Der Ausbildungsmarkt sieht gut aus

Auch für schwächere Schüler gibt es Ausbildungschancen

Die Agentur für Arbeit Offenbach, die IHK Offenbach am Main und die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main präsentierten eine positive Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2017/18.

In Stadt und Kreis Offenbach waren mehr Bewerber sowie mehr offene Stellen gemeldet als im Vorjahreszeitraum. Im Berichtsjahr 2017/18 gab es 3.429 gemeldete Bewerber, 8,7 Prozent mehr als 2016/17. Im gleichen Zeitraum wurden bei der Offenbacher Arbeitsagentur 2.200 Ausbildungsstellen gemeldet, 5,9 Prozent mehr. Zum Berichtsjahresende waren noch 70 Jugendliche unversorgt. Demgegenüber blieben 155 Ausbildungsstellen unbesetzt.

„Im vergangenen Ausbildungsjahr meldeten sich mehr Jugendliche als im Vorjahr bei uns, die eine Ausbildung machen wollten. Parallel wurden auch mehr offene Ausbildungsstellen von den Betrieben gemeldet. Der Ausbildungsmarkt ist für die Jugendlichen so gut wie nie zuvor und es zeigt sich, dass in den Betrieben langsam ein Umdenken einsetzt. Die Unternehmen sind mehr denn je bereit, auch Jugendliche zu berücksichtigen, die etwas schwächer sind. Aus arbeitsmarktpolitischer Sicht ist das sehr zu begrüßen“, sagt Thomas Iser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Offenbacher Arbeitsagentur. „Schwächeren Jugendlichen die Chance auf eine Ausbildung zu geben, führt im Regelfall zu einem Gewinn für alle Beteiligten. Der Betrieb kann seinen Ausbildungs- und später seinen Fachkräftebedarf decken und der oder die Jugendliche erhält eine Zukunftsperspektive, die häufig zu einem Entwicklungsschub führt. Die Agentur für Arbeit unterstützt Jugendliche und Ausbildungsbetriebe, wenn in der Ausbildung Unterstützung notwendig ist. Mit der Assistierten Ausbildung (AsA) und den ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) hat die Arbeitsagentur Werkzeuge, die individuell auf mögliche Problemlagen eingehen und gleichzeitig den Ausbildungsbetrieb entlasten. Je früher uns Betriebe und Auszubildende in solchen Fällen ansprechen, desto besser und effizienter können unsere Hilfsangebote greifen“, sagt Iser weiter.

„Wir müssen auch weiter daran arbeiten, Jugendlichen und Eltern den Wert einer dualen Ausbildung klarzumachen. Leider hält der Trend zum längeren Schulbesuch und zum nächsthöheren Abschluss weiter an. Gerade in Hessen ist aber eine Ausbildung keine Sackgasse, sondern kann zu vielerlei Berufskarrieren führen, inklusive Studium und Selbstständigkeit.“

IHK-Vizepräsident Hans-Joachim Giegerich erklärt: „Die Zahl der bei uns neu registrierten Ausbildungsverträge liegt mit 1.406 um 2,6 Prozent über dem Vorjahr. Damit können wir im vierten Jahr in Folge eine Steigerung bei den Ausbildungszahlen unserer Unternehmen melden. Wir haben aber nach wie vor das Problem, dass unsere jährliche Befragung der Ausbildungsbetriebe zeigt: Ein Drittel aller Betriebe kann nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Und unbesetzte Ausbildungsplätze hindern Unternehmen, die dringend benötigten Fachkräfte zu entwickeln.“

Die Beratung und Information der Schüler müsse daher stärker die tatsächlichen Entwicklungen des Arbeitsmarktes berücksichtigen. „Die hervorragenden Chancen und Möglichkeiten der beruflichen Bildung – von der Ausbildung über die Weiterbildung bis hin zum berufsbegleitenden Studium – müssen besser und früher erklärt werden. Hierfür benötigen die Schulen die entsprechenden Ressourcen und die Lehrkräfte müssen dafür qualifiziert sein. Das beinhaltet aus unserer Sicht auch regelmäßige Kontakte zur Praxis in den Unternehmen, etwa durch Praktika“, so Giegerich. Ein eigenes Unterrichtsfach „Wirtschaft“ könne ebenfalls einen wirkungsvollen Beitrag leisten. „Wer besser versteht, wie Wirtschaft funktioniert, kann auch besser einschätzen, welche Chancen und Möglichkeiten sich bieten“, ist Giegerich überzeugt.

„Das Handwerk in der Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main hat 3.709 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, rund sechs Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Bis September haben 175 junge Leute einen Ausbildungsplatz in Offenbach angetreten, in Offenbach Land 489“, sagt Florian Schöll, Leiter der Abteilung Berufsbildungspolitik und Prüfungswesen der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main. Besonders erfreulich seien die Zahlen der beschäftigten Geflüchteten: Hier gab es im Zeitraum 476 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im gesamten Kammerbezirk, das waren 34,5 Prozent mehr zum Zeitpunkt 2017.

„Der Bereich der Aus- und Weiterbildung ist eines der wichtigsten strategischen Handlungsfelder für das regionale Handwerk: Wir müssen den Schulabgängern, gerade auch den Abiturienten, die Möglichkeiten der Karriereperspektiven durch die Duale Bildung im Handwerk verdeutlichen. Das bedeutet auch, klar zu sagen, dass die Verdienstchancen mit einer Karriere im Handwerk alles andere als schlecht sind. Hierfür haben wir zum Beispiel eine Kooperation mit der Goethe-Uni, www.yourpush.de.“ Schöll weist zudem auf die Bedeutung der Weiterentwicklung der Ausbildungsinhalte hin: „Das Angebot unserer Berufsbildungs- und Technologiezentren in der Region machen wir aktuell fit für die Zukunft, nicht nur im Bereich der digitalen Transformation. Hierbei sprechen wir mit unseren Betrieben, Innungen und Fachverbänden nicht nur über Lehrinhalte, sondern auch über die Vermittlung des Stoffes.“

Der Ausbildungsmarkt ist für
die Jugendlichen
so gut wie nie zuvor.