IHK-Ausbildungsumfrage 2017

Jeder dritte Ausbildungsplatz blieb unbesetzt

Unternehmen finden immer schlechter geeignete Auszubildende, und ein Drittel der Ausbildungen wird nicht angetreten. Das sind zwei der alarmierenden Ergebnisse der Ausbildungsumfrage der IHK Offenbach am Main zum vergangenen Ausbildungsjahr.

In den IHK-Berufsorientierungscamps – hier bei Pittler Pro Region in Langen – erfahren junge Flüchtlinge Einzelheiten zu den Anforderungen unterschiedlicher Ausbildungen und können gleichzeitig ihre Fertigkeiten testen. Foto: Arens-Dürr/IHK

Seit elf Jahren befragen die IHKs ihre Ausbildungsunternehmen regelmäßig zu Herausforderungen bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen und bei der Berufsorientierung sowie zu ihrer Bereitschaft, ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Die Ergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte, mit welchen Herausforderungen die Unternehmen im Bereich der Dualen Berufsausbildung konfrontiert werden. Daraus ergeben sich zum einen Forderungen, die die IHK-Organisation gegenüber der Politik vertritt. Zum anderen entstehen daraus konkrete Strategien und Programme, um für den attraktiven Karriereeinstieg Duale Berufsausbildung zu werben.

In Hessen haben sich in diesem Jahr 700 Unternehmen an der Online-Umfrage beteiligt. In Offenbach waren es 81 aus den Wirtschaftszweigen Industrie, Handel, Transport/Logistik, Unternehmensorientierte Dienstleistungen, Informationstechnologie, Gesundheit und Pflege, Banken/Versicherungen, Baugewerbe, Gastgewerbe, Medien und andere.

Es mangelt an Reife und Zuverlässigkeit

Die Offenbacher Befragungsergebnisse zeigen deutlich, wie sehr das Thema Ausbildung die Wirtschaft herausfordert. Fast jeder dritte Ausbildungsplatz konnte nicht besetzt werden. 69 Prozent der Teilnehmer gaben an, keine geeigneten Bewerbungen zu ihren Angeboten erhalten zu haben. Ein Drittel der Ausbildungen wurde nicht angetreten. Als größtes Ausbildungshemmnis nennen die Befragten eine fehlende Ausbildungsreife.

Zufrieden oder sehr zufrieden sind 82 Prozent der Unternehmen mit der Berufsschule als Partner der Dualen Berufsausbildung. Allerdings werden die Ausstattung der Berufsschulen, der häufige Unterrichtsausfall, die Weiterbildung der Lehrkräfte und die Kommunikation zwischen Schule und Betrieb kritisiert.

Ausbildungsstellen wurden vor allem deshalb nicht besetzt, weil sich keine geeigneten Bewerber meldeten oder weil die Ausbildung nicht angetreten wurde.

Die IHK handelt

Die IHK Offenbach am Main ist sich der Herausforderungen bewusst und handelt. Unter anderem werden über die Initiative Ausbildungsbotschafter Auszubildende qualifiziert, um in Schulen anderen Jugendlichen von den Karrieremöglichkeiten zu berichten, die eine Duale Berufsausbildung eröffnet. Die IHK engagiert sich bei der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung, um Unternehmen eine weitere Gruppe von möglichen Auszubildenden zu erschließen. Junge Geflüchtete testen zum Beispiel bei Berufsorientierungscamps in der Gastronomie und im gewerblich-technischen Bereich ihre Fähigkeiten. Zusätzlich wurde das Programm „Einstiegsqualifikation + Sprache“ konzipiert. Die Teilnehmer verbinden ein Langzeitpraktikum mit einem Sprachkurs, um im Anschluss eine Berufsausbildung aufnehmen zu können. Ganz konkret berät und betreut IHK-Referentin Jana-Maria Kühnl junge Geflüchtete bei der Ausbildungsplatzsuche und unterstützt Unternehmen beim Bewältigen bürokratischer Hürden.

In Planung ist ein Ausbildungsatlas, der die Ausbildungsmöglichkeiten in der Region transparent auf der Homepage der IHK Offenbach darstellt. Die IHK entwickelt derzeit eine entsprechende IT-Lösung.

Die Politik ist gefordert

„Eine leistungsfähige berufliche Bildung ist existenziell, damit der Wirtschaft ausreichend praktisch qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Sie ist grundlegend für einen wettbewerbsfähigen und innovativen Mittelstand“, warnt Friedrich Rixecker, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung in der IHK Offenbach am Main, und ergänzt: „Unbesetzte Ausbildungsplätze sind ungenutzte Chancen für junge Menschen. Denn hier liegt der große Unterschied zum Studium: Ausbildungsplätze werden in der Regel nur angeboten, wenn Betriebe Bedarf haben. Bei den inzwischen 18.500 Studiengängen wird sich in vielen Fällen erst nach dem Studium erweisen, ob die Absolventen auf dem Arbeitsmarkt benötigt werden.“

Darum richtet sich die IHK an die Politik. Sie muss dafür Sorge tragen, dass die Schulbildung zur Ausbildungsreife führt und die Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Schulen gerade auch in den Gymnasien verbessert wird. Studienabbrecher sollen intensiver über die Duale Ausbildung als berufliche Perspektive informiert und die Berufsschulen für die Digitalisierung gerüstet werden. Schließlich sollen Unternehmen und Flüchtlinge Rechts- und Planungssicherheit erhalten. Weder während einer Ausbildung noch in der Zeit einer Einstiegsqualifizierung (EQ) darf eine Abschiebung stattfinden.

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