SPEZIAL: Digitalisierung

Online-Händler seit diesem Jahr offizieller
Lehrberuf

Erster neuer Ausbildungsberuf im kaufmännischen Bereich seit zehn Jahren – Boom des E-Commerce hält weiter an.

E-Commerce boomt: Im vergangenen Jahr haben die 1.000 umsatzstärksten deutschen Onlineshops nach Angaben des EHI Retail Institute 42,8 Milliarden Euro erwirtschaftet. Gegenüber 2016 ist das ein Anstieg um 8,1 Prozent. Eine Folge des konstanten Wachstums: Von diesem Jahr an können sich junge Leute zu Online-Händlern ausbilden lassen. Kaufmann/Kauffrau im E-Commerce ist nun ein offizieller Lehrberuf und damit der erste neue kaufmännische Ausbildungsberuf seit zehn Jahren, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung mitteilt.

In einer Mitteilung der Kultusministerkonferenz wird dieser Schritt auf die neu entstehenden Tätigkeitsfelder zurückgeführt, die mit dem boomenden Markt im Online-Handel entstünden. Das Einrichten und Pflegen von Internet-Shops, Kundenkommunikation und Verkaufsstrategien sind nur einige der Inhalte, die durch die dreijährige Ausbildung vermittelt werden. Azubis einstellen können sowohl reine Online-Händler als auch solche, die darüber hinaus auch stationäre Läden betreiben.

Ein bestimmter Schulabschluss ist für Bewerber nicht vorgeschrieben. Laut einer Mitteilung der Arbeitsagentur sind aber analytisches und kaufmännisches Denken sowie gute Leistungen in Mathematik, Deutsch, Englisch und Wirtschaft von Vorteil. Die Ausbildungsvergütung liegt im ersten Jahr zwischen 630 und 800, im dritten zwischen 810 und 1.020 Euro. Für fertig ausgebildete Online-Händlerinnen und -Händler bieten sich zum Beispiel Jobs in Einzel-, Groß- und Außenhandelsunternehmen an, ebenso wie in der Touristik, bei Logistikunternehmen und Mobilitätsdienstleistern.

Der Boom im E-Commerce wird nach EHI-Angaben hauptsächlich von den großen Onlineshops getragen. Kleinere Läden verzeichnen dagegen zum Teil sogar Umsatzrückgänge. Kennzeichnend für die Entwicklung ist außerdem eine stärkere Konzentration des Online-Handels auf digitale Marktplätze wie Amazon oder eBay. Zum Beispiel ist mehr als jeder dritte der 1.000 größten deutschen Onlineshops (35 Prozent) inzwischen zusätzlich bei eBay tätig. Bei Amazon sind es sogar 43 Prozent, was einer Steigerung von sieben Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Populärste Social-Media-Plattform bleibt trotz der jüngsten Datenskandale Facebook, jedoch ist die Nutzung leicht zurückgegangen. Nach 95,1 Prozent in 2016 waren vergangenes Jahr nur noch 91,6 Prozent der größten deutschen Online-Händler dort aktiv.