Unternehmen zeigen Verantwortung für geflüchtete Menschen

Eine wichtige Aufgabe gemeinsam meistern

Das „Netzwerk Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ ist deutschlandweit der größte Zusammenschluss von Unternehmen, die sich für die Beschäftigung von Geflüchteten engagieren. Es entstand 2016 auf Initiative des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Bei einem Netzwerktreffen tauschten sich im September Vertreter von Betrieben und Institutionen in der IHK Offenbach am Main aus.

Wie lässt sich vermeiden, dass Flüchtlinge ihre Ausbildung abbrechen? So lautete die zentrale Frage beim Treffen des „Netzwerks Unternehmen integrieren Flüchtlinge“ am 19. September 2018 in der IHK Offenbach am Main. Foto: Arens-Dürr/IHK

Was tun, wenn der junge geflüchtete Mann zwar gerne und engagiert arbeitet, aber nicht in die Schule gehen will? Sind die Anforderungen in den Berufsschulen zu hoch? Werden weibliche Vorgesetzte angemessen respektiert? Die Teilnehmer des Netzwerktreffens diskutierten solche Fragen teilweise kontrovers. Sie berichteten von sehr unterschiedlichen Erfahrungen mit ihren geflüchteten Praktikanten, Auszubildenden und Mitarbeitern. Aktuelle Informationen zur rechtlichen Situation und zu Fördermöglichkeiten gab Lena Speckmann von der Arbeitsagentur in Offenbach. IHK-Referentin Jana Maria Kühnl berichtete unter anderem von den Berufsorientierungstagen und Programmen zur Ausbildungsvorbereitung, mit denen die IHK Unternehmen und geflüchtete Menschen unterstützt.
In seinem Restaurant-Schiff Backschaft in Offenbach bildet Gunnar Ohlenschläger einen afghanischen Flüchtling zum Koch aus. Er rät zur „klaren Ansage“, um Missverständnisse zu vermeiden. „Wenn ich sage: ‚Könntest du bitte mal den Fisch putzen‘, dann kann es passieren, dass die Dringlichkeit der Aufgabe nicht verstanden wird und der Fisch morgen noch daliegt. Man muss direkt aussprechen, was man möchte.“ Inzwischen funktioniere die Kommunikation. „Es hat sich gelohnt“, ist sein Fazit zur Zusammenarbeit mit dem jungen Mann.

Max Klasen, Projektreferent für das Netzwerk beim DIHK, trägt mit seinen Kollegen dazu bei, dass das Engagement von Unternehmen zu solch positiven Ergebnissen führt. „Wir haben als Podiumsgäste, Redner oder Gastgeber bisher rund 400 Veranstaltungen organisiert und begleitet“, berichtet er. Auch Netzwerk-Publikationen und Webinare informieren zu Rechtsfragen, Fördermöglichkeiten und Ansprechpartnern.

Aktuell hat das Netzwerk mehr als 1.800 Mitglieder aus allen Branchen und Regionen in Deutschland. 70 Prozent davon sind kleine und mittelständische Unternehmen. Es arbeitet sowohl auf Bundes- als auch auf regionaler Ebene und kooperiert unter anderem mit engagierten IHKs und Handwerkskammern.

„In unseren vielen Gesprächen merken wir, wie hoch der Bedarf an Beratungsangeboten ist. Das motiviert uns, immer weiterzumachen“, sagt Klasen. Gemeinsam mit den Netzwerkmitgliedern suchen er und sein Team Antworten auf Fragen wie diese: Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für Geflüchtete? Wie lernt man geflüchtete Menschen kennen und schätzt ihre Qualifikationen richtig ein? Welche Begleitung brauchen sie im Arbeits- und Ausbildungsalltag? Welche Förder- und Unterstützungsangebote kommen in Frage?

„Egal, ob ein Unternehmen bereits Geflüchtete beschäftigt oder plant, dies zu tun, ob es detaillierte Fragen hat oder sein Engagement für andere sichtbar machen möchte: Unsere Mitglieder profitieren von einer breiten Palette an Angeboten und nicht nur vom Wissen des Projektbüros, sondern auch von den derzeit über 1.800 Mitgliedern bundesweit.“ Denn wie der Name schon sagt, stehe das Netzwerken im Fokus. „Viele Unternehmen stehen vor ähnlichen Herausforderungen, wenn sie sich für Geflüchtete engagieren wollen. Erfahrungen aus der Praxis und der Austausch mit Gleichgesinnten sind deshalb Gold wert“, sagt der Projektreferent. Über die Netzwerk-Datenbank finden Unternehmen andere Mitglieder in der Region.

Die Internetseite des Netzwerks ist frei zugänglich und gibt einen Überblick und beantwortet schon eine Reihe von Fragen. Einige Angebote wie die Webinare oder Veranstaltungen sind exklusiv Mitgliedern vorbehalten. „Die Mitgliedschaft und die Nutzung aller Angebote ist kostenlos und die Anmeldung ist unkompliziert“, versichert Klasen.

www.unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de

Kontakt:

Jana Maria Kühnl
Telefon (069) 8207-341
kuehnl@offenbach.ihk.de