Fahrverbote in Offenbach mit Augenmaß verhindern

IHK lehnt Pförtnerampeln an Offenbachs Stadtgrenzen ab

Angesichts drohender Fahrverbote zeigt die IHK Offenbach am Main zwar Verständnis für Offenbachs Aktivitäten zur Luftreinhaltung, IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner fordert aber angemessene Lösungen: „Zentrales Ziel muss sein, gerichtlich angeordnete Fahrverbote zu verhindern. Deshalb ist es richtig, eine Gesamtstrategie zur Luftreinhaltung zu erarbeiten. Dabei darf die Stadt aber nicht über das Ziel hinausschießen.“

Viele der geplanten Maßnahmen seien nachvollziehbar. Den Radverkehr zu fördern oder den öffentlichen Personennahverkehr durch attraktive Verbindungen und ein modernes Informations- und Preissystem zu stärken sei wichtig, um komfortable Alternativen zum Auto zu bieten. Hohes Potenzial, um Stickoxide (NOx) zu reduzieren, biete vor allem ein besserer Verkehrsfluss in der Stadt.

Weinbrenner unterstreicht: „Die Idee, mit Pförtnerampeln Autos an der Stadtgrenze abzufangen und dort künstliche Staus zu produzieren, lehnen wir dagegen strikt ab. Eine solche Maßnahme nimmt weder Rücksicht auf die Zusammensetzung des Verkehrs noch auf die Fahrzeugarten. Anwohner mit Diesel-Pkws stehen dann genauso wie Fahrer eines Lieferfahrzeugs mit Elektroantrieb oder Pendler in benzingetriebenen Wagen vor den Toren der Stadt im Stau. Uns stellen sich da viele Fragen: Wie soll gewährleistet werden, dass Arbeitnehmer im Berufsverkehr ihre Arbeitsplätze erreichen? Oder inwieweit verursachen oder erhöhen sogar Verkehrsverlagerungen die Schadstoffbelastung einfach nur an anderer Stelle?“

Durch generell rückläufige Schadstoffwerte stünden Aufwand und Wirkung von Pförtnerampeln in keinem angemessenen Verhältnis zueinander. „Den geschätzten Gesamtkosten von fünf Millionen Euro steht lediglich ein gesamtstädtisches NOx-Minderungspotenzial von fünf Prozent gegenüber“, so Weinbrenner. Besser sei es, positive Anreize zu schaffen, nicht mit dem Auto in die Stadt zu fahren. Etwa durch „Park+Ride“-Möglichkeiten an Bus- und Bahnhaltestellen.

„Ein Durchfahrtsverbot für Lkw, die Staus auf der A 3 umgehen wollen und durch Offenbach fahren, ist nachvollziehbar. Allerdings muss sichergestellt werden, dass die Lkw, die aus Offenbach kommen oder dorthin wollen, dies auch künftig können“, hebt Weinbrenner hervor. Gleiches gelte auch für Mühlheim.

„Dass tatsächlich 60 Prozent des Lkw-Verkehrs reduziert werden können, sehen wir nicht. Eine solche Maßnahme muss gut vorbereitet und möglichst bürokratiefrei umgesetzt werden“, fordert der IHK-Hauptgeschäftsführer und ergänzt: „Überlegungen zur Einführung einer Blauen Umweltzone stehen wir mangels gesetzlicher Grundlage zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls kritisch gegenüber.“ Der Rückgang der Schadstoffwerte an verschiedenen Stellen in Offenbach in den vergangenen Jahren zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei und es nun mit Maßnahmen nicht übertreiben müsse. Weinbrenner erklärt: „Eine Lösung für die Grenzwertüberschreitungen an der Bieberer Straße und der Unteren Grenzstraße bietet der Bau der im Masterplan vorgesehenen Verbindungsstraße zwischen Bundesstraße B448 und Mühlheimer Straße.“

Unternehmen und IHK seien nicht untätig. „Mit dem 2017 gemeinsam mit der kvgOF mbH, der NiO GmbH und der ivm Region Frankfurt RheinMain GmbH gestarteten Beratungsprogramm ,südhessen effizient mobil‘ werden Unternehmen bei der systematischen Analyse und Optimierung der unternehmensbezogenen Mobilität unterstützt“, sagt Weinbrenner.

Südhessen effizient mobil

Die IHK Offenbach am Main berät im Rahmen von „südhessen effizient mobil“ zum Betrieblichen Mobilitätsmanagement und unterstützt Unternehmen bei der Einführung.

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