Achtung – es drohen hohe Bußgelder

Bürokratie macht Unternehmen zu Stromlieferanten

Unternehmen in Deutschland sind es inzwischen gewohnt, bürokratische Lasten zu schultern, gerade im Energiebereich. Ab Herbst droht eine neue. Das sogenannte Marktstammdatenregister soll alle Betreiber von Stromerzeugungsanlagen, -netzen und -speichern sowie alle Stromlieferanten zentral bei der Bundesnetzagentur erfassen.

Während es offiziell Ziel der Politik ist, Unternehmen von Bürokratie zu entlasten, wird bei Stromlieferungen massiv Bürokratie aufgebaut. Foto: Doc Rabe Media – Fotolia

Stromlieferant ist ein Unternehmen nach Auffassung der Bundesnetzagentur immer dann, wenn es Strom an einen sogenannten Letztverbraucher liefert. Einen solchen Letztverbraucher kennzeichnet, dass er entscheidet, wann er zum Beispiel eine Maschine anschaltet und das entsprechende wirtschaftliche Risiko trägt. Statt 1.000 Energieversorgern gibt es aufgrund dieser weiten Definition auf einmal Zehntausende. Die Folge: Viele Unternehmen zusätzlich werden meldepflichtig.

Was fällt unter die Meldepflicht?

Wird Strom von einem Unternehmen beispielsweise an die ausgelagerte Kantine weitergeleitet, bestimmt deren Personal eigenverantwortlich, wann der Herd eingeschaltet wird. Zudem trägt der Kantinenbetreiber das wirtschaftliche Risiko, wenn er etwa wegen defekter Geräte kein warmes Essen anbieten kann und ihm dadurch Einnahmen entgehen. Die Kantine im eigenen Haus ist damit Letztverbraucher und das Unternehmen Stromlieferant mit Meldepflicht.

Auch zeitweise Stromlieferungen sind meldepflichtig: Errichtet eine Baufirma eine neue Fabrikhalle und bezieht für einige Monate Strom vom Auftraggeber, muss sich dieser im Register eintragen. In diesem Fall übt die Baufirma die Herrschaft über die Geräte aus; sie bestimmt eigenverantwortlich deren Einsatz und trägt das wirtschaftliche Risiko.

Bagatellgrenze gefordert

Grundsätzlich muss auch jede Änderung des eigenen Status gemeldet werden. Das heißt: Nach Abschluss der Arbeiten ist die Firma verpflichtet, mitzuteilen, dass sie nun kein Stromlieferant mehr ist. Aufgrund dieser Meldeflut und der Belastung der Unternehmen setzt sich die IHK Offenbach am Main gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) für die Einführung einer Bagatellgrenze von 1.000.000 Kilowattstunden ein. Dann fielen etliche Fälle wie temporäre Verbräuche oder Lieferungen an Kantinen weg. Solange es eine solche Grenze aber nicht gibt, bleibt den Unternehmen nur übrig, in den sauren Apfel zu beißen und sich zu registrieren. Andernfalls droht leider tatsächlich ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro.

Die IHK Offenbach am Main berät Unternehmer, die unsicher sind, ob sie als Stromlieferant gelten, und verschafft den Betroffenen Gehör bei der Politik.

Kontakt:

Peter Sülzen
Telefon (069) 8207-244
E-Mail suelzen@offenbach.ihk.de

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