Harter Brexit: Gesellschaftsrechtliche Komplikationen wären enorm

Vor allem Kapitalgesellschaften nach britischem Recht mit Hauptsitz in Deutschland sind betroffen.

Wie hart der Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, tatsächlich wird, steht noch nicht fest. Mit jedem Tag, der bis zum Austrittsdatum am 29. März 2019 ohne eine Einigung mit der EU vergeht, steigen aber die Risiken schwerwiegender wirtschaftlicher Folgen auch für deutsche Unternehmen. So warnte etwa BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter kürzlich in einem Interview mit dem Sender Sky News vor einem „harten, komplizierten Brexit, der sich wochenlang auf die Versorgungsketten auswirken würde“. Im schlimmsten Fall würde Großbritannien gegenüber Deutschland und den anderen EU-Staaten nach dem Austritt als Drittstaat gelten – mit allen negativen Konsequenzen für freien Handel, Zölle und Steuern.

Besonders betroffen sind jene rund 10.000 Kapitalgesellschaften, die ihren Satzungssitz in Form einer Limited (Ltd.) oder Public Limited Company (PLC) in Großbritannien, ihre Hauptverwaltung, also die Geschäftsleitung, jedoch in Deutschland haben. „Viele Unternehmen hatten sich zur Errichtung solcher Gesellschaften entschieden, weil das britische Recht relativ niedrige Voraussetzungen für eine Gründung vorsieht“, erklärt Wilfried W. Krauß, Rechtsanwalt und Steuerberater bei der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. So sei ein Mindestkapital von einem Euro ausreichend und die in Deutschland übliche Arbeitnehmermitbestimmung könne vermieden werden. Bei einem harten Brexit ergeben sich aus dieser gesellschaftsrechtlichen Konstruktion nun aber Probleme.

Der Grund: In Zukunft würde nicht mehr das britische, sondern das deutsche Gesellschaftsrecht angewendet. Krauß: „Zwar wären auch nach deutschem Recht britische Kapitalgesellschaften weiterhin rechtsfähig. Sie müssten aber aus deutscher Sicht in ein Personenunternehmen umqualifiziert werden.“ Hinzu kämen Konsequenzen im Bereich der Haftung, da die Haftungsbeschränkung der Gesellschaft entfallen würde. Somit müssten womöglich die bisherigen Ltd.- und PLC-Gesellschafter persönlich haften.

Vor diesem Hintergrund rät Krauß davon ab, künftig auf das Modell einer britischen Gesellschaft mit Hauptverwaltung in Deutschland zurückzugreifen. Bei bereits bestehenden Gesellschaften würden Risiken noch durch gesellschaftsrechtliche Maßnahmen vermieden. Das könnte beispielsweise durch eine Umwandlung oder eine Übertragung der britischen Wirtschaftsgüter auf eine deutsche Gesellschaft geschehen. Zeit bleibt dazu allerdings nur noch bis zum Stichtag am 29. März 2019.