Reingeschaut … in den Spielzeugladen Nowak in Rödermark

Die reine Lust am Spielen

Jürgen Nowak und seine Frau Bettina Nowak-Gorr verkaufen Spielzeug auf nur 100 Quadratmetern Verkaufsfläche, weit entfernt von Einkaufsstraßen und Laufkundschaft. Sie wollen keinen Online-Shop und werben kaum. Trotzdem läuft ihr Laden gut und wurde von der Zeitschrift „Das Spielzeug“ als Fachgeschäft des Jahres 2017 ausgezeichnet.

Während Jürgen Nowak (2.v.l.) mit seinem Auszubildenden Kevin und dem Außendienstmitarbeiter eines Herstellers ein neues Kartenspiel ausprobiert, verpackt seine Frau Bettina Nowak-Gorr (2.v.r.) an der Kasse die Einkäufe von Kunden. Foto: Arens-Dürr/IHK

Der Spielzeugladen Nowak liegt im Industrie- und Gewerbegebiet Ober-Roden im vorderen Teil einer Schreinerei, die Nowak von seinem Vater übernommen hat. Vor 19 Jahren begannen er und seine Frau, Spielzeug zu verkaufen. „Heute ist das unser Hauptgeschäft“, sagt er. Wer das versteckt liegende Geschäft findet und erlebt, kommt seinem Erfolgsgeheimnis auf die Spur.

Vor dem Eintauchen in die bunte Spielzeugwelt gibt es eine kleine Hürde: Wie beim Edeljuwelier muss man hier klingeln, damit die Tür geöffnet wird. Die Kuriosität stammt aus der Zeit, als der Verkaufsraum nur ein Anhängsel der Schreinerei und nicht durchgehend besetzt war. „Die Klingel war zuerst ein Problem. Heute ist sie Kult“, sagt der Händler und Handwerker.

Außergewöhnliches bieten

Das Geschäft gehört weder einer Kette noch einer Einkaufsgenossenschaft an. „Wir sind völlig frei und verzichten auf die drei Großen. Das sind Lego, Mattel und Playmobil“, erklärt Nowak. Das Sortiment ist trotzdem riesig: Holzspielzeug, Modellautos, Gesellschaftsspiele, Bastelzubehör, Puppen und Stofftiere, Sets für kleine Forscher, Spielgeräte wie Diabolos und Jojos, Kinderbücher, -CDs und -DVDs bis hin zu Murmeln und Seifenblasen. Ob zu zweit, in einer Gruppe oder alleine gebaut, gebastelt oder gespielt werden soll – es eröffnen sich unzählige Möglichkeiten zur anregenden, kreativen Freizeitbeschäftigung. Auch Schulbedarf führt der Laden. Ein geschätzter Service: Was die Schule fürs jeweilige Jahr auf eine Liste notiert hat, wird schon in den Ferien zusammengestellt und in eine Tüte gepackt. Bücher werden eingebunden.

Von 160 Herstellern stammen die Artikel in den Regalen und auf den Präsentationsflächen. „Viele kleine Unternehmen sind darunter“, sagt der Ladenbesitzer und fügt hinzu: „Wir sehen weniger auf den Namen als auf außergewöhnliche und lustige Spiele. Bevor wir etwas anbieten, probieren wir es aus. Dann können unsere kleinen und großen Kunden hier damit spielen, ganz zwanglos.“

Stationärer Einzelhandel funktioniert nur, wenn er sich vom Internet unterscheidet.

Mehr Zirkus als Laden

Denn Spielen und Ausprobieren sind bei den Nowaks ausdrücklich erwünscht. Viele Gesellschaftsspiele sind auf Tabletts aufgebaut und in einem turmartigen Regal untergebracht. Zwei Kunden wollen das Spiel des Jahres testen? Sie nehmen das dazugehörige Tablett aus dem Turm, stellen es auf einen Tisch und legen los. „95 Prozent der Spiele stehen offen zur Verfügung“, sagt Nowak. „Zu uns kommen ganze Familien zum Spielen. Die Kinder können sich frei bewegen. Manchmal ist das hier mehr Zirkus als Laden.“ Was bei den Kunden nicht ankommt, wird aus dem Sortiment genommen.

Außerdem vermitteln die Geschäftsleute in Workshops Basteltechniken und den Umgang mit unterschiedlichen Materialien wie Speckstein und Holz. „Meine Frau als Innenarchitektin ist für das Künstlerische zuständig, ich als Schreiner fürs Handwerkliche. Die Kinder beherrschen das hinterher“, versichert Nowak. Dafür kann ein separater Raum der Schreinerei genutzt werden.

Kleiner Laden, große Kundenbindung

2017 kürte das Fachmagazin „Das Spielzeug“ den Ober-Rodener Laden zuerst zum Fachgeschäft des Monats April, dann zum Fachgeschäft des Jahres. Für die Inhaber war das eine Überraschung. Sie hatten sich nicht beworben. Die Stimmen der Außendienstmitarbeiter von Lieferanten und Kunden waren für die Auszeichnungen entscheidend. Der kleine Laden übertrumpfte Konkurrenten mit Verkaufsflächen von bis zu 3.000 Quadratmetern. „Ich glaube, die Betreuung der Kunden ist der Punkt. Das unterscheidet uns von anderen. Wir bieten mehr Service als erwartet und lösen Kundenprobleme“, meint Nowak. Sie nehmen sich Zeit, zum Erklären. Es gibt Ersatz, wenn ein Spielstein verloren geht. Der Umtausch verläuft unbürokratisch. „Viele Läden sind zu groß und zu teuer. Dann wird am Personal und vor allem an der Beratung gespart“, glaubt er.

Seine Kunden kommen aus einem Umkreis von rund 80 Kilometern, schätzt er. Oft seien Empfehlungen der Grund für den Besuch. In Werbung investiert er kaum. Selten inseriert er in der Lokalpresse. „Warum sollen wir werben?“, wundert sich Nowak. „Ab und zu drucken wir Flyer, die wir den Kunden im Laden geben. Wir haben einen großen Kundenstamm. 7.000 Kundenkarten sind im Umlauf. Aber seit zwei Jahren verschicken wir keine Newsletter mehr. Die Kunden wollten das nicht, und als im Mai die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung eingeführt wurde, waren wir froh, dass das Thema Newsletter schon erledigt war.“ Auf Facebook werden Veranstaltungen angekündigt. Ein neuer Internetauftritt ist in Arbeit – ohne Online-Shop selbstverständlich.

„Ich sehe heute für den Einzelhandel nur zwei Möglichkeiten“, sagt der Händler. „Entweder bietet man dem Kunden, was er sonst nicht bekommt, nämlich einen top Service und Erlebniseinkaufen. Oder man wird Online-Händler. Dazwischen gibt es nichts. Stationärer Einzelhandel funktioniert nur, wenn er sich vom Internet unterscheidet.“

www.nowak-moebel.de

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
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arens@offenbach.ihk.de