Echt clever: Das „Smart Home“ ist auf dem Vormarsch

Viele Branchen profitieren von dem Boom der intelligenten, vernetzten Haustechnik – und auch Betriebe können die vielfältigen Möglichkeiten zum Energiesparen oder für mehr Sicherheit nutzen

Heizungen passen sich automatisch dem Wetter an, Jalousien fahren herunter, wenn die Sonneneinstrahlung zu stark wird. Sensoren befehlen „Licht aus“, sobald im Raum keine Bewegung mehr festgestellt wird. Temperaturfühler und Feuchtigkeitssensoren erkennen, wenn es im Zimmer zu stickig wird, und öffnen die Fenster oder schalten die Klimaanlage an. Und bei einem Einbruch aktivieren Glasbruchsensoren unverzüglich einen Alarmruf bei der Polizei.

All das ist keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits heute Realität auf dem Bau- und Immobilienmarkt. Der Siegeszug des „Smart Home“ ist nicht mehr aufzuhalten. Nach einer aktuellen Schätzung sollen 2018 bereits mehr als 720.000 Smart-Home-Haushalte in Deutschland existieren. Die Millionenmarke ist für das Jahr 2020 avisiert.

Die Beschreibung als „schlaues Heim“ hat dabei durchaus ihre Berechtigung: Fast wie ein intelligentes Wesen regelt miteinander vernetzte Technik im Smart Home alle wichtigen Funktionen in Wohnhäusern ebenso wie in Gewerbegebäuden und Büros. Im Bereich der IT und Elektrotechnik entsteht damit ein rasant wachsender Milliardenmarkt, von dem viele weitere Branchen profitieren.

So gehen mit dem Smart-Home-Boom völlig neue Möglichkeiten im Bereich der Energieeinsparung und -erzeugung einher. Hier ist momentan auch die Nachfrage besonders groß, wie eine Umfrage des Institutes „Statista“ ergab: Danach interessieren sich die Deutschen beim Smart Home am meisten für intelligent arbeitende Heizsysteme. Diese sorgen etwa dafür, dass sich die Heizungen in allen Räumen je nach Wetterbedingungen und Nutzungsverhalten automatisch regeln. Es sind sogar schon Thermostate im Einsatz, die man mit online verfügbaren Wettervorhersagen vernetzen kann. Spezielle „Smart Meter“ erkennen, zu welcher Tageszeit besonders günstiger Strom zur Verfügung steht, und lösen zu den Zeiten mit niedrigem Kilowattstundenpreis besonders energieintensive Arbeitsvorgänge aus, starten dann im privaten Haushalt etwa die Waschmaschine. „Eine optimierte Heizungssteuerung ermöglicht in vielen Vier-Personen-Haushalten ein potenzial von mehr als 40 Prozent“, erklärte kürzlich Smart-Home-Experte Martin Öller in einer Sonderveröffentlichung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Noch erheblicher kann die Einsparung wegen des größeren Umfanges in gewerblich genutzten Gebäuden, in Lagerhallen oder Bürohäusern sein. Auch beim Thema Sicherheit lassen sich viele Smart-Home-Elemente sowohl privat als auch in Gewerbe- und Industrie- oder Bürogebäuden nutzen. So lösen moderne Rauchmelder heutzutage nicht mehr nur einfach einen Alarm aus, wenn sie Qualm registrieren. Vernetzte Alarmsysteme fahren beispielsweise gleichzeitig auch die Rollläden hoch, um Sicherheitswege freizumachen, oder verschließen eventuell offenstehende Brandschutztüren im Gebäude. Bewegungsmelder, die bei unbefugtem Betreten eines Geländes die Beleuchtung einschalten, sind heute bereits üblich. Im Smart Home starten sie aber auch gleichzeitig Videokameras im jeweiligen Bereich und senden die Bilder live aufs Smartphone des Besitzers.

Ohnehin sind mittlerweile nahezu alle Funktionen des Smart Homes über entsprechende Apps von annähernd jedem Ort der Welt aus zu überwachen und zu steuern. Das kann natürlich auch Risiken bergen. Um möglichst erst gar keine IT-Sicherheitslücken aufkommen zu lassen, sollte man bei der Einrichtung von Smart-Home-Elementen am besten von Anfang an mit einem Fachbetrieb zusammenarbeiten (siehe auch Interview Rainer Krapp). Auf diese Weise minimiert man die Gefahr, etwa Opfer einer Hacker-Attacke zu werden, und nutzt die Möglichkeiten der intelligenten Haustechnik am effektivsten.

3 Fragen an …

… Rainer Krapp, Inhaber der Firma Elektro Jäger in Offenbach

Bei den unzähligen technischen Möglichkeiten – wo fange ich am besten an, wenn ich mein Haus zum Smart Home machen möchte?
Wenn ich Smart Home nutzen möchte, ist es zunächst wichtig, sich zu überlegen, in welchen Bereichen das geschehen soll. Am besten, man legt sich einen Aufgabenkatalog an, in dem man definiert: Was möchte ich mit Smart Home steuern? Welche technischen Ausstattungen soll mein Haus haben? Da bietet sich ja vielerlei an: Licht, Rollladen/Jalousien, Heizung, Küchengeräte, Einbruchmeldeanlage, Sprechanlage und einiges mehr.

Was raten Sie kleinen und mittleren Unternehmen, die Smart-Home-Technik für ihren Betrieb nutzen möchten?
Gerade kleinere und mittlere Betriebe können durch einen effektiven Einsatz von Smart-Home-Elementen zum Beispiel ihren Energieverbrauch senken und so signifikant Kosten sparen. Auch hier sollte man sich aber unbedingt von einem Fachmann beraten lassen, um den größtmöglichen Nutzen zu erzielen. Auch im Bereich Sicherheit kann Smart-Home-Technik in vielen Betrieben einiges verbessern: angefangen von einfachen Bewegungsmeldern bis hin zu ,intelligenter‘, vernetzter Video- und Überwachungstechnik.

Es gibt auch Systeme, die man selbst installieren kann, die meisten Experten raten aber dazu, einen Fachbetrieb zu beauftragen. Warum ist das so wichtig?
Da Smart Home keine gemeinsame Plattform aller Hersteller darstellt, sondern die Systeme autark funktionieren, ist es wichtig, anhand der gestellten Aufgaben ein System zu finden, das allen Anforderungen gerecht wird. Denn wenn ich am Ende lauter verschiedene Systeme habe, wird das Smart Home schnell zu einem „Mist“ Home. Hier sind die Beratung und auch die spätere Verwirklichung durch einen Fachbetrieb, der das notwendige Know-how hat, unerlässlich. Auch sollte die elektrische Anlage nur durch einen Fachmann angeschlossen werden, denn die Sicherheit in diesem Bereich ist für alle Benutzer lebensnotwendig.

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