Hochschulen unterstützen Unternehmen bei der Digitalisierung

Ein Netzwerk für mehr Innovationsdynamik

Die Digitalisierung in der Industrie ist eine Herausforderung für Unternehmen – nicht nur in Stadt und Kreis Offenbach. Mit dem gerade gegründeten Innovationsnetzwerk Future Factory will die hiesige IHK sie unterstützen.

Dr. Jürgen Willmann ist der Geschäftsführer der Kudernak GmbH in Rödermark. Fotos: Linke/IHK

„Ziel ist, dass Firmen und Hochschulen kontinuierlich in Kontakt bleiben“, sagt Mirjam Schwan, IHK-Geschäftsführerin für den Bereich International, Innovation und Umwelt, im Interview mit dem Wirtschaftsredakteur Marc Kuhn. Aus der Praxis berichtet Dr. Jürgen Willmann vom Unternehmen Kudernak aus Rödermark.

Frau Schwan, welche Ziele verfolgt das Netzwerk Future Factory?

Schwan: Das Netzwerk ist ein Angebot der IHK Offenbach am Main an Unternehmen. Sie können sich auf diese Weise mit der Digitalisierung und der Industrie 4.0 stärker auseinandersetzen. Die Herausforderungen sind insbesondere für kleinere Firmen groß. Deshalb haben wir das Netzwerk aufgebaut, um ihnen den Zugang zu Hochschulen und Fördermitteln zu verbessern. Industrieunternehmen, Digital-Agenturen und Designer kommen so zusammen.

Das heißt konkret?

Schwan: Es geht um die Frage, wie können sich Unternehmen für die Zukunft besser aufstellen? Es geht um neue Geschäftsmodelle. Es geht aber auch um neue Verfahren wie 3D-Druck, die in traditionelle Produktionslinien integriert werden sollen. Die Betriebe müssen schließlich zukunftssicher ausgerichtet werden. Sie sind dabei nicht alleine. Ein Netzwerk unterstützt sie. Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft gefördert. Vor dem Wort Future Factory steht ZIM – das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand. Es will gerade kleineren Unternehmen die Möglichkeit eröffnen, in Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften zu gehen. Dafür gibt es Fördermittel.

Herr Dr. Willmann, wie viel Geld gibt es?

Willmann: Pro Unternehmen und Projekt gibt es maximal 170 000 Euro Zuschüsse. Die Projekte haben meistens eine Laufzeit von zwei Jahren.

Wer sind die Partner bei Future Factory?

Schwan: Initiiert wurde das Projekt von der IHK Offenbach am Main in Kooperation mit IHK Hessen Innovativ und der Hochschule für Gestaltung Offenbach, Fachbereich Technische Produkte, sowie der technischen Hochschule Mittelhessen. Partner sind das Wirtschaftsministerium und als beratender Dienstleister mit großer Netzwerkmanagementerfahrung die Firma Join aus Darmstadt. Das Netzwerk ist offen für weitere Partner. Wichtig ist die Unternehmensseite aus Süd- und Mittelhessen.

Wann wurde das Netzwerk gegründet? Wie viele Firmen gehören dazu?

Mirjam Schwan ist Geschäftsführerin für den Bereich International, Innovation und Umwelt der IHK Offenbach am Main.

Mirjam Schwan ist Geschäftsführerin für den Bereich International, Innovation und Umwelt der IHK Offenbach am Main.

Schwan: Für den Start braucht man sieben Unternehmen. Die haben wir. Angelaufen ist das Projekt Ende Juli, als das Bundeswirtschaftsministerium den offiziellen Startschuss gegeben hat. Das Netzwerk soll mindestens drei Jahre laufen, wenn nicht länger. Ziel ist, dass Firmen und Hochschulen kontinuierlich in Austausch und Kooperation bleiben.

Warum hat die IHK Offenbach am Main die Initiative ergriffen? Gab es Defizite?

Schwan: Die Innovationsdynamik ist bei kleineren Unternehmen rückläufig. Das zeigen Umfragen der IHK-Organisation deutlich. Innovation ist gerade für kleine und mittelständische Firmen schwierig. Das ist die größte Gruppe der Mitglieder der IHK Offenbach am Main. Sie verfügen meist nicht über eigene Entwicklungsabteilungen. Die finanziellen Ressourcen fehlen auch oft. Gleichzeitig belegen die Umfragen aber, dass die kleineren Unternehmen sich für Innovationen und Vernetzungen öffnen wollen, und dass sie Kooperationen mit Forschungspartnern suchen. Das Netzwerk bietet dafür eine Superplattform und die passende Unterstützung.

Herr Dr. Willmann, warum setzt Kudernak auf das Netzwerk?

Willmann: Die Digitalisierung ist ein Thema, das kleinere Firmen nicht alleine stemmen können. Die Kompetenz ist häufig nicht vorhanden. Es fehlt aber auch das Geld dafür.

Haben die kleinen Firmen Angst, abgehängt zu werden?

Willmann: Das ist die Gefahr. Kudernak beschäftigt sich seit 2006 mit der Digitalisierung. Es gibt aber viele Aspekte, die wir bisher nicht umsetzen konnten.

Zum Beispiel?

Willmann: Themen wie Additive Fertigung kann Kudernak mit Kooperationspartnern deutlich schneller umsetzen. Dabei wird das Bauteil Schicht für Schicht aufgebaut und erlaubt so eine schnelle und günstige Fertigung. Mit der Digitalisierung werden Prozesse beschleunigt und somit Potenziale für Optimierungen gehoben. Es wird aber auch immer schwieriger, gutes Personal zu finden. Deshalb müssen Unternehmen auf Automatisierung setzen.

Ihnen fehlen Fachkräfte?

Willmann: Heute noch nicht. Das Problem ist aber absehbar. Wenn der Mittelstand nicht die Automatisierung vorantreibt, können wir in den nächsten zehn Jahren nicht schnell genug wachsen. Und: Der Trend geht in unserer Branche zu Kleinserien. Um sie zu stemmen, brauchen wir die Digitalisierung.

Was macht Kudernak?

Willmann: Wir sind Hersteller von Dichtungen und Konstruktionsbauteilen aus Hochleistungskunststoffen. Wir liefern anspruchsvolle Dichtungslösungen für die Chemieindustrie sowie für den Maschinen- und Anlagenbau. Kudernak hat aktuell 15 Mitarbeiter.

Welchen Stellenwert wird die Digitalisierung in der Produktion einnehmen?

Schwan: Die Digitalisierung ist ein Megatrend. Sie wird für die Unternehmen immer wichtiger. Die Umsätze in der Industrie 4.0 haben sich von 2015 bis 2018 auf rund sieben Milliarden Euro erhöht. Das Wachstum geht sehr rasant. Die Firmen erkennen laut Umfragen verstärkt, dass die Digitalisierung für sie Vorteile bringt. Sie fühlen sich nicht alle nur mehr dem Trend ausgeliefert, das ist schon mal positiv. 2016 war die Mehrheit der Unternehmen bei dem Thema Digitalisierung eher noch zurückhaltend. 2017 hielten die Unternehmen die Digitalisierung aber schon mehrheitlich für einen Wachstumsmotor. Das ist auch ein Trend in Stadt und Kreis Offenbach. Deshalb müssen in der Bildung, angefangen bei den Grundschulen, digitale Kompetenzen vermittelt werden, damit die passenden Fachkräfte vorhanden sind. Die IHK Offenbach am Main fordert die Bundesregierung auf, dass an dem Punkt mehr geschehen muss. Das Gleiche gilt für die IT-Sicherheit. Und: Voraussetzung für die Digitalisierung ist der flächendeckende Breitbandausbau.

Haben die Firmen in Stadt und Kreis Offenbach die Zeichen der Zeit erkannt?

Schwan: Ja, viele schon. Es gibt aber auch noch viele kleine Firmen in der Region, die Unterstützung brauchen. Die Innovationsberatung der IHK Offenbach am Main bietet hier Unterstützung.

Was schreckt Nutzer bei der Digitalisierung ab?

Schwan: Die Unternehmer denken sicherlich an ihre Mitarbeiter. Sie müssen beim Thema Digitalisierung mitgenommen werden. Das ist oft schwierig. Häufig gibt es Ängste, dass Stellen wegfallen. Es werden aber auch andere, neue Jobs im gleichen Maße geschaffen.

Die Fragen stellte Marc Kuhn, Wirtschaftsredakteur der Offenbach Post.

Kontakt:

Mirjam Schwan
Telefon (069) 8207-251
schwan@offenbach.ihk.de