Aktuelle IHK-Konjunkturumfrage

Stimmungskiller Protektionismus und Fachkräftemangel

Lange lief die Konjunktur rund in der Region Offenbach. Nun kühlt sich die konjunkturelle Stimmung zum Herbst erneut ab. Der Konjunkturklimaindex der IHK Offenbach am Main, der Lage und Erwartung zusammenfassend darstellt, sinkt um 8,6 Punkte auf einen Stand von 113,4 Punkten. Die aktuelle Geschäftslage bleibt allerdings auf einem stabilen Niveau. Weiterhin ist mit zwölf Prozent nur ein geringer Anteil der Unternehmen unzufrieden.

„Treiber der Konjunktur bleiben die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt und die rege Investitionstätigkeit der Wirtschaft, die durch niedrige Zinsen begünstigt wird. Dass die Stimmung sich trotzdem eintrübt, liegt an zwei Faktoren, die von den Unternehmen als größte Risiken für die eigene Geschäftsentwicklung gesehen werden und sich dämpfend auf die Zukunftsaussichten sowie die Exporterwartungen auswirken: der zunehmende internationale Protektionismus sowie der Fachkräftemangel“, verdeutlicht IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner.

Für 46 Prozent der befragten Unternehmen seien die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Hauptrisiko für das eigene Unternehmen. Konkret werden dabei am häufigsten die drohenden Einschränkungen im Freihandel benannt. „Das internationale handelspolitische Klima verschlechtert sich zunehmend durch die protektionistische Politik seitens der USA. Und auch ein drohender ,harter Brexit‘ stellt eine hohe Gefahr für die exportorientierte Wirtschaft dar“, erklärt Weinbrenner.

Das genannte Top-Risiko ist mit 55 Prozent der Fachkräftemangel. „Zum Vergleich: In den Jahren 2010 bis 2014 lag der Anteil bei 20 bis 30 Prozent. Der Engpass spitzt sich immer weiter zu. 44 Prozent der Unternehmen können offene Stellen längerfristig nicht besetzen. 22 Prozent suchen erfolglos nach Arbeitskräften ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Jeweils 43 Prozent suchen vergeblich nach Personen mit dualer Berufsausbildung oder einem Fachwirt/Meister. 40 Prozent finden keine Mitarbeiter mit (Fach-)Hochschulabschluss“, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer. Die genannten Gründe sind einfach: 70 Prozent geben an, dass es schlichtweg keine Bewerber gäbe. Bei 72 Prozent haben die vorhandenen Bewerber zu geringe oder unpassende Qualifikationen. Für Weinbrenner ist klar: „Das inländische Arbeitskräftepotenzial muss besser erschlossen werden, indem die berufliche Aus- und Weiterbildung gestärkt und attraktiver wird. Arbeitnehmern gilt es, verbesserte Anreize und Möglichkeiten zu bieten, um von Teilzeit auf Vollzeit zu wechseln. Dazu gehört unter anderem eine entsprechende Kinderbetreuungsinfrastruktur in allen Kommunen. Zum anderen benötigen wir ausländische Fachkräfte. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit der EU gilt es aufrechtzuerhalten. Darüber hinaus ist der Zugang zum hiesigen Arbeitsmarkt für qualifizierte Fachkräfte aus Drittstaaten zu verbessern. Ohne weitere Automation von Arbeitsabläufen durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz wird der Mangel an Fachkräften kaum auszugleichen sein.“

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