junioren. Niemand sitzt auf seinem Wissen. Es geht immer darum, was wir gemeinsam schaffen. Ich habe gedacht, die agile Arbeitsweise kostet uns viel Zeit. Aber aus der Praxis kann ich sagen: Es ist super. Ich sehe am ‚Kanban-Board‘, was schon erledigt ist. Die Aufgabenverteilung klappt gut. Jeder Mitarbeiter kann die Richtung steuern, in die das Team geht“, beschreibt Radicke ihre Erfahrungen.

Ansprechend arrangierte Sitzgelegenheiten stehen zum Treffen, Entspannen oder für Besprechungen bereit.

Wissen, was andere tun

„Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine große Transparenz. Die erreichen wir unter anderem über diverse Meeting-Formate. Im ‚Monthly‘ wendet sich Geschäftsführer Bachmann an das gesamte Team. Andere Treffen finden in den Abteilungen und in Projektteams statt. Die Abstimmungen bedeuten zusätzliche Arbeit, aber diese crossfunktionale Vorgehensweise schafft Verständnis untereinander. Alle wissen, was alle machen und kennen die Projekte im Haus. Es wird immer wieder deutlich: Wir sitzen im selben Boot“, erklärt die Personalleiterin. Im Intranet sind Nachrichten, Objectives und Key Results sowie Vision und Mission des Unternehmens sichtbar. Abteilungsblogs vermitteln weitere Informationen.

Qualitätsarbeit braucht Platz

Jetzt stehen Adacor 2.500 Quadratmeter Bürofläche zur Verfügung. Das eröffnet großzügige Gestaltungsmöglichkeiten, um für die derzeit 92 Mitarbeiter ein angenehmes Arbeitsumfeld zu schaffen. Einige Ideen dafür hat der Geschäftsführer bei einer Reise ins Silicon Valley gesammelt.

„Tendenziell haben die einzelnen Abteilungen abgetrennte Bereiche, wobei Glas auch hier Transparenz schafft. Außerdem haben wir eine ‚Open Doors Policy‘. Die Technischen Bereiche und die Entwickler arbeiten in offenen Räumen, die mit Pflanzen und Trennwänden untergliedert sind“, berichtet Radicke. Trotzdem herrscht Stille, denn Gespräche und Videokonferenzen finden in speziellen Telefonzellen statt.

Auf Wunsch der Mitarbeiter wurde ein Ruheraum eingerichtet. Einige nutzen ihn für einen „Power-Nap“ und machen sich erfrischt wieder an die Arbeit.

„Feste Arbeitsplätze sind uns total wichtig. Eine freie Wahl funktioniert in unserem Verständnis nicht. Die Mitarbeiter verbringen hier viel Zeit und sie haben das Bedürfnis nach ihrem eigenen Platz. Sie bringen ihre Pflanzen oder Fotos mit. Bei manchen stehen die Hausschuhe unter dem Tisch“, erklärt sie.

Zwischen den Arbeitsbereichen gibt es viele kleine und große Begegnungsstätten, Lounge-Sofas, Meetingräume und Workspaces mit „Whiteboards“ für die Techniker. In mehreren „Micro Kitchens“ treffen sich die Kollegen bei Getränken und Snacks. Sie verabreden sich zum Kochen oder Essen in der großen Küche oder lernen sich dort bei einem gemeinsamen Koch-Event besser kennen.

Ausreichend Platz gibt es auch für einen Ruheraum und einen Fitnessbereich mit Sprossenwand, Ergometern, Hantelbank, Massageliege und Blick auf den Main. Zweimal wöchentlich gibt der Personal Trainer Fitness-Tipps und bringt Gruppen von Bildschirm-Arbeitern dazu, sich mit Gymnastikbändern zu dehnen und zu kräftigen.

Der Altersdurchschnitt liegt bei Anfang/Mitte 30. Viele Mitarbeiter haben Familien. Deshalb geht es dort, wo bei Adacor das Rutschauto im Flur parkt, in das Spielzimmer für die Kleinen mit einem Schreibtisch für die Großen. Denn wer einen Engpass in der Kinderbetreuung überbrücken muss, bringt den Nachwuchs mit. In solchen Fällen kann auch im Home Office gearbeitet werden. Allerdings ist es eher die Ausnahme. Aber die Personalleiterin erklärt: „Die physische Anwesenheit ist nicht so wichtig. Die Ziele müssen erreicht werden. Deshalb haben wir Vertrauensarbeitszeit.“

Gut für beide Seiten

Reine Arbeitnehmerfreundlichkeit ist nicht der Antrieb für diese Unternehmenskultur. „Der Markt für IT-Fachkräfte ist leer“, weiß Radicke. Interessante Kandidaten werden in den sozialen Netzwerken aufgespürt und direkt angesprochen. Was folgt, sind mehrere Gespräche und ein Probearbeitstag, damit sich klärt, ob der potenzielle Mitarbeiter und Adacor zusammenpassen.

„Wenn der Vertrag unterschrieben ist, halten wir Kontakt. Schon bevor neue Kollegen anfangen, werden sie zu Firmenevents und zum Kaffee eingeladen. Das ‚Onboarding‘ (die Eingliederung) ist uns sehr wichtig“, versichert Radicke. Dazu gehören eine ‚Welcome Mappe‘, Schulungen, Informationen zu Sonderleistungen und ein Mentor für die ersten sechs Monate. Nach zwei Wochen wird zum ersten Mal „Fieber gemessen“: Ist es das, was du erwartet hast? Wo bist du fachlich? Was lässt sich anpassen? Nach drei Monaten geben der Mentor oder das ganze Team Feedback. „Es geht immer darum, die Kollegen weiterzuentwickeln und zu halten. Dabei sind ‚Benefits‘ wichtig. Nicht wegen des geldwerten Vorteils, sondern wegen der Fürsorge für den Mitarbeiter“, erklärt die Personalerin. So unterstützt das Unternehmen beispielsweise auch die Kinderbetreuung, finanziert eine Gruppenunfall- und eine Sterbegeldversicherung.

Es überrascht nicht, dass Adacor schon zwei Prämierungen im Wettbewerb „Great Place to Work“ bekommen hat und von der Stadt Offenbach als „Familienfreundliches Unternehmen“ ausgezeichnet wurde.

www.adacor.com

Die große Küche hat alles, was man zum Zubereiten oder Aufwärmen einer Mahlzeit braucht. Manche Kollegen verabreden sich, um dort gemeinsam zu kochen.

Die Fragen stellte:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de