Reingeschaut … ins Atelier Jennifer Klein Couture

Die besondere Art sich zu kleiden

Mit elf Jahren hat Jennifer Klein ihre Leidenschaft fürs Nähen entdeckt. Mit 24 Jahren beherrscht sie die hohe Kunst der Damen-Couture, steht in ihren Geschäftsräumen in Offenbach und sagt: „Ich kenne in Deutschland noch ein Atelier in Berlin und eins in München, die auf diesem Niveau arbeiten.“

Aus handgefertigter Spitze hat Jennifer Klein ein Kleid gearbeitet, in dem sich seine Trägerin besonders fühlen kann. Foto: Arens-Dürr/IHK

Klein hat in einer darauf spezialisierten Schule, der Pariser Ecole Lesage, Stickerei gelernt. Mit Garnen, Bändern, Perlen, Spitzen, Federn, Edelsteinen oder Pailletten verziert sie ihre Modelle, die ohnehin Einzelstücke sind. In London hat sie Modedesign studiert und anschließend in zwei Couture-Häusern gearbeitet. 2017 kam die gebürtige Darmstädterin zurück nach Hessen und fand in der
Goethestraße einen lichten Raum in einem vorwiegend von Künstlern genutzten historischen Hinterhaus. Dort trifft sie ihre Kundinnen. „Meist kommen die Frauen über Mundpropaganda zu mir. Zuerst geht es darum, die Kundin kennenzulernen und zu erfahren, was sie sich wünscht und was zu ihr passt“, berichtet Klein. Soll es ein Abendkleid sein, ein Kostüm oder ein Nachthemd? Sie sieht sich mit der Kundin Skizzen an, zeigt Muster und Stoffe. Auch das Budget ist Thema. Für Nachthemden beginnen die Preise bei 130 Euro, für ein Kleid bei 500 Euro. Ein Brautkleid kostet mindestens 2.500 Euro. „Ich kann auch etwas Schönes aus Baumwolle herstellen, ab ungefähr 800 Euro“, sagt sie. Zugeständnisse bei der Qualität mache sie nicht.

Auf den Leib geschneidert

Wenn Schnitt und Stoff vereinbart sind, nimmt die Designerin Maß. Danach fertigt sie ein Modell aus Nesseltuch als Vorlage für das Kleidungsstück an. „Ein Rock kann in einer Woche fertig sein. Für ein Brautkleid sollte man mit vier bis sechs Monaten rechnen, denn dafür sind mehrere Anproben notwendig“, erklärt Klein. „Den Bräuten ist das Kleid sehr wichtig. Manchmal passe ich es noch kurz vor der Trauung an. Einige Frauen nehmen vor der Hochzeit stark ab. Andere sind schwanger. Auf Wunsch begleite ich sie, kleide sie an und achte zum Beispiel darauf, dass die Korsage richtig geschnürt ist.“ Die Zusammenarbeit mit den Bräuten sei ein „wunderschöner Prozess“. Dazu kann gehören, dass sie eine Erinnerung in den Saum stickt – zum Beispiel das Hochzeitsdatum.

Vom Feinsten

Handgefertigte Spitzen, fließende Seide, weiches Kaschmir – edel und nachhaltig seien ihre bevorzugten Materialien. Auch ein Kleidungsstück mit schlichtem Schnitt wirke damit extravagant. „Ich achte auf gute Qualität und hohe Standards“, sagt sie und zeigt eine schwere Detox-Duchesse-Seide aus ökologisch gefärbten Fäden, für deren Herstellung eine Greenpeace-Kampagne entscheidend war. Gerade Nachthemden, die man stundenlang auf der Haut trägt, sollten aus einem Stoff sein, der sich gut anfühlt und atmungsaktiv ist. Das könne auch Biobaumwolle sein. Die ausgefallenen Materialien in kleinen Mengen zu bekommen, ist nicht immer einfach. Dabei kommen ihr Kontakte aus dem Studium und der Arbeit in London zugute. Außerdem ist ihr wichtig, nicht zur Ausbeutung von Menschen beizutragen. „Ein Schwerpunkt in meinem Studium war das Thema Menschenrechte. Die Modeindustrie treibt den Konsum und produziert Kleidung zum Wegwerfen. Das muss sich ändern. Mir geht es um Individualität und nachhaltigen Luxus“, erklärt sie. Man solle lieber weniger und dafür bessere Kleidung kaufen. „Wenn ich etwas trage, das andere verletzt, kann ich mich darin nicht wohlfühlen“, ist sie überzeugt.

Nachhaltig bedeutet auch, dass Stoffreste – wenn möglich – verwertet werden. Was vom Stoff eines Kaschmirkleids für eine Kundin übrig geblieben ist, hat zum Beispiel noch für ein Kleid fürs Töchterchen gereicht. Auch ihre spezielle „Upcycling-Idee“ kommt an: Aus gut erhaltenen, hochwertigen Seidentüchern arbeitet sie Kleider oder Taschen ab 225 Euro. Dazu schicken Kundinnen ihre Tücher ein und wählen zwischen fünf Taschen- und drei Kleidermodellen. „Das sind schöne handgenähte Geschenke“, erklärt Klein.

Es ist keine normale Maßschneiderei

Ihre Bilanz nach einem Jahr im eigenen Atelier lautet: „Das Geschäft geht gut. Ich taste mich noch ins Unternehmersein hinein.“ Das Planen sei schwierig, denn die Aufträge kommen in Wellen: Es geschehe, dass sie zwei Monate lang 15 Stunden am Tag arbeitet, und zwar von Montag bis Sonntag. Im Herbst kreiert sie viele Röcke. Der Winter bringt die Bestellungen für Silvester. Ab Februar geht es mit den Brautkleidern los. „Ich versuche alle Aufträge anzunehmen“, sagt sie. Um Spitzen abzudecken, kooperiert sie mit drei freiberuflichen Schneiderinnen.

„Auf diese Weise Kleidung herzustellen, erfordert viel Geduld und Handarbeit, während bei der Maßschneiderei vor allem die Nähmaschine zum Einsatz kommt. Couture ist eine spezielle Art, sich zu kleiden. Man ist mehr gekleidet. Meine Kundinnen fühlen sich besonders. Das macht mir sehr viel Freude“, versichert die Designerin.

www.jenniferkleincouture.com

Wenn ich etwas trage, das andere verletzt, kann ich mich darin nicht wohlfühlen.

Autorin:

Birgit Arens-Dürr
Telefon (069) 8207-248
arens@offenbach.ihk.de