Reingeschaut bei … Africa Greentec

Afrika braucht Energie

Licht einschalten, im Internet surfen, maschinell produzieren – was für uns selbstverständlich ist, kommt für viele Menschen in Afrika nicht in Frage. Laut der Internationalen Energieagentur haben nur 32 Prozent der Bevölkerung der Länder südlich der Sahara (Subsahara) Zugang zu Strom. Auch die Wirtschaft wird nicht verlässlich versorgt. Africa Greentec aus Hainburg will helfen, das zu ändern.

Auf der großen Freifläche in Hainburg werden die Solar-Anlagen getestet, bevor sie per Schiff nach Afrika reisen. V.l.n.r.: Die Africa-Greentec-Mitarbeiter Charlie Njonmou, Jesse Pielke und Robert Skibicki mit Gründer Torsten Schreiber. Foto: Birgit Arens-Dürr

Unternehmensgründer Torsten Schreiber hatte 2014 ein Schlüsselerlebnis. Er erinnert sich: „Ich habe ein Grundlastkraftwerk in Bamako, der Hauptstadt von Mali, besucht. Die 20-Megawatt-Anlage bestand aus alten Generatoren und verbrauchte ungefähr 170.000 Liter Heizöl am Tag, um bei einer Effizienz von ungefähr zehn Prozent Strom zu erzeugen.“ Die Produktion war teuer und umweltschädlich. Da seine Ehefrau aus Mali stammt, weiß er: Auf dem Land ist die Stromversorgung dort noch deutlich schlechter.

Finanziert ohne Fördergeld

In der sonnenreichen Region auf Photovoltaik zu setzen liegt nah. Schreiber hatte die Idee zu einem „Solartainer“. Das ist ein Container, in den ein komplettes Solarkraftwerk gepackt ist. Es lässt sich in wenigen Stunden ausklappen und in Betrieb nehmen. Für das Pilotprojekt in dem Dorf Mourdiah blieben Schreiber Fördermittel versagt. Über Spenden wollte er nicht finanzieren. Er fand eine Alternative: „Per ‚Crowdfunding‘ hatte ich das Geld innerhalb von drei Tagen zusammen.“ Im Gründungsjahr 2016 gehörte sein Start-up zu den Preisträgern der Handelsblatt Energy Awards, die Fortschritte und Veränderungen in der Energiebranche auszeichnen.

In Hainburg werden die Anlagen zusammengebaut und verpackt. „Der Stahlbau kommt aus dem europäischen Ausland, alles weitere aus Deutschland, vorwiegend von hessischen Unternehmen. Wir agieren als Generalunternehmer und geben ein Qualitätsversprechen. Die Anlagen sind auf 20 Jahre Betrieb ausgelegt“, versichert der Gründer. Ein „Solartainer“ wiegt 17 Tonnen und kann in sechs bis acht Wochen zu Seehäfen weltweit geliefert werden.

Derzeit hat Africa Greentec zehn Mitarbeiter. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt die Anlagen, konzipiert und realisiert die Finanzierung und ist gleichzeitig Stromversorger vor Ort in Afrika.

Modular und mobil

Mit dem aktuellen Modell lassen sich 300 Privathaushalte mit 3.000 Menschen und zehn Kleingewerbekunden versorgen – so Africa Greentec. Es hat eine Generatorleistung von 41 kWp und eine Speicherkapazität von 67 Kilowattstunden. Optional werden leistungsstärkere Solarmodule installiert oder ein Zusatzspeicher. Eine Wasseraufbereitungsanlage lässt sich ebenso integrieren wie ein Internetzugang via Satellit.

„Der Aufbau ist eine Gruppenleistung, bei der wir die Dorfgemeinschaft einbeziehen“, erklärt Projektleiter Jesse Pielke. Africa Greentec schule die künftigen Nutzer zur Technik und zur Energieeffizienz. „Es wird Strom produziert und gespeichert. Aber nachts ist das Angebot begrenzt, weil nicht geladen werden kann. Darum ist der Preis tagsüber niedriger.“ Sobald das Kraftwerk in Betrieb genommen ist, werde es vor Ort von einer einheimischen Sicherheitsfachkraft und einem Techniker betreut.

„Wenn sich ein Standort nicht rechnet, kann der ,Solartainer‘ an einem anderen zum Einsatz kommen“, sagt er. Die Mobilität sei wichtig, um möglichen Investoren Sicherheit zu geben, denn weitere, bereits beschlossene Projekte sollen über eine Unternehmensanleihe finanziert werden. Zehn Millionen Euro sollen den Bau von 50 Solarkraftwerken ermöglichen. Schreiber kommentiert: „Es bleibt ein privatwirtschaftliches Modell. Wir verstehen uns als Sozialunternehmen, das nicht gewinnmaximierend ausgerichtet ist. Die Anlage finanziert sich über den Stromverkauf. Die Abnehmer zahlen mit dem ‚Solartainer‘ einen deutlich niedrigeren Preis, verglichen mit dem Strom aus einem Dieselgenerator. Unser Ziel ist die schwarze Null.“

Strom für drei Millionen

Drei rot-gelb-grün gestrichene Container stehen noch auf dem zwei Hektar großen Firmengelände in Hainburg und sollen bald an ihre Bestimmungsorte verschifft werden. „Die Dörfer stehen schon fest. In Afrika haben wir einen hohen Bekanntheitsgrad“, freut sich Schreiber. Kürzlich habe er die Präsidenten von Niger und Mali in Berlin getroffen.

Natürlich wären die umweltfreundlichen, gut zu transportierenden „Solartainer“ auch geeignet für den Einsatz in Flüchtlingslagern, Katastrophengebieten oder Regionen mit schlechter Stromversorgung auf anderen Kontinenten. Doch für ihn steht fest: „Wir konzentrieren uns auf Afrika. Die Subsahara-Staaten sind besonders vom Klimawandel betroffen. Die Temperaturen steigen dramatisch, die Böden sind ausgeschwemmt. Es ist extrem trocken. Weitere Ernterückgänge und daraus resultierende Fluchtbewegungen sind zu erwarten. In diese Länder muss investiert werden, damit mehr Menschen Zugang zu Strom und sauberem Wasser bekommen. Wir müssen ihren Problemen Aufmerksamkeit schenken und ihnen beim Finden von Lösungen helfen. Diese Zusammenhänge werden in den Flüchtlingsdebatten in Deutschland noch viel zu wenig berücksichtigt.“

Seinen eigenen Beitrag zur Verbesserung der Situation hat er definiert: „Ich will drei Millionen Menschen mit Strom versorgen und das Unternehmen anschließend an meine drei Kinder übergeben.“

Informationen:
www.africa-greentec.de

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