Bilanz von Rückstellungen befreien, Pensionszusagen auslagern

Der Niedrigzinsphase trotzen

Immer mehr mittelständische Unternehmen leiden unter steigenden Rückstellungen für Pensionszusagen an Geschäftsführer und leitende Mitarbeiter. Doch es gibt Möglichkeiten, die Handels- und die Steuerbilanz zu entlasten. Insbesondere vor der Suche nach einem Firmennachfolger sollten geschäftsführende Gesellschafter davon Gebrauch machen.

Rückstellungen für Pensionszusagen können für Unternehmen zur Belastung werden. Foto: Ray – stock.adobe.com

Fast jedes dritte deutsche Unternehmen sieht sich von steigenden Pensionsrückstellungen betroffen. Jede zehnte Firma reduziert sogar deshalb ihre Investitionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderauswertung des DIHK. Denn mit der Passivierungspflicht durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) seit 2010 und durch den drastischen Verfall der Kapitalmarktzinsen im Gefolge der Finanzkrise geraten die Bilanzen vieler Firmen unter erheblichen Druck.

Unternehmen sollten sich typischerweise darauf einstellen, dass sie um 100 bis 200 Prozent höhere Rückstellungen in der Handelsbilanz bilden müssen, als sie anfänglich bei Erteilung der Zusage geplant hatten. Daran ändert auch die 2016 beschlossene Anhebung des HGB- (Handelsgesetzbuch-)Rechnungszinses kaum etwas. Manche Unternehmen können dadurch in Insolvenzgefahr geraten und es kommt dann trotz vermeintlich sicherer Verpfändung oft sogar zum völligen Verlust der Altersabsicherung des beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführers.

Bei Unternehmensübernahmen droht die Gefahr, dass Nachfolger unterfinanzierte Pensionszusagen und Betriebsrenten übernehmen. Sie zahlen dann unter Umständen ohne Refinanzierung noch jahrelang Renten an ehemalige Mitarbeiter und deren Hinterbliebene, zu denen sie keinerlei persönlichen Bezug haben. Umgekehrt geben Pensionsverpflichtungen dem Nachfolgeinteressenten oft ein gutes Argument an die Hand, um den Kaufpreis zu drücken. Beide Verhandlungspartner sollten daher ein Interesse daran haben, die Unternehmensbilanz vor den Übernahmeverhandlungen von Pensionszusagen zu befreien.

Richtig auslagern

Für mittelständische Kapitalgesellschaften bietet sich hierfür am ehesten die Übertragung der Pensionsverpflichtungen und des Rückstellungsvermögens auf externe Versorgungsträger an. Für Ansprüche, die schon nicht mehr verfallen können, kommen Pensionsfonds in Betracht. Im Hinblick auf die künftig bis zum Renteneintritt noch entstehenden Ansprüche empfehlen sich Unterstützungskassen. Nur durch eine solche „Auslagerung“ erlangen direkt zugesagte Pensionen verlässliche Insolvenzsicherheit.

Bei einer Auslagerung ist unter anderem zu beachten, dass Pensionsfonds unterschiedlich ausgestaltet sein können: Die versicherungsähnliche Lösung bietet ein Rundum-sorglos-Paket mit einer gesicherten Rentenzahlung bis zum 115. Lebensjahr und beinhaltet eine – wenn auch inzwischen geringe – Garantieverzinsung. Das ist für die meisten Mittelständler zu teuer.

Empfehlenswert sind hingegen Pensionsfonds, die den Gesamtaufwand durch den Ansatz realistischer Größen bei der Lebenserwartung minimieren und für das Langlebigkeitsrisiko Möglichkeiten einer kostengünstigen kollektiven Absicherung vorsehen.

Diese nicht-versicherungsförmigen Pensionsfonds sind zudem in der Anlagestrategie flexibel. Ihre aus dem Rückstellungsvermögen erwirtschafteten Renditen sind erfahrungsgemäß um ein bis zwei Prozent höher als die von Rückdeckungsversicherungen erzielten Erträge. Zudem unterliegen die im Fonds erzielten Erträge nicht der Kapitalertragsteuer. Anders als bei Versicherungen fließt das bei Tod des Begünstigten unverbrauchte Pensionsvermögen an das Unternehmen zurück. Und schließlich entfällt die ungerechte fiktive Besteuerung von Vermögens-
erträgen in der Steuerbilanz.

Unter den am deutschen Markt zugelassenen Pensionsfonds bestehen aufgrund ihrer Flexibilität erhebliche Unterschiede. Das macht eine sorgfältige Auswahl durch spezialisierte unabhängige Beratungsunternehmen erforderlich.

Autor:

Thorsten Kircheis
E-Mail th.kircheis@diz.ag
Internet www.diz.ag

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