Jugendlichen Perspektiven zeigen und Fachkräfte-Nachwuchs finden

Im Einsatz für die duale Ausbildung

Seit einem Jahr schult die IHK Auszubildende aus Mitgliedsunternehmen zu Ausbildungsbotschaftern. Sie besuchen Schulen und berichten den Jugendlichen dort, warum sie sich zu einer dualen Ausbildung entschlossen haben, wie ihr Berufsweg verläuft und welche Perspektiven er eröffnet.

Anna-Lena Merz (M.) beim Rundgang durch die Schmoll Maschinen GmbH mit ihrem Ausbilder Jochen Ries (l.) und IHK-Koordinatorin Andrea Gutermuth (r.). In ihrem Betrieb kennt sich die Ausbildungsbotschafterin genauso gut aus wie in ihrem Beruf. Bei ihren Einsätzen spricht sie darüber mit Schülern. Foto: Arens-Dürr/IHK

Anna-Lena Merz wird Mechatronikerin. Ihr Berufswunsch hat sich gefestigt, als sie in der zwölften Klasse zum Praktikum bei der Schmoll Maschinen GmbH in Rödermark war. Ihr jetziger Ausbilder Jochen Ries hat sie auf die Idee gebracht, nach dem Abitur eine Ausbildung zu beginnen. „Eigentlich wollte ich studieren“, sagt sie. „Es war gut, dass ich das freiwillige Praktikum gemacht habe. Viele Schüler wissen gar nicht, dass es diese Möglichkeit gibt“, hat sie als Ausbildungsbotschafterin festgestellt.

Im September 2017 hat die IHK Offenbach am Main Unternehmen über die Initiative IHK-Ausbildungsbotschafter informiert und zum Mitwirken aufgefordert. „Als der Anruf kam, habe ich gesagt: ‚Das ist der richtige Weg‘“, erinnert sich Ries. „Wir müssen die Jugendlichen direkt ansprechen. Es ist so ein wichtiger Schritt, darüber zu entscheiden, wie es nach der Schule weitergeht.“ Auf der Suche nach Auszubildenden habe er früher schon Ausschreibungen an Schulsekretariate geschickt.

Natürlich müsse er Anna-Lena für die Einsätze freistellen. Aber sie spricht in den Schulen ja auch für das Unternehmen. Er ist sicher: „Das ist eine Win-win-Situation. Wir hoffen auf mehr geeignete Bewerber. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt und es ist sehr schwierig, qualifizierte Auszubildende zu finden“, berichtet Ries. Die Schmoll Maschinen GmbH ist auf die Herstellung von Maschinen für die Leiterkartenindustrie spezialisiert. Das weltweit agierende Unternehmen verzeichnet gerade ein Rekordjahr. Es expandiert und sucht Fachkräfte.

„Jeder will studieren. In der Gesellschaft scheint man ohne Studium nicht anerkannt zu sein“, kritisiert der Ausbilder und mahnt: „Ich sage den jungen Leuten: ‚Wenn ihr an der Uni abbrecht, habt ihr mit 22 oder 24 Jahren nichts weiter in der Hand als das Abiturzeugnis.‘“

Offen und überzeugt

Nun berichten Anna-Lena und 34 weitere Ausbildungsbotschafter Jugendlichen vorwiegend in Vorabgangsklassen in Stadt und Kreis Offenbach von ihren Ausbildungsberufen und -betrieben. Aber sie erklären auch, was ein Praktikum bringt oder wie man sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt.

In einer kostenlosen, eintägigen Schulung in der IHK haben die Ausbildungsbotschafter Präsentationen entworfen und eingeübt, sie vor Publikum zu zeigen. „Ein Coach hat uns Tipps für das Sprechen und zur Körpersprache gegeben. Für mich war das Präsentieren schon vorher kein Problem. Offenheit ist sicher nicht schlecht. Aber man wächst auch an der Aufgabe, wenn man merkt: ‚Ich kann das ja‘“, meint sie.

In der IHK Offenbach am Main koordiniert Andrea Gutermuth die Initiative und nennt weitere Voraussetzungen: „Die Ausbildungsbotschafter sollen von ihrem Beruf und ihrem Unternehmen überzeugt sein. Sie haben erste Erfahrung in Ausbildung und Beruf gesammelt. Bis zur Abschlussprüfung können sie die Aufgabe übernehmen. Unser Ziel ist es, einen Pool von 150 bis 200 Ausbildungsbotschaftern zu haben, die zu ganz unterschiedlichen Berufen informieren.“

An einem Einsatz nehmen meist mehrere Ausbildungsbotschafter teil. Der mit der Schule abgestimmte Besuch wird den Schülern angekündigt. Im Anschluss an die Präsentationen darf gefragt und diskutiert werden. Das funktioniert unter den fast gleichaltrigen Jugendlichen gut.

Anna-Lena war bisher in zwei Schulen und hat sich dabei nicht aus der Ruhe bringen lassen. „Im Friedrich-Ebert-Gymnasium in Mühlheim wollten die Schüler Fotos von den Maschinen sehen, die wir bauen. Die hatte ich nicht in der Präsentation. Aber es gab zum Glück einen Internetzugang. Ich konnte auf unserer Website Bilder zeigen“, berichtet die angehende Mechatronikerin. Nach dem Abschluss will sie erst einmal in ihrem Beruf arbeiten. Dann vielleicht dual studieren. Einen Nachfolger als Ausbildungsbotschafter haben sie und Ries schon im Auge.

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de

IHK-Ausbildungsbotschafter

Vorteile:

  • Unternehmen und Berufsausbildungen werden in den Schulen authentisch beworben.
  • Schüler werden auf engagierte Ausbildungsbetriebe aufmerksam.
  • Unternehmen sichern sich Nachwuchs (Auszubildende, zukünftige Fachkräfte).
  • Auszubildende erhalten eine zusätzliche Qualifikation.

Organisation:

  • Die IHK Offenbach am Main übernimmt die Organisation.
  • Die Schulung ist kostenlos.
  • Auszubildende werden für ein bis zwei Schuleinsätze pro Jahr und die eintägige Schulung zum Ausbildungsbotschafter freigestellt.

Voraussetzungen:

  • Auszubildende, die schon von ersten Erfahrungen im Beruf und im Unternehmen berichten können.
  • Spaß am Weitergeben von Erfahrungen und Wissen an Schüler.
  • Wunsch nach persönlicher Entwicklung.

www.erfolg-durch-ausbildung.de

Kontakt:

Andrea Gutermuth
Telefon (069) 8207-321
gutermuth@offenbach.ihk.de